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Wirtschaftsfaktor Golf

Unsere Golflandschaft

Wirtschaftsfaktor Golf
Wirtschaftsfaktor Golf
Wirtschaftsfaktor Golf

Wir haben mit Dr. Klaus Ennemoser und Gerhard Nagele, beides Wirtschaftsexperten mit Golf als ausgewiesenem Fachgebiet, einen detaillierten Blick auf die österreichische Golflandschaft geworfen.

Dass Golf mehr als „nur ein Sport“ ist, beweisen die wirtschaftlichen Eckdaten: Golf ist in Österreich ein entscheidender Wirtschaftsfaktor und stellt im Bereich der örtlichen Wertschöpfungskette einen Multiplikator dar. Das jährliche Umsatzvolumen beträgt laut Studie der Ennemoser Wirtschaftsberatung stolze 753 Millionen Euro. Die Zahlen stammen zwar bereits aus dem Jahr 2013, stimmen mit der aktuellen Situation im Wesentlichen aber noch überein. Lediglich in puncto jährliches Ausgaben-Volumen durch österreichische Golfer (ca. 349 Mio. Euro) und Golf-Touristen (ca. 404 Mio. Euro) müssten die Zahlen aufgrund geringerer Mitgliedszahlen in den Golfclubs (rund 8.000 weniger), bei einem gleichzeitigen Anstieg der Greenfee-Spieler angepasst werden – „In Summe dürften Umsatzvolumen und Sekundäreffekte gleich geblieben sein“, so Gerhard Nagele, Hauptautor des „Branchenreports Golf 2013“ und Senior Consultant der Ennemoser Wirtschaftsberatung. Zirka ein Siebtel der heimischen Golf-Ausgaben entfällt dabei auf den Golfhandel. Und mittels Multiplikatoreffekten wird in Österreich ein geschätztes Regional-Einkommen von 2,5 Milliarden Euro generiert – pro Jahr! Gesamtwirtschaftlich gesehen ist Golf somit die drittgrößte Sportart in Österreich. Und das, obwohl die klimatischen Bedingungen in Österreich nur 210– 240 Betriebstage ermöglichen. Gute Gewinnaussichten, wenn ein Drittel des Jahres der Betrieb stillsteht, sind auch nur bei wenigen Anlagen gegeben.

Das angepasste Geschäftsmodell

Eine klare Aussage, wie es aktuell um die österreichische Golflandschaft steht, ist aber nicht möglich, weil das Geschäftsmodell der Clubs so verschiedenartig ist und auf den jeweiligen Mikromarkt abgestimmt werden muss: vom klassischen Vereinsmodell mit Aufnahmegebühren und Jahresbeiträgen (im Vordergrund steht die Naturalrendite des Golfspiels) bis zum touristischen Platz als Geschäftsmodell mit möglichst hoher Auslastung und Einnahmen. „Um die Golfindustrie in Österreich steht es wie um viele andere Branchen: Im Wesentlichen geht es den Golfanlagen gut, wobei es ein paar Anlagen gibt, die unter wirtschaftlichem Druck stehen, und ein paar Anlagen, die höchst erfolgreich agieren; sozusagen eine Gauß’sche Normalverteilung“, gibt Nagele einen Einblick.

Eine klare Diskrepanz gibt es aber zwischen stadtnahen und ländlichen Clubs – vor allem aufgrund der Mitgliederzahlen. „Die besser laufenden Golfplätze liegen zumeist im Umkreis der Landeshauptstädte, die Bevölkerungs- und Einkommensstruktur ist hier einfach besser, und es gibt sehr erfolgreiche Golfanlagen, die 20.000 Greenfees und mehr verkaufen“, so Dr. Klaus Ennemoser, gerichtlich zertifizierter Sachverständiger für Tourismus und Golf. Gemeinsames Problem ist jedoch, dass häufig das Geld für Redesign und/oder Investitionen für die in die Jahre gekommenen Golfanlagen, insbesonders jenen aus den 1980er/1990er-Jahren, fehlt. Die Kosten sprengen aber zumeist den Rahmen: Ein neuer Maschinenpark kostet z. B. gebraucht ab 400.000 Euro aufwärts. Setzt man auf eine bessere Ausstattung, sind locker 600.000 Euro weg. Allein der jährliche Instandhaltungsbedarf einer Golfanlage liegt bei zirka 100.000 Euro. Dieser Investitionsstau muss laut den Experten aber ein Ende nehmen: „Irgendwann wird kein Weg daran vorbei führen, Geld in die Hand zu nehmen, damit die Anlage wieder moderne Standards erfüllt.“ Aktuell gibt es auch Betreiber, die ihre Golfanlage verkaufen möchten. Das Problem sei jedoch, das ähnlich wie im Tourismus Betriebsnachfolger fehlen und die Preise aufgrund des faktischen Nachfragemonopols nach Golfanlagen im Keller sind und sich wahrscheinlich auch nicht erholen werden: „Es gibt wenige potenzielle Käufer, die aber warten, bis ein Kauf günstig ist – ein rein unternehmerischer Ansatz. Jeder Käufer, der Golf als Geschäftsmodell sieht, kauft nur zukünftige Gewinne ein. Wenn keine zu erwarten sind, fällt der Preis.“

Das Markenpotenzial

Gerade ein Neubau einer Anlage wäre aber ein möglicher Treiber für benötigtes Wachstum (oder die Vorbildwirkung von Österreichs Titeljägern im Profisport – siehe Seiten 74–79). Denn österreichweit ist der Mitgliederstand seit 2013 jährlich zurückgegangen. „In den letzten zehn Jahren gab es eine durchschnittliche Steigerung von 2,8 % p. a., allerdings Austritte in Höhe von durchschnittlich 3,5 % p. a. Interessant ist, dass die Quote der Eintritte im Vergleichszeitraum gesunken ist, während die Quote der Austritte eher konstant blieb. Das hat zur Folge, dass die Gesamtanzahl sinkt. Wären keine Mitglieder ausgetreten, würden wir heute ca. 140.000 Golfer zählen.“ Zuzüglich nicht registrierter Golfer bzw. Urlaubsgolfer und Golfer-Karrieren auf Pause schätzen die Experten das Potenzial auf zirka 180.000.

Und auch wenn das Marktpotenzial in Österreich vielerorts hinreichend ausgeschöpft wird, eine zu lange Anreise hält laut Dr. Ennemoser nach wie vor potenzielle Spieler ab.

Quelle Grafik: Ennemoser Wirtschaftsberatung GmbH: Tourismus-Golf-Immobilien-Sachverständige

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GOLF REVUE Ausgabe 1/2020

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Fotomontage: Getty Images / Yagi Studio, shutterstock / joesayhello, iStockphoto / mactrunk / paulprescott72 / filistimlyanin / paulprescott72 / subjug

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