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It’s all about the Money

Premier Golf League

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Die Idee einer Liga für die Golfelite bekommt immer wieder neuen Drive. Die Premier Golf League wendet sich nun in einem offenen Brief an die Golf-Community. Viele Spieler äußern sich allerdings kritisch. Und sie haben dabei das letzte Wort.

Das Vorhaben, eine Liga für die Golfelite zu installieren, sorgt immer wieder für Schlagzeilen. Bereits Greg Norman wollte in den 90ern mit solchen Plänen der Golfwelt eine neue Ordnung verpassen. Und die Idee findet nach wie vor finanzkräftige Antreiber. Wer dahinter steckt und woher das Geld kommt, war lange Zeit Teil der Spekulationen. US-Golfjournalist Alan Shipnuck vom „The Fire Pit Collective“ brachte als Erster Licht ins Dunkel: Die Gerüchte, die Premier Golf League werde von Geldgebern aus Saudi-Arabien unterstützt, sind falsch. Zwar versucht die PGL nach wie vor, eine Konkurrenz zu den etablierten Touren aufzustellen, aber mit drei Dutzend – meist amerikanischen und europäischen – Investoren, die ein Insider als Mischung aus „Sport-Franchise-Besitzern, vermögenden Privatpersonen und multinationalen Unternehmen“ beschreibt. Gleichwohl gab es fortgeschrittene Gespräche mit ­saudischen Geldgebern, ein Deal kam aber nie zustande.

Nun versucht Saudi-Arabien mit der Super Golf League sogar sein eigenes Glück. „Die haben unsere Idee zu 100 Prozent geklaut“, wird ein PGL-Investor zitiert. Also sei keine Rede von einem Partner, sondern einem neuen Konkurrenten. Mittlerweile hat das die PGL auf Twitter bestätigt und sich in einem offenen Brief an die Golfwelt gewandt. Kurz zur Erinnerung: Anfang 2020 gab es erste Informationen zu den Plänen und Multi-Millionen-Dollar-­Versprechen an die Spieler. Der Tourkalender soll von Januar bis September 18 über den Globus verteilte Turniere umfassen (zwölf in den USA). 48 Golfer spielen dabei um ein Preisgeld von zehn Millionen US-Dollar, zwei Millionen für den jeweiligen Sieger. Um das ganze TV-freundlicher zu gestalten, stehen nur drei Runden am Programm, und ein Kanonenstart kommt zum Einsatz. Der Cut fällt weg. Ein entscheidender Punkt ist auch der Teamwettbewerb, wobei je vier Spieler gemeinsam Punkte sammeln, um am Ende des Jahres nochmals absahnen zu können. Insgesamt geht es um Preisgelder in Höhe von 240 Mio. US-Dollar.

Losgehen soll es jüngsten Informationen zufolge Jänner 2023. Eine weitere Neuigkeit: Bei jedem Event soll ein 13. Team mit Wildcard-Spielern an den Start gehen, die von den Fans gewählt worden sind. Zudem hat die PGL beteuert, 50 Prozent der Liga-Anteile an die Community zu „verschenken“, um zu zeigen, dass der Fokus nicht auf Geld liegt. Mit dem Projekt wolle man Golf massentauglicher machen und Golf-Fans gewinnen, „die sonst nur bei den Majors oder dem Ryder Cup einschalten“.

