Schlag nach bei Leadbetter [0]

Was immer Ihnen an Teaching-Aids untergekommen ist: Es ist ein schmaler Grat zwischen Hilfreichem und Scharlatanerie. Wir haben bei den Experten der David Leadbetter Academy in Bad Tatzmannsdorf nachgefragt: Was hilft wirklich? MIT VIDEO

David Leadbetter war einer der Ersten, die den Einsatz von Trainings-Aids in ihren Schulen forcierten. Zudem hat er einige Tools selbst entwickelt, wissend, dass das beste Trainings-Aid immer noch der Pro Ihres Vertrauens ist. Die Teaching-Pros sind sich andererseits aber auch einig, dass alles, was dem Spiel und der Technik hilft, erlaubt und erwünscht ist. Denn Golf ist nichts anderes als Konditionierung: Je öfter man eine bestimmte Bewegung richtig macht, desto einfacher ist sie wiederholbar. Wenn also die Anleitung des Pros mehrfach ins Leere geht, hilft vielleicht nur mehr ein Teaching-Aid: Manche zwingen uns, die richtige Bewegung zu machen, andere zeigen gnadenlos alle Fehler auf, die wir in einem Golfschwung verpacken können. Eine klare Absage erteilen die Pros aber jenen Hilfsmitteln, die uns in Korsetts zwingen und so unseren Bewegungsablauf einschränken oder Schmerzen verursachen. Einerseits sind Schmerzen als Lehrer kein Knüller, andererseits verfällt man nach Ablegen der Folter-Aids wieder in alte Muster.

Wo die kleinen Helfer echt Sinn machen, ist im Rhythmus- und Balancetraining. Dabei kommen meist Gewichte um den Schlägerkopf oder Ersatzschläger mit hohem Kopfgewicht zum Einsatz. Nicht mehr aus den Bags der besseren Spieler wegzudenken sind sogenannte „Alignment Sticks“: Diese „Hightech-Staberln“ sind nicht nur für die perfekte Ausrichtung hilfreich, sie sind vielseitig einsetzbar. Bei den Sticks gilt aber wie bei vielen Trainings-Aids: Ein vergleichbares Hilfsmittel gibt’s auch zum halben Preis im Baumarkt. Im Falle der „Alignment Sticks“ sind das etwa Bohnenstangen oder Pflanzenstützen. Zugegeben: Der Coolnessfaktor auf der Range geht dann flöten. Trainingshilfsmittel gibt es übrigens sonder Zahl, und jedes Jahr kommen geschätzte 1.000 dazu. Auf der PGA Show gibt es sogar eine eigene Abteilung dafür. Ob und wie man diese einsetzt, fragen Sie am besten den Pro! In jedem Fall gilt: Jedes Mittel ist recht, wenn es das Spiel zulässt. Oder, wie es ein berühmter Golfer einst auf den Punkt gebracht hat: „Ich würde in einem Sarg liegend putten, wenn es hilft.“

 

 

HEINZ MÜLLER. Der gebürtige Österreicher bezeichnet sich selbst als „golfverrückt“. Der diplomierte Golflehrer ist seit der Eröffnung der Leadbetter Academy in Bad Tatzmannsdorf.

Der Tipp unseres Teaching-Gurus: „Ich bin ein Freund von simplen Hilfsmitteln im Golf. Zwei Tees ersetzen jedes Putt-Trainings-Tool, und statt der teuren Alignment Sticks verwende ich ein Holzstaberl aus dem Baumarkt oder einen alten Schaft. Das multifunktionellste Gerät ist für mich ein einfaches Thera-Band, das man sowohl für Schwung- als auch Gleichgewichtsübungen einsetzen kann. Mein Lieblings-Aid ist aber das Impact-Bag: Es zeigt dem Spieler durch abruptes Abstoppen des Schlags perfekt, wie sein Körper, die Hüfte oder die Hände im Treffmoment stehen, und es entlarvt sofort jeden Fehler bei der Balance oder der Gewichtsverlagerung.“

 

JOHANNES JANDRESITS. Neben seiner Ausbildung zum DLGA-Professional ist der Golf-HAK-Absolvent auch TPI-Pro und widmet sich mit Begeisterung dem Nachwuchstraining.

Der Tipp unseres Teaching-Gurus: „Neben dem Impact-Ball taugt mir auch noch der Swing-Setter. Den Ball klemmt man sich zwischen die Unterarme, um eine kompakte Körperhaltung zu trainieren. Der Swing-Setter wurde von David Leadbetter entwickelt und ist ein Multifunktionswunder: Der vorgeformte Griff unterstützt den perfekten Golfgriff, die magnetischen Kugeln lösen sich bei einem guten Rhythmus im Aufschwung voneinander. Passen auch Ab- und Durchschwung, ist das Klacken der Kugeln, wenn sie wieder aufeinandertreffen, das akustische Signal für einen guten Schwung. Guter Rhythmus- und Swingspeedtrainer für alle Spielstärken und optimal zum Aufwärmen vor der Runde oder dem Training.“

ADAM YOUNG. Der Waliser erreicht in seiner Amateurlaufbahn ein Handicap von +2, was ihm einige Auftritte in walisischen Landeskadern bescherte. Neben seiner Ausbildung zum Leadbetter-Professional hat er auch einen Abschluss als Golf-Betriebswirt.

Der Tipp unseres Teaching-Gurus: „Alt, bewährt, günstig und ein absolutes Must-Have sind für mich die Airball-Trainingsbälle. Nicht nur, dass man damit auch gefahrlos im eigenen Garten Schläge machen kann, mindern sie auch den Stress beim Training. Da ich nicht vom Ballflug oder dem Wunsch, den Ball so weit wie möglich zu schlagen, abgelenkt bin, kann ich mich ganz auf den Schwung konzentrieren.“

DANIEL PARKIN. Erst mit 14 Jahren hat der gebürtige Engländer zu golfen begonnen und schon sieben Jahre später Scratch-Level erreicht. Sein Interesse gehört neben der Leadbetter-Methode dem TPI, wo er bereits Level 2 erlangt hat.

Der Tipp unseres Teaching-Gurus: „Ich verwende Hilfsmittel eigentlich eher spärlich. Ich bin der Meinung, dass Bewegungen am besten reproduzierbar sind, wenn sie so nahe wie möglich an der Realsituation geübt werden. Auf der Runde habe ich ja auch keine Hilfsmittel. Gut finde ich aber den PSP-Übungsschläger. Durch seinen extrem kleinen Schlägerkopf ist man gezwungen, den Ball gut im Sweetspot zu treffen. Man tut sich in der Folge mit den eigenen Schlägern leichter, den Ball sauber zu schlagen. Gelungen finde ich auch die Yess-TruePlane-Schiene. Diese hilft, sowohl Schwungrhythmus, Ausrichtung als auch Schwungbahn beim Putten zu trainieren.“

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