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Was Sie für 2021 alles wissen müssen

Ab 2021 gilt das World Handicap System

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Das World Handicap System soll der globalen Sportart Golf ein einheitliches Dach bieten und die bisherigen sechs Systeme ersetzen. Mit Saisonbeginn 2021 wird das WHS auch in Österreich eingeführt. Zuvor mussten allerdings einige Anpassungen vorgenommen werden.

Der Royal and Ancient Golf Club of St. Andrews (R&A) und die United States Golf Association (USGA) wollen mit einem global gültigen World Handicap System (WHS) eine neue Ära im Golfsport einläuten. Im Hintergrund gearbeitet wurde daran bereits seit 2011, und die Überlegung scheint nur logisch: In einem globalen Sport sollen die bislang sechs bestehenden Handicap-(Hcp)-Systeme zu einem einheitlichen Code zusammengefasst werden. Die Umsetzung fällt aber aufgrund der unterschiedlichen Zugänge – und weil zunächst einige sehr fragwürdige Bestandteile des WHS bekämpft werden mussten – umso schwerer. Von einheitlich kann nun aber nicht mehr die Rede sein. In einigen Ländern gilt das WHS etwa bereits ab Anfang 2020 (also gibt es zur Zeit sogar sieben Hcp-Systeme), in Österreich und allen anderen Ländern in Europa bis auf Finnland erst ab 2021.

Als Grundsatz gilt: Die neue Stammvorgabe, der World Handicap Index (WHI), berechnet sich aus den besten acht der letzten 20 vor – gabenwirksamen Ergebnisse, ähnlich einer bereits in den USA praktizierten Durchschnittsberechnung. Hat ein Spieler weniger Ergebnisse, wird mit einer angepassten Formel eine kleinere Anzahl zur Ermittlung des WHI herangezogen. Sollten keine vorgabenwirksamen Ergebnisse vorliegen (die Daten des ÖGV gehen bis ins Jahr 2002 zurück), wird die bisherige Stammvorgabe einfach ins neue System übernommen (für den ÖGV wäre diese Regelung rückblickend betrachtet für alle Golfer passend gewesen). Das WHS soll also die aktuelle Spielfertigkeit genauer reflektieren als das bislang gültige EGA- Vorgabensystem.

Der große Unterschied zum aktuellen System liegt in der Berechnungsgrundlage: Während die Vorgabe zur Zeit aufgrund jedes neuen handicapwirksamen Resultats in Zehntelschritten angepasst wird, ist der WHI ein Mittelwert aus besseren Runden, der bei der Kalkulation schlechtere Ergebnisse außen vor lässt. Daher wird es vorkommen, dass zwei Spieler mit derzeit identischer Vorgabe zukünftig unterschiedliche Handicaps haben. Um das aktuelle Spielpotenzial auch realistisch darstellen zu können, ermutigte 2020 eine Einführungsphase die Golfer, möglichst viele vorgabenwirksame Wettspiele und EDS-Runden zu bestreiten. Im Übergangsjahr wurden daher alle vorgabenwirksamen Turniere und EDS-Runden ohne mögliche Hcp-Verschlechterung („Reduction only“) gewertet.

WICHTIGE ANPASSUNGEN

Die Intention, ein weltweit einheitliches Handicap-System in einer global vernetzten Welt einzuführen, ist im Grunde genommen zeitgemäß. Als die nationalen Verbände 2016 damit konfrontiert wurden, regte sich aber vor allem seitens Österreich großer Widerstand. Denn zuvor gab es keinerlei Kommunikation, und auf Nachfragen zum neuen System lange Zeit keine Antworten. Mitspracherechte gab es in der ersten Phase also keine. Ein Vertrag (ohne Kündigungsmöglichkeit) sollte aber bereits unterschrieben werden. Damit das neue System aber überhaupt den Ansprüchen der österreichischen Golflandschaft gerecht wurde, mussten zuvor einige Anpassungen vorgenommen werden. Denn der Österreichische Golf-Verband hatte die Befürchtung, dass das neue System, wie es ursprünglich geplant war, einen negativen Einfluss auf den Golfsport in Österreich haben könnte. Die Einführung des Systems stand deswegen in Österreich lange Zeit auf der Kippe, gar ein eigens eingeführtes System stand im Vorstand zur Debatte. Mit Generalsekretär Robert Fiegl als Vorreiter kämpfte der ÖGV bei Sitzungen internationaler Gremien (sogar zwei Anwälte wurden bei einem EGA-Kongress in Stellung gebracht) deshalb um wichtige Anpassungen und darum, keine voreiligen Beschlüsse zu fassen.

Zum Beispiel: Das World Handicap System hätte eine Regelung vorgesehen, wonach bei einem 18-Loch-Turnier zumindest zehn Löcher gespielt werden müssen – danach hätte jederzeit aufgehört werden können, und zwei Nettopunkte pro Loch kämen hinzu. Ein Chaos in Turnierrunden wäre vorprogrammiert, sollte einem Flight im Laufe des Spiels gleich mehrere Spieler abhanden kommen. Laut ursprünglicher Variante sollte zudem jede gespielte Runde – egal, ob privat mit Freunden oder mit dem Club-Pro – im Nachhinein(!) auch als EDS-Runde angemeldet werden können und somit ins Handicap einfließen. Diese Möglichkeit fällt ebenfalls weg.

Zudem mussten weitere Baustellen beseitigt werden. Die Course- und Slope-Ratings aller Golfclubs weltweit mussten an das aktuelle Ratingsystem der USGA, das als künftige Basis dient, angepasst werden. Und neue Ressourcen und Materialien zur Information mussten geschaffen werden, auch, um die Schulung und Verbreitung zu gewährleisten.

Hier finden Sie die aktuelle Ausgabe zum Nachlesen im E-Paper Format:
GOLF REVUE Ausgabe 4/2020

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Fotomontage: iStockphoto / Michael Svoboda / Claire McAdams / Nastco

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