Cover Story | Kultur

BEND DOWN BOUTIQUE

Pauline Marcelle gestaltete das aktuelle Cover und gewährte Einblick in ihr Atelier.

BEND DOWN BOUTIQUE
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BEND DOWN BOUTIQUE

Text: Silvie Aigner

Pauline Marcelle thematisiert mit ihrer Kunst die negativen Auswirkungen der Altkleidersammlung und transformiert die gestrandeten Stoffbündeln zu abstrakten Gebilden. Für die aktuelle Ausgabe schuf sie das Cover.

Pauline Marcelle wurde in der Republik Dominica, einer Insel der Kleinen Antillen in der Karibik, geboren und wuchs in Brooklyn, New York City, auf. Seit 1991 lebt die Künstlerin in Wien. Das Textil und die Kleidung sowie ihr Weg von der Herstellung bis hin zum Second Hand Produkt stehen im Mittelpunkt ihrer Serie „Bend Down Boutique“. Diese bezieht sich auf den Handel mit Secondhand-Kleidung, die vor allem in afrikanischen Ländern die Frage nach Globalisierung in den Raum stellt. Ausgelöst wurde die Beschäftigung mit dem Thema durch ihre Aufenthalte in Ghana und Südafrika.

Der Anblick von riesigen Mengen an Kleidungstücken, die am Strand angeschwemmt wurden, machte ihr den negativen Impact der westlichen Konsum- und Wegwerfgesellschaft schlagartig bewusst. Die abgelegten Textilien, die im guten Glauben über die Altkleidersammlung in Europa ihren Weg nach Afrika finden, sind jedoch Teil eines globalisierten Marktes und ein lukratives Geschäft kommerzieller Vermarktungsstrategien. Sie landen zunächst auf Märkten, wo sie am Boden liegend verkauft werden, daher auch der Name der Werkserie. Die gutgemeinte karitative Spende verfault in der Folge abgelegt in riesigen Textilballen als mittlerweile kaputter Überrest des westlichen Überschusses am Strand.

Die Bilder zeigen skulpturenhaft wirkende Formen, hinter denen sich riesige Kleiderhaufen verbergen. Bizzare Gebilde aus Kleidungsstücken, Plastikteilen und Sand. „Bend down Boutique“ wurde für Pauline Marcelle zu einer selbstreflektierenden Metapher – denn jeder von uns, so die Künstlerin, ist Teil dieses Prozesses – und auch zu einem Sinnbild kultureller Veränderungen. Diese folgen unweigerlich im Zuge des Globalisierungsprozesses in Richtung Verwestlichung – und damit Ausdünnung der kulturellen Diversität. Die brisanten und kritischen Inhalte setzt die Künstlerin in eine ästhetisch ansprechende Bildsprache um, in der sich die Inhalte nicht auf den ersten Blick in den Vordergrund spielen. Die Kleiderstücke schreiben sich in Mustern, verschlungenen Formen bewegt und dynamisch in den in Schwarz oder Weiß gehaltenen monochromen Bildgrund – und das in leuchtender Farbigkeit.

„Die Farben“, so die Künstlerin, „stehen an erster Stelle. Bevor ich ein Bild beginne, lege ich den Hauptfarbton fest. Das kann intuitiv passieren, weil ich gerade in diesem ‚Farbrausch‘ bin, oder weil ich diese Farbe auch in den Bildern verwendet habe, an denen ich zuvor gearbeitet habe. Daher dominiert eine Farbe oft eine ganze Reihe von Werken, die in einer Arbeitsphase entstehen.“ Die Palette von Pauline Marcelle besteht aus Schwarz, Weiß und den Grundfarben Rot, Gelb, Blau. „Schwarz und Weiß kommen überall vor, und aus ihrer Mischung entstehen alle anderen Farben“, so Marcelle. Sie malt mit Ölfarben, unabhängig von Handelsprodukten, und stellt die Farben selbst her. Ausgangspunkt jedes Bildes ist die Collage, Fragmente von Fotografien, die sie zusammenfügt und übermalt.

Über die Textilienberge hinaus betrachtet und beobachtet Pauline Marcelle auch die Menschen selbst. Sie malt sie auf der Straße, im Waschsalon auf den Märkten und in den Warteräumen des Transits. Die Menschen in ihren Bildern sind schwarz. „Ich kann mich mehr hineinfühlen in einen Körper, wenn ich ihn schwarz male, auch wenn ich Menschen male, die weiße Europäer sind oder Asiaten “ so Marcelle, „Das beginnt bei der Anatomie und der Gestik – der Rest ist Geografie.“ Die Malerei von Pauline Marcelle oszilliert zwischen einem unmissverständlichen politischen Statement und einer Tendenz zur Abstraktion, evoziert durch die Farben und Muster.

Pauline Marcelle

Geboren in Dominica Studium an der Universität für angewandte Kunst Lebt und arbeitet in Wien und Dominica
www.paulinemarcelle.com

Hier finden Sie die aktuelle Ausgabe zum Nachlesen im E-Paper Format:
GOLF REVUE Ausgabe 4/2019

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