Montag 7. September 2009, 12:09 Uhr

Interview Nicole Gergely [0]

Die Steirerin hat – nach nur zehn Jahren Golf – ihre erste 
Major-Teilnahme hinter sich gebracht und für Föhrenwald 
ein ehrgeiziges Ziel: den Sieg.

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Nicole Gergely
Geboren am: 12. November 1984
Heimatort: Pöls bei Judenburg, Heimatclub: Golfresort Kremstal, Coach: Alex Marx
letztes Hcp als Amateur: +3,0 (mehrfache österreichische Meisterin, Platz 2 British Ladies Amateur, Platz 3 Sherry Cup 2005)
Größte Erfolge als Pro
(seit Ende 2005):
Platz 3 Ladies Scottish Open 2008, Platz 5 DB Ladies Suisse Open, Platz 11 Portugal Ladies Open (beide 2009)
Aktuell Platz 38 Order of Merit (Stand Ende August 2009)
Homepage: www.nicolegergely.com

Nach nur zehn Jahren Golf hast du heuer Ende Juli die British Open, dein erstes Major, gespielt. Kann man sich diesen Event bei den Damen ähnlich spektakulär vorstellen wie bei den Männern?

Auf jeden Fall. Es fängt damit an, dass bei den Proberunden schon jede Menge Zuschauer mitgehen, dass du ständig um Autogramme gefragt wirst und einfach das gesamte Drumherum beeindruckender ist. Ich habe sogar ein Foto von mir und Lorena Ochoa auf der Range.

Aber du warst zum Spielen dort, nicht zum Fotografieren, oder?
Ja, aber die British Open waren kein Ziel, das ich mir für heuer gesteckt habe. Eine Quali dafür hätte ich nicht gespielt, es ist einfach passiert, und ich hatte mir vorgenommen, es zu genießen, was leider in die Binsen ging: Ich habe richtig schlecht gespielt und war am Ende doch ein wenig enttäuscht.

Kein Cut, kein Geld. Zudem wird Damengolf sponsorseitig ein wenig stiefmütterlich behandelt. Spielt da oft die Existenzangst mit auf der Runde?

Bei mir zum Glück nicht, weil ich meine Saison mithilfe hervorragender Sponsoren fast zu 100 Prozent ausfinanziert habe. Was aber auf der LET ein wenig unfair ist, sind die Schwankungen bei den Preisgeldern. Wenn du, so wie ich heuer, das richtige Turnier, die Deutsche Bank Open in der Schweiz, erwischst, hast du mit Platz 5 die Tourkarte schon fast im Sack. Auf der anderen Seite spielst du eine Woche später genauso gut und kassierst nur ein Fünftel der Summe.

Das Leben als Golfprofi bedeutet, ständig auf Achse zu sein: War es schwierig, dich auf ein Leben als Globetrotterin einzustellen?

Nicht wirklich, weil mir meine Eltern großzügigerweise ein Jahr Amateurgolf nach der Matura gesponsert haben. Da war ich praktisch schon wie ein Profi unterwegs. Außerdem hilft es, dass die Damentour wie eine große Familie ist, wenn man sich einmal zurechtgefunden hat.

Woher nimmst du die Motivation, Tag für Tag deinen Traum zu leben?

Auf jeden Fall ist es der Turniersieg, der kommen wird. Nicht heute oder morgen, aber er wird kommen. Außerdem macht mir auch das Trainieren so viel Spaß. Ich freue mich beim Schlafengehen schon auf den nächsten Tag auf der Range. Obwohl ich gestehen muss: Dieser Zugang war ein echter Lernprozess, weil mir in den Anfängen meiner Golfkarriere fast alles in den Schoß gefallen ist.alt

Gab oder gibt es eigentlich einen Plan B? Was würde Nicole Gergely machen, wäre sie im Golf nicht so erfolgreich?
Ich würde vermutlich studieren und mich dann im Managementbereich ansiedeln, vielleicht sogar im Eventmanagement, und dann ein Golfturnier veranstalten.

Zum wievielten Mal spielst du bei den Ladies Open in Föhrenwald mit?
Zum fünften Mal. Zweimal habe ich als Amateur teilgenommen und die restlichen dreimal bereits als Profi.

Was war dein bestes Ergebnis?
Uh, das weiß ich nicht so ganz genau. Ich glaube, das war der 31. Platz vor zwei Jahren.

Dein Ziel für dieses Jahr?
Schwierige Frage. Natürlich ist das Ziel, vorne mit dabei zu sein. Es ist aber ein Heimatspiel, und da spielt mir der Kopf gerne einen Streich.

Machst du dir selbst zu viel Druck?
Ja, das ist auch irgendwie nachvollziehbar. Es ist ein Traum, das Heimturnier zu gewinnen, aber dazu muss ich noch eine mentale Hürde überwinden: Ich spiele am besten, wenn mir niemand zusieht, den ich kenne. Und somit ist es in Föhrenwald schwierig für mich.

Gibt es deshalb eine spezielle mentale Vorbereitung?
Nicht wirklich. Bruno gibt mir derzeit Atemübungen auf, und es geht um Dinge wir Energiefluss und Balance. Für mich, die ich lange ohne Mentalcoach ausgekommen bin, ist allein, dass ich einen habe, ein großer Schritt. Aber Bruno sagt immer: Wir sind erst am Anfang. (lacht)

Themenwechsel: Wie würdest du den Platz in Föhrenwald beschreiben?
Er ist einer der schönsten Plätze in Österreich und sehr abwechslungsreich. Die Par-3-Löcher sind ziemlich tricky.

Was sind deine Lieblingslöcher?
Die neuen Spielbahnen in der Kiesgrube, also die Holes 7 und 8. Man muss aber sagen, dass der Platz als Ganzes eine extrem tolle Anlage ist.

An welchen Schlägen feilst du derzeit am meisten?
Mein langes Spiel ist derzeit sehr konstant. Aber ich bin noch nicht ganz dort, wo ich hinwill. Natürlich liegt im Putten das Geld. Aber Technik ist dabei nicht das Wichtigste. Für mich ist ein Putt nur gut, wenn ich ins Loch treffe.

Stell dir vor, es ist Dezember: Was steht auf der Wunschliste fürs Christkind?
Ein Sieg! Die Tourkarte für das nächste Jahr habe ich ja bereits, also ist Gewinnen das Ziel. Und wenn es in Föhrenwald klappen sollte, wär das ein Traum!

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