Money makes  the world go round

Die Super Golf League ist mit zehn bis zwölf Turnieren pro Jahr geplant und soll im Mittleren Osten, insbesondere in Saudi-Arabien, stattfinden. Denn die Saudis haben das erklärte Ziel, in den nächsten zehn Jahren Dutzende neue Golfplätze zu bauen und eine Million Bürger für das Spiel zu begeistern. Vom Argument, durch den Sport von den Schattenseiten des Regimes ablenken zu wollen, können sie sich damit nicht befreien. Bestätigt hat sie auf ihrem Weg hingegen der Zuspruch zahlreicher Golfstars, die beim erstmals 2019 ausgetragenen European Tour Turniers in Saudi-Arabien gerne ihre Millionen als Startgeld einstecken. Laut der britischen Tageszeitung „Daily Telegraph“ hat sich bereits ein saudisches Investorenteam in Jupiter, Florida, eingefunden um mit einigen Zug­pferden wie Dustin Johnson, Justin Rose, Brooks Koepka und Phil Mickelson (alle haben sich durchaus aufgeschlossen für so ein Format gezeigt) die SGL zum Laufen zu bringen. Von 30 Millionen Dollar Gage und mehr pro Star ist die Rede. Im Pot der Finanziers befindet sich offenbar bis zu eine Milliarde Euro. „Und wo Geld ist, gibt es Hoffnung“, gibt ein Topspieler bei Golfchannel.com anonym zu denken.

Als Konkurrenz zu den etablierten Touren wollen sich die Möchtegern-Touren aber nicht sehen, sondern als Ergänzung. Jedoch würde der neue Wettbewerb dem regulären Kalender der PGA Tour als auch der European Tour massiv in die Quere kommen. Eine Koexistenz ist daher nur schwer vorstellbar. Erst recht, wenn man PGA Tour Commissioner Jay Monahan fragt. Der machte schnell deutlich, dass sich die Spieler – sollte eine neue Turnierserie wirklich an den Start gehen – entscheiden müssten. Ob sie Spieler wirklich sperren könnten ist rechtlich umstritten, lange Rechtsstreitigkeiten wären mit Sicherheit die Folge. Die großen Profitouren aus den USA und Europa wollen ihre Vorherrschaft aber jedenfalls halten und haben dazu gemeinsam in einer „strategischen Allianz“ Stellung bezogen. Die PGA Tour besitzt nun Anteile an der European Tour Productions und erhielt einen Sitz im Vorstand der European Tour. Nicht zuletzt, weil der ET bereits ein Angebot seitens der Konkurrenz gemacht wurde, um „die Tour auf ein neues Level zu heben, aber in eine andere Richtung zu führen“, so Pelley. Die PGA Tour führte Anfang des Jahres hingegen das sogenannte „Player Impact Program“ ein, das ein Selbstläufer für die Stars der Szene ist und 40 Millionen US-Dollar umfasst. Dabei geht es allein um die Medienwirksamkeit der Profis, die nur durch ein Antreten für mehr Aufmerksamkeit sorgen und somit für Turnierveranstalter, TV-Anstalten und die Tour mehr ­Einnahmen generieren.

Eine große Hürde sind auch die Auswirkungen auf die Weltrangliste und in weiterer Folge auf die Majors und den Ryder Cup. Klar ist jedenfalls: So leicht werden sich die Spieler nicht von den prestigeträchtigsten Veranstaltungen im Golfsport trennen lassen. Genauso wenig wie von ihren Privilegien. „Golf ist die einzige bedeutende Sportart, in der die Spieler die Kontrolle über ihren Spielplan haben“, ist sich Phil Mickelson bewusst. Diese Selbstbestimmung müssten sie abgeben. Ob ein Millionenregen das alles wettmachen kann? Seiner Meinung nach könnte der globale Golfmarkt jedenfalls stark von so einer Liga profitieren. Und der Modernisierungszwang könnte weiter angetrieben werden. Die Unterstützung vieler Stars ist der PGA Tour aber auch so sicher. Realität wird eine neue Superliga aber nur mit ausreichend Starpower. Ob der Ball bald woanders als auf den etablierten Touren ins Rollen gebracht wird, liegt allein in Hand der besten Spieler der Welt. Das musste auch Greg Norman seinerzeit zur Kenntnis nehmen. Er scheiterte in erster Linie an der mangelnden Rückendeckung seiner Kollegen, die auf Anraten von „King“ Arnold Palmer die große Tradition im Golfsport weiter belebten.

 

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GOLF REVUE Ausgabe 2/2021

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Fotos: iStock / S_Chum / Cimmerian

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