Cover Story | Kultur

Private Realities

Ort, Zeit und Material sind zentrale Themen im Werk des österreichischen Bildhauers Markus Hofer. Die Gegenstände, die er als Ausgangsbasis für seine Objekte verwendet, sind uns vertraut. Es sind Dinge, die wir im Alltag benutzen, die uns eine Art Infrastruktur für das Dasein liefern. Sie werden von Markus Hofer neu gedacht und lustvoll verfremdet.

Private Realities
Private Realities
Private Realities

Text: Silvie Aigner, Fotos: Meinrad Hofer

Thinking About Things

Für Hermès gestaltete Markus Hofer unter dem Titel „Thinking About Things“ im Maison Hermès Shanghai Schaufenster, in Australien zeigte er großformatige Skulpturen im Rahmen von „Sculpture by the Sea“ und 2018 aus Anlass des österreichischen EU-Ratsvorsitzes gemeinsam mit Brigitte Kowanz und Lois Weinberger Installationen im Brüsseler Tournay- Solvaypark. Seine prägnanten Objekte waren darüber hinaus Teil der Ausstellung „A.E.I.O.U., L’arte austriaca nella Collezione Würth“ in Capena, Italien und 2018 in der Ausstellung zum 250. Jubiläum der Londoner Royal Academy. Aktuell zeigt die Galerie Mario Mauroner Contemporary Wien eine Einzelausstellung des Künstlers unter dem Titel „A Private Reality“. Markus Hofer ist international gefragt. Sein Atelier befindet sich in der Wiener Leopoldstadt. Ebendort hat ihn Silvie Aigner für die GOLF REVUE besucht.

Der Bildhauer Markus Hofer

Ort, Zeit und Material sind zentrale Themen im Werk des österreichischen Bildhauers Markus Hofer. Der 1977 in Haslach geborene Künstler studierte bei Erwin Reiter an der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung in Linz, bei Bruno Gironcoli an der Akademie der bildenden Künste in Wien sowie an der Kunsthochschule Berlin-Weissensee bei Bernd Wilde. „Seit jeher stand die Skulptur im Fokus meiner Arbeit“, so Markus Hofer. „Die räumliche und körperliche Begegnung mit dem Kunstwerk ist für mich ein wesentlicher Aspekt. Es besteht stets die Möglichkeit, sich um das Objekt herumzubewegen. Wenn man nur leicht den Standpunkt ändert, ergibt sich ein völlig anderer Blick.“ Form- und Sinnanalogien spielen in seinen Werken konsequent eine zentrale Rolle. Ausgangspunkt sind dabei oft Gegenstände, die uns aus dem Alltag vertraut sind. „Vieles, das die Zeit überdauert oder uns ein Wissen über die Vergangenheit übermittelt, sind Objekte. Sie sind geprägt durch den jeweiligen sozialen und kulturellen Hintergrund und sagen daher etwas über die Zeit aus, in der sie entstanden sind.“

Markus Hofer
Markus Hofer im Interview mit Silvie Aigner
Gartenschläuche, Sessel, Teller und Ofenrohre

Die Gegenstände, die Markus Hofer als Ausgangsbasis für seine Objekte verwendet, sind Dinge, die wir im Alltag benutzen, die uns eine Art Infrastruktur für das Dasein liefern. Wir nehmen sie jedoch nicht mehr bewusst wahr und betrachten sie schon gar nicht von einem formal-ästhetischen Gesichtspunkt aus. Hier setzt Markus Hofer mit seiner künstlerischen Arbeit an und konfrontiert den Betrachter mit banalen Dingen wie Gartenschläuchen, Sesseln, Tellern oder Ofenrohren. Im Spannungsfeld zwischen individueller und allgemeiner Wahrnehmung werden die Gebrauchsgegenstände von Markus Hofer neu gedacht und lustvoll verfremdet. An der Grenze zwischen Kunst und Alltäglichkeit evoziert er stets einen kurzen Augenblick des Innehaltens, weil wir irritiert sind, den uns bekannten Gegenstand in einem veränderten Kontext zu begegnen. Einmal lässt er Farbe aus einem Wasserhahn in ein Becken rinnen und betitelt dies mit „Wasserfarbe“ oder setzt das Wort „Farbfotografie“ mittels einer Kamera um, aus der ebenfalls Farbe rinnt. Durch Wort- und Begriffsfindungen und durch ein Zusammenfügen mehrerer Materialien interpretiert Hofer die Dinge unseres Lebens völlig neu – zuweilen auch wortwörtlich.

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