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Österreichs Spitze im Fokus

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2019 war für Österreichs Golfelite ein Erfolgsjahr mit Ausrufezeichen. Heuer stehen mit Olympia und Ryder Cup zwei zusätzliche Topevents an. Wer schreibt 2020 die Erfolgsgeschichte weiter?
Bernd Wiesberger
Foto: Getty Images / Kevin C. Cox

Bernd Wiesberger sorgt seit Jahren für die großen Schlagzeilen in Österreichs Golf-Mikrokosmos. Der 34-Jährige fügte 2019 seiner Vita drei weitere Siege hinzu und ist nach seiner Verletzung in der Entry List wieder in der Kategorie 0 unter den besten Spielern der Welt angekommen. Das soll sich heuer auch verstärkt bei den Majors und WGCs widerspiegeln. „Ein großes Ziel für die heurige Saison ist, bei den großen Events um den Sieg mitspielen zu können. Auch wenn das letzte Jahr mit drei Siegen einige Highlights hatte, will ich meine Konstanz verbessern und mich noch öfter in eine gute Lage für den Sonntag bringen.“ Auch für das Europäische Ryder-Cup-Team will er sich mit guten Ergebnissen empfehlen: „Urlaub werde ich in dieser Woche keinen buchen.“ Österreich bei den olympischen Spielen vertreten („ein Highlight in der Karriere eines jeden Athleten“) durfte er mit großer Freude bereits 2016. „Heuer gibt es von österreichischer Seite mehrere Kandidaten, die für Olympia in Frage kommen, und wir werden sicherlich um die Plätze kämpfen.“ Er liegt dabei auf Poleposition. Wichtig ist Österreichs Nummer eins aber, sich laufend weiterzuentwickeln und an den Schwächen zu arbeiten. „Meine Erwartungen orientieren sich daran, ob es mir gelingen wird, die Trainingsinhalte auch im Wettbewerb umsetzen zu können.“ Dabei spricht er die Technik-Camps mit seinen Coaches an, wobei am Feintuning gearbeitet wurde, um besonders das Spiel vom Tee etwas verlässlicher werden zu lassen als am Ende der Saison 2019. 

Sepp Straka
Foto: Getty Images / G Fiume

Sepp Straka hat in seiner jungen Karriere bereits Sportgeschichte geschrieben. Als erster Österreicher überhaupt sicherte sich der Absolvent der University of Georgia (Business Management) die Karte für die US PGA Tour und durfte 2018/19 regelmäßig mit den Stars der Szene auf Birdiejagd gehen – und das gelang ihm ausgesprochen gut: Gleich beim Debüt lag er nach Runde eins an der Spitze des Leaderboards, und als einer von nur acht Rookies qualifizierte er sich am Ende der „Regular Season“ für die FedExCup-Playoffs und beendete die Saison als 115. im Jahresranking – gleichbedeutend mit knapp einer Million Dollar Preisgeld und der Tourkarte für 2019/20. Auf seinem Weg holte er sein bestes Ergebnis auf der wichtigsten Golf-Tour (Platz drei) und qualifizierte sich zudem für die US Open – sein erstes Major. Die vergangene Saison soll aber nur der Anfang gewesen sein. Für heuer steht die Erfüllung eines Traums im Fokus: der erste Sieg auf der ganz großen Bühne des US-amerikanischen Golfsports (2018 siegte er bereits auf der Korn Ferry Tour). Mit bereits zwei vierten Plätzen und den größten Schecks der noch jungen Karriere ist der 26-Jährige jedenfalls auf dem richtigen Weg, die Erfolge aus dem Vorjahr nochmals zu toppen. Mit guten Ergebnissen kann er natürlich auch noch im Kampf um die Olympia-tickets ein Wörtchen mitreden. Seine Stärken: Der 1,91 Meter große und über 100 Kilo schwere Longhitter ist vom Abschlag sehr verlässlich und insgesamt mental auf der Höhe – sein Auftreten stets besonnen. Sein persönliches Motto: „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold!“ 

