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Matthias Schwab – Einen Schwung weiter

Matthias Schwab hat sich in seinem zweiten vollen Jahr auf der European Tour als konstante Größe etabliert und ist bei den BMW Open in München nur knapp am Premierensieg vorbeigeschrammt. Welche Erfahrungen er dabei gesammelt hat, was für einen jungen Spieler wie ihn ein erfolgreiches Turnier bedeutet und welche Gedanken ihn am Platz weiterhelfen, hat er uns in einer seiner kurzen Auszeiten mit auf den Weg gegeben.

Matthias Schwab – Einen Schwung weiter
Matthias Schwab – Einen Schwung weiter
Matthias Schwab – Einen Schwung weiter

Das Interview mit Matthias Schwab

Du spielst eine sehr konstante Saison mit bereits vier Top-Ten-Ergebnissen und beinahe dem ersten Sieg bei nur zwei verpassten Cuts. Wie lautet bis dato dein Resümee?

Matthias Schwab: Ich habe mein Spiel in den ersten Monaten des Jahres weiterentwickelt und bin gut am Weg, meine Saisonziele zu erreichen. Etwa mein Spiel immer weiter zu entwickeln und besser zu machen und dadurch in die top 50 im Race to Dubai und die top 200 im OWGR zu kommen.

In diesem hart umkämpften Sport scheint das Wichtigste der Sieg zu sein. Was ist für dich ein erfolgreiches Turnier?

Matthias Schwab: Ein erfolgreiches Turnier muss nicht unbedingt bedeuten, einen Sieg errungen zu haben. Es bringt mir als jungem Spieler viel, mit Spielern wie Patrick Reed, Brooks Koepka, Rory McIlroy usw. hin und wieder im selben Flight spielen zu können. Man muss ständig Erfahrungen sammeln und sich weiterentwickeln. So war es für mich auch sehr lehrreich bei der BMW Open im letzten Flight zu spielen. Man sammelt dort Erfahrung und lernt, was man auf der Range niemals lernen kann. Ein Sieg auf der ET ist natürlich auch wichtig, den er bedeutet die fixe Tourkarte für ein bzw. zwei Jahre.

In München hat auf den Triumph nicht viel gefehlt. Welche Erfahrung nimmst du für zukünftige Drucksituationen mit?

Matthias Schwab: Der Druck war nicht so groß. Vielmehr muss ich noch lernen, mit der Erkenntnis, dass ich ganz vorne mitspielen kann, umzugehen. Man weiß, dass man schon in der Lage wäre, zu gewinnen, und möchte natürlich auch gewinnen. Mit diesem Umstand muss man bestmöglich umgehen können.

Inwieweit hat sich dein gesamtes Golfspiel durch deine Erfahrungen auf der European Tour verändert?

Matthias Schwab: Es hat sich schon einiges geändert. Vor allem musste ich mich persönlich und mein Umfeld weiterentwickeln und verbessern. Man braucht sehr gute Leute um sich, mit denen man täglich arbeitet. Ich habe z. B. zu Willi Hoffmann einen zusätzlichen Schwungtrainer engagiert, der auch immer wieder bei den Turnieren vor Ort ist. Neu im Team sind auch ein Puttingtrainer, ein Physio, ein Fitnesscoach und ein neuer Caddie. Gemeinsam mit all diesen Leuten arbeite ich ständig an meiner Weiterentwicklung.

Positives Denken im Vordergrund

Du zeigst auf dem Platz nicht viele Emotionen. Aber was ist mit deinen Gefühlen im Inneren, wie versuchst du, den Balanceakt zwischen Kampfgeist und innerer Ruhe auf dem Golfplatz zu meistern?

Matthias Schwab: Ich versuche am Platz, meine Emotionen gut im Griff zu halten. Natürlich habe ich auch Emotionen, gute und weniger gute. Man muss aber erkennen, dass schlechte, negative Emotionen einem nicht weiterhelfen. Daher versuche ich, positiv zu denken und mich gedanklich und emotional immer in der Gegenwart zu bewegen. Man kann sich nicht zu lange über einen Eagle freuen, und man darf sich nicht lange über ein Bogey ärgern.

Und wenn die Dinge am Platz nicht so gut laufen, wie gehst du mit Rückschlägen um?

