Cover Story | Abschlag

EINER FLOG ÜBER DAS GOLFLOCH

Andreas Goldberger im Interview

EINER FLOG ÜBER DAS GOLFLOCH
EINER FLOG ÜBER DAS GOLFLOCH
EINER FLOG ÜBER DAS GOLFLOCH

Andreas Goldberger ist dank seiner Erfolge und seines Engagements für den Skisprung-Sport auch 15 Jahre nach Karriereende ein Idol der Jugend.

Der ehemalige Superadler hat am Fuße der Drachenwand seine Heimat einst beim Golfen entdeckt und genießt nun die Lebensqualität in der Region um den Mondsee. Mitglied ist er zwar im GC Drachenwand. Für uns flog er aber über die Löcher des Golfclubs am Mondsee.

Welche Bedeutung hat der Sport in deinem Leben?

Andreas Goldberger: Sport ist für mich ganz wichtig, schon seit Kindertagen. Sport ist Lebensqualität und Erholung. Wenn ich gestresst bin, ist Sport meine Genesung. Da geht’s mir einfach besser.

Der Sport ist in gewisser Weise dein Lebensmotto?

Ich identifiziere mich nach wie vor über den Sport. Weil ich weiß, wenn ich Sport mache, dann geht’s mir gut, und gleichzeitig spüre ich, wo es wehtut. Wenn ich nur auf der Couch liege, dann spüre ich nichts!

Worauf bist du, im Rückspiegel betrachtet, besonders stolz?

Dass ich es als kleiner „Bauernbua“ aus dem Innviertel ganz nach oben geschafft und meine Kindheitsträume verwirklicht habe. Als Kinder hatten wir einfach nicht viele Möglichkeiten, also haben wir uns eine kleine Sprungschanze gebaut. Und mit der Unterstützung von meinem Bruder – sonst hätte ich nie damit angefangen – und meinem damaligen Trainer konnte ich beginnen, meinen Traum zu verwirklichen: rauskommen und die Welt sehen! Ohne den Sport hätte ich nie diese Möglichkeit gehabt. Der Sport war mein Sprungbrett. Weltrekord, Vierschanzentournee, Weltcup, Weltmeister – das alles erreicht zu haben, macht mich natürlich stolz.

Was war dein Erfolgsgeheimnis?

Man braucht ein gewisses Talent. Dann braucht man auch das Glück, einen Trainer zu haben, der das Talent entdeckt und ausreizt. Schließlich braucht man noch den Ehrgeiz, die Zielstrebigkeit und die Disziplin, das auch umzusetzen. Und trotzdem muss man dabei locker bleiben! Es gehört also viel dazu. Und Glück braucht man auch, um von schweren Verletzungen verschont zu bleiben. Ich wollte es auch immer selber und hab mich auf Wettkämpfe gefreut. Ich habe nie müssen, ich habe es machen dürfen und es als Privileg angesehen, dass mir meine Eltern und meine Trainer dies ermöglicht haben.

Wann hast du mit Golf angefangen?

Noch während deiner aktiven Karriere? Wenn ich kein Skispringer gewesen wäre, dann hätte ich wohl nicht mit Golf begonnen: Ich war damals im B-Kader, und Toni Innauer ist Nationaltrainer geworden. Und bei einem Trainingskurs haben wir auf seine Anweisung alle Golf gespielt, oder, besser, spielen müssen – hab ich mir damals noch gedacht. Weil er sehr viele Parallelen zwischen Skispringen und Golfen gesehen hat.

Wo liegen die Parallelen zwischen Golfschwung und Skisprung?

Beides sind Bewegungsabläufe, auf die man im Wettkampf nicht bewusst eingreifen kann – es muss ein abgespeicherter Bewegungsfluss sein. Man muss auf der Driving Range oder auf der Schanze trainieren, bis man es intus hat, damit man es im Wettkampf einfach nur laufen lassen kann. Und es war auch ein super Mentaltraining. Ein Sprungdurchgang dauert nicht lange, und man hat dazwischen viel Zeit, nachzudenken. Die Spannung muss also hochgefahren und wieder runtergefahren werden, denn die Konzentration kann man nicht so lange hochhalten. Der Kopf wird sonst müde. Das gleiche gilt für den Golfsport. Zwischen den Schlägen muss man auch abschalten können. Und nach einem Training oder in der Regenerationszeit war es für mich ein guter Ausgleichssport, aber schon mit dem Hintergedanken, einen positiven Effekt für das Skispringen mitzunehmen. Ich bin nicht Golfspielen gegangen, damit ich mir die Zeit vertreibe. Dabei hat es aber auch immer um einen Einsatz gehen müssen, zumindest um Schuh- oder Schlägerputzen. Und was auch schön war: Man hatte seine Ruhe. Mittlerweile ist es anders, heute brauche ich mehr Action.

Was war bisher dein schönstes Golf­Erlebnis?

Z. B. als ich mit Niki Zitny oder Markus Brier ProAm spielen durfte – die nie einen Ball suchen mussten. Aber auch nicht meinen! Ich habe in den Wald hineingeschossen, und sie haben immer gewusst, wo mein Ball liegt. Aber das geilste Golf-Erlebnis war, mit Miguel Ángel Jiménez in Atzenbrugg ProAm zu spielen. Nach sechs Löchern hat es so stark zu regnen angefangen, das Turnier musste sogar abgebrochen werden. Er hat aber trotzdem gesagt, er will sich mit seinem Caddie den Platz weiter anschauen und fertig spielen, egal, wie das Wetter ist. Ich bin dann noch drei Löcher bis zur 9 mitgegangen. Das war ein Supererlebnis. Wir haben bei Sommer-Trainingskursen in Norwegen und Finnland auch Golf gespielt. Das war auch ein tolles Erlebnis, weil sie dort eigene Gummistiefel mit Spikes zum Golfspielen anziehen.

Der Golfsport hat dich auch deinem Haus und Wohnort nähergebracht?

Ich hätte die Region um den Mondsee vielleicht nie so kennengelernt, wenn ich nicht hier Golf gespielt hätte. Ich habe mein Haus das erste Mal gesehen, als ich hier am Platz des GC Drachenwand Golf gespielt habe. Wo ich auch heute Mitglied bin. Wir haben damals mit Blick auf den See und die Umgebung gescherzt: Hier hast du eigentlich alles, wie cool wäre es, hier zu wohnen.

Was zeichnet die Region deiner Meinung nach aus?

Die Region ist so vielfältig. Die Lebensqualität ist perfekt. Sie liegt in Nähe zu Salzburg und dem Flughafen. Man ist am See und hat gleich die Berge vor der Tür. Und Golfer haben in der Region auch eine tolle Auswahl – und zwar wirklich gute Golfplätze. Es ist außerdem sensationell zum Rennradfahren und Mountainbiken. Für mich ist es ein Paradies.

Das ganze Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der GOLF REVUE!
Hier finden Sie die aktuelle Ausgabe zum Nachlesen im E-Paper Format:
GOLF REVUE Ausgabe 1/2020

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EINER FLOG ÜBER DAS GOLFLOCH

Fotos: Christian Jungwirth

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