Christine Wolf
Foto: Ladies European Tour / Tristan Jones

Christine Wolf beendete 2019 die zehnjährige Durststrecke im österreichischen Damengolf und eroberte ihren ersten Sieg auf der Ladies European Tour. Mit insgesamt fünf Top–Ten-Ergebnissen landete die Tirolerin in der Jahreswertung schließlich auf dem starken dritten Platz und konnte endlich die Früchte ihrer jahrelangen harten Arbeit ernten: „2019 war bis jetzt sicher mein bestes Jahr auf der Tour. Ich fühle mich wohl auf der LET und kann mit Situationen besser umgehen als noch vor einigen Jahren.“ Den Erfolg aus dem Vorjahr zu toppen, wird dennoch kein leichtes Spiel: „Ich werde meiner Linie treu bleiben und Schritt für Schritt meinen Plan durchziehen – dann kommen auch die Erfolge wieder von selbst.“ Wie z. B. die ersten guten Ergebnisse bei Major-Turnieren. Ein weiteres Saisonziel sind die Olympischen Spiele in Tokio – die Quali ist fast nur mehr Formsache, um dann auch „in Japan vorne mitzuspielen“. Aufgrund der Erfolge österreichischer Olympioniken in der Vergangenheit und ihren guten Erinnerungen an viele gebannte Stunden vor dem TV-Gerät seit der Kindheit haben die Spiele auch einen großen Stellenwert für sie. Die zweite Olympia-Teilnahme nach 2016 steht aber derzeit in Frage: „2016 war es das Zika-Virus, das einige davon abhielt, nach Rio zu kommen – ich hoffe, dass bis August das Coronavirus eingedämmt werden kann.“ In der über einen Monat langen „Off-Season“ der LET hat Wolf vor allem an der Fitness gearbeitet. „Außerdem habe ich mit Steve -Waltman die Technik etwas verfeinert und in Australien viel kurzes Spiel trainiert.“

Matthias Schwab
Foto: Markus Berger / Red Bull Content Pool
Foto: Markus Berger / Red Bull Content Pool

Matthias Schwab war 2019 auf der European Tour die Konstanz in Person. Der 24-jährige erspielte sich in seinem erst zweiten Tourjahr zehn Top-Ten-Platzierungen – mehr als jeder andere – und verpasste seinen Premierensieg nur knapp. Mit fünf Top-Five-Ergebnissen gegen Ende der Saison sicherte sich Schwab in der Jahreswertung aber den ausgezeichneten 17. Platz. Die Challenge ist nun, diese Ergebnisse zu wiederholen oder im Idealfall zu toppen. „Die Erfolge aus dem vergangenen Jahr geben mir Selbstvertrauen“, ist Schwab zuversichtlich und setzt auf die Weiterentwicklung in seinem Spiel: „Wenn mir das so wie in den letzten Jahren gelingt, bin ich zufrieden, und die Entwicklung in den Ranglisten usw. ergibt sich als Folge von selbst.“ Auf der To-do-Liste für 2020 steht neben dem ersten Sieg auf der EPT aber auch das Erreichen der top 50 im OWGR zum Jahresende. „Natürlich werde ich sehr hart daran arbeiten müssen.“ Olympia hat für der Rohrmooser einen „sehr hohen Stellenwert“, sollte die Qualifikation klappen, wird er also teilnehmen. Bei nur 60 möglichen Teilnehmern liegt er derzeit auch ausgezeichnet im Rennen. In puncto Ryder Cup ist Schwab derzeit in guter Lauerstellung, eine mögliche Teilnahme ist für ihn aber noch kein Thema: „Ich plane grundsätzlich nicht sehr weit nach vorne.“

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GOLF REVUE Ausgabe 1/2020

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Fotomontage: Getty Images / Mark Runnacles / Warren Little / Sam Greenwood / Quality Sport Images

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