Matthias Schwab: Rückschläge sind normal. Sie gehören zum Golfspiel. Man darf Rückschläge nicht überbewerten. Kein Spieler erlebt immer nur ein Hoch. Rückschläge sind keine Tragik. Sie sind Teil der Entwicklung. Wenn einem das bewusst ist, kann man mit Rückschlägen besser umgehen. Man muss zu Rückschlägen die gleiche Einstellung haben wie zu Erfolgen. Je schneller und je besser man das erlernt, desto besser ist es für den Spieler.

Wie lautet dein Plan für die Zeit zwischen Turnierrunden? Entspannung suchen oder noch auf Range und Putting Grün am Spiel feilen?

Matthias Schwab: Mein Zeitaufwand für das Golftraining ist vielleicht nicht so groß wie bei anderen Spielern. Neben meinem Studium in den USA musste ich lernen, mit wenig Zeit zum Trainieren bestmöglich zurechtzukommen und viel zu erreichen. Ich musste also die Zeit gut nützen. Willi Hoffmann sagte immer, es ist besser, wenige Schläge z. B. auf der Range mit optimaler Konzentration zu machen als viele Schläge mit mangelnder Konzentration. Während der Turniertage trainiere ich eher wenig. Während des gesamten Turniers achte ich sehr darauf, immer wieder gut erholt in die nächste Runde zu gehen.

“Langsames Spiel mag ich nicht.”

Wie spielt es sich mit Matthias Schwab in einer Turnierrunde? Nette Unterhaltung mit den Flight-Partnern oder pflichtbewusster Konzentrationsaufbau? Und als Zusatz: Empfindest du ein Interview während der Turnierrunde als störend?

Matthias Schwab: Ich spiele gerne zügige Turnierrunden. Langsames Spiel mag ich nicht. Ich unterhalte mich, wenn es passt, gerne am Weg zum Ball mit meinen Flightpartnern. Ansonsten bin ich schon sehr konzentriert und fokussiert auf mein Spiel. Mit Ben, meinem Caddie, unterhalte ich mit fast vor jedem Schlag. Ein TV-Interview während der Runde ist manchmal okay, muss aber nicht unbedingt sein. Wir Spieler müssen halt auch zur Unterhaltung des TV-Golf-Publikums beitragen. Es gehört hin und wieder dazu.

Schielst du mit einem Auge auch schon auf die PGA Tour, oder machst du dir über einen Wechsel in die USA noch keine Gedanken?

Matthias Schwab: Ich plane und denke nicht sehr weit nach vorne. Veränderungen und Verbesserungen können im Golfsport manchmal sehr schnell erfolgen. Ich plane von Jahr zu Jahr und lege Jahresziele fest. Mir ist wichtig, meine im Team festgelegten Jahresziele zu erreichen, und diese sollten mich, wenn ich sie immer wieder erreiche, eines Tages auf die USPGA Tour bringen. Ich habe vier Jahre in Nashville an der Vanderbilt University studiert, habe dort eine sehr gute Zeit gehabt und bin gerne in den USA.

Die GOLF REVUE legt 2019 einen Schwerpunkt in den Bereichen Kunst und Golf. Wo liegt für dich die Verbindung zwischen Kunst und Golf? Oder was macht für dich die Kunst des Golfspiels aus?

Matthias Schwab: Die beste Antwort wäre hier zu sagen: „Es ist eine Kunst, gutes Golf zu spielen.“ Aber ich meine, dass Kunst und Künstler einerseits und Golf und Golfer andererseits schon einiges gemeinsam haben. Abgesehen von den Fähigkeiten, die ein guter Künstler, bzw. Golfer haben muss, ist es in beiden Bereichen sehr schwer, wirklich gut zu werden und einen internationalen Durchbruch zu schaffen. Beim Künstler hängt meiner Meinung nach sehr viel davon ab, wie die von ihm geschaffenen Werke in der Öffentlichkeit und bei den sogenannten Kunstkritikern ankommen. Das ist häufig schwer objektiv zu messen. Beim Golfer hingegen ist die Leistung einfach messbar. In den USA sagten unsere Coaches: „Scores never lie.“ Ich sage zusätzlich: „Rankings never lie.“

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