Dienstag 9. September 2008, 11:26 Uhr

Glaubensbekenntnisse [0]

Aberglaube, Mythen und kleine Rituale: die Mehrheit der Tourspieler pflegen sie, und setzen zusätzlich zu Technik und eigenem Spiel, auch ein wenig auf die Magie.

 

Vorab ein kleines Geständnis meinerseits: Auch ich habe in meiner kurzen Golf-Karriere schon ausgiebig mit Glücksbringern experimentiert. Ein Glückstee im Haar, ausschließlich Tees aus Holz am Abschlag, eine spezielle Markierung am Ball und diverse Markierungsrituale am Grün. Damit stehe ich Golfgrößen wie Tiger Woods & Co um nichts nach. Mit einem kleinen aber feinen Unterschied: Was die Golfpros und Proetten bei jedem Turnier praktizieren, hat bei mir bislang noch nicht funktioniert.

„Drei“ scheint eine magische Zahl im Golfsport zu sein, der zum Beispiel der heurige Masters Sieger Trevor Immelman verfallen ist. Er trägt stets drei Tees in seiner Hosentasche, niemals zwei, niemals vier, immer exakt drei. Ryder Cup Captain Paul Azinger markiert seinen Ball mit einem Penny, wobei Präsident Lincoln zum Loch blicken muss. Ernie Els ist schon etwas raffinierter, was sein Glück betrifft: Erzielt er ein Birdie, wandert der Ball sofort zurück ins Bag, denn er ist der festen Überzeugung, dass in jedem Ball nur ein einziges Birdie steckt.

Der zweifache British Open Sieger Padraig Harrington gibt sich auch den Bällen hin, indem er sie der Nummer nach aufsteigend spielt: Am Donnerstag die eins, am Freitag die zwei, am Samstag die drei und am Sonntag die vier. Das weltweit bekannteste Ritual praktiziert aber Tiger Woods. Die Nummer eins der Welt trägt am Finaltag ausnahmslos ein rotes T-Shirt, denn in der Farbe rot liegt einem thailändischen Mythos zufolge die Kraft und das Glück.

Kraft und Magie in Föhrenwald

Nach so vielen eigentümlichen männlichen Ritualen fragen wir uns, was wohl das (von Natur aus als übersinnlicher geltende) weibliche Geschlecht an Glücksbringern dabei hat. Wir werden schnell fündig, denn auch die österreichischen Damen sind nicht ganz frei von allem Aberglauben. Eva Steinberger zum Beispiel spielt aus Prinzip niemals den Titleist Ball mit der Nummer drei. Ihre Bälle markiert sie am Grün nur mit zwei bestimmten Ballmarkern: „Ich verwende entweder eine Schweizer Münze, denn in der Schweiz habe ich immer gut gespielt oder eine Münze aus Bahrain, die mich an einen meiner ersten Formel-1-Besuche erinnert“, erklärt uns die Steirerin.

Auch Natascha Fink hat eine kleine Vorliebe: Die Tour-Veteranin bevorzugt Bälle mit der Nummer 8 – diese steht für die Anzahl der Birdies, die sie gerne erzielen möchte. Nicole Gergely ist an und für sich nicht abergläubisch, hat aber ihre Glückskugel immer mit am Platz. „Wenn ich allerdings beim Pro/Am von jemandem einen Glücksbringer geschenkt bekomme, verwende ich ihn auch beim Turnier“, gibt sie dann doch zu. Stefanie Endstrasser setzt auf die Kraft der Ionen und trägt das Glück in Form eines Armbandes am Handgelenk: „Das Armband sagt viel über mich aus“, fügt die an der University of Southern California studierende Tirolerin noch hinzu.

 

Glücksbringer auf Reisen

Der Aberglaube macht aber nicht an den österreichischen Grenzen halt, auch die internationalen Spielerinnen reisen mit vielen kleinen Glücksbringern zu den Tour Events. Auf den ersten und wohl auch den zweiten Blick etwas eigentümlich erscheint das kleine Ritual von Lorena Ochoa, das sie auf jedem Grün der Welt vollzieht: Vorausgesetzt es ist nicht zu windig, schnipst die Mexikanerin ihren Ballmarker hoch. „Ich bin nicht abergläubisch, ich vertraue mir selbst. Das Schnipsen ist nur für den Rhythmus“, erklärt die Nummer eins der Damen ihren kleinen Tick.

Wenn Sie bei den UNIQA Ladies Golf Open Anja Monke sehen, werfen Sie doch einen Blick in ihr Bag. Der als Headcover getarnte grüne Frosch begleitet die deutsche Spielerin schon seit vier Jahren auf der Tour. Ana B. Sanchez, Hole-in-One-Gewinnerin beim letzten UNIQA Ladies Open, spielt nie einen Titleist mit der Nummer zwei. „Das bringt Pech“ ist sich die Spanierin, die auch heuer wieder in Föhrenwald aufteet, sicher. Lara Tadiotto, die letztes Jahr in Föhrenwald cutten konnte, teet ausschließlich mit weißen Tees auf. Der Titleist mit der Nummer eins bleibt während des Turniers im Bag. „Den spiele ich nur auf den Proberunden“, so die Belgierin.

Die abergläubischen Spielerinnen sind schnell gefunden, doch wer glaubt nicht an die Kraft von Glücksbringern? Mit Mianne Bagger finde ich endlich eine Atheistin: „Ich bin Herrin meines eigenen Glücks“, so die Dänin. Und was ist mit der Vorjahrssiegerin Laura Davies, die ihren Titel heuer bei den UNIQA Ladies Open in Föhrenwald verteidigen will?

Die 27-fache LET-Toursiegerin und Golfikone macht nicht den Eindruck als ob sie sich von magischem Krims-Krams beeindrucken lässt. Auf meine Frage antwortet sie lächelnd: „Während der Turnierwoche liegt der rote Bleistift immer neben meinem Bett.“ Dann greift sie in ihre Hosentasche und ich staune nicht schlecht, als sie ausschließlich weiße Tees hervor holt. „Die habe ich immer in der Hosentasche“, fügt die Engländerin hinzu. Warum bloß, frage ich mich, wo Laura Davies doch bekannt für ihre teelosen Driver-Abschläge ist und komme zu dem Schluss: Die Hoffnung, das Glück beeinflussen zu können, steckt einfach in jedem von uns!

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