Trappel im Interview [0]

Europameister Manuel Trappel (Am.) ist der einzige Österreicher im Feld der 141. British Open. Worauf er sich freut und wovor er sich fürchtet, verrät Manuel Trappel im großen Interview zur Vorschau.

 

aus der Golfrevue 12/03

Am 6. August 2011 schreibt Manuel Trappel Geschichte: Als erster Österreicher gewinnt der Vorarlberger die Amateur-Europameisterschaft und qualifiziert sich so als erster ÖGV-Amateur auch für „The Open Championship“. Das traditionsreichste aller vier Majors geht vom19. bis 22. Juli im Royal Lytham & St. Annes Golfclub an der englischen Westküste bei Manchester über die Bühne. Eine Bühne, gespickt mit Stars: Von Tiger Woods bis Rory McIlroy, von Phil Mickelson bis Bubba Watson, und mittendrin der erst 23-jährige Manuel Trappel, den wir bei einem kurzen Heimaturlaub zu einem Interview gebeten haben.

 

Manuel Trappel (geb. 16. 9. 1989) Lieblingsmusik: House, Hip-Hop / Lieblingsessen: Chinesisch / Letztes gelesenes Buch: „The Open“ von Andre Agassi / Traumberuf, wenn es mit Golf nicht klappt: Irgendetwas mit Zahlen (Trappel studiert BWL, Anm.) / Party oder Home sweet Home: Beides gleich gerne / US oder European Tour: European Tour

Golfrevue: Spürst du wenige Wochen vor deinem absoluten Karriere-Highlight schon ein wenig das Kribbeln? Manuel Trappel: Um ehrlich zu sein: nicht wirklich. Ich habe noch einige andere wichtige Turniere bis dahin vor mir.

Wann, glaubst du, wird sich der erhöhte Adrenalin­ausstoß bemerkbar machen?
Vermutlich am Sonntag vor den Open. Das ist mein geplanter Anreisetag, und wenn ich dann in Lytham die ganzen Tribünen sehen werde, wird sich dieses Kribbeln garantiert einstellen. Zum Glück gibt es ja bei den Open kein Pro/Am, und so bleibt genug Zeit, sich ausgiebig und gut vorzubereiten.

Apropos Vorbereitung: Die stand ja heuer verständlicherweise ganz unter dem Motto „Linksgolf“.
Ja, da war schon einiges an Linksgolf dabei heuer: die Lytham Trophy, die St. Andrews Links Trophy und schließlich die British Amateurs. Zusätzlich habe ich noch eine Extra-Trainingsrunde in Royal Lytham absolviert. Dazu kommt auch ein forciertes Techniktraining in Richtung gepunchte, flache Schläge, Chip & Run und lange Putts. Das ganze Repertoire eben, das man für Linksplätze braucht.

„Was auch bei den Open passiert, ich werde es genießen“

Es geht langsam in die finale Phase Richtung Open: Gibt es jemanden, mit dem du ganz besonders dafür arbeitest?
Abgesehen von meinem Coach Justin Brink und Na­tionaltrainer Fred Jendelid, steht das Kennenlernen meines Caddies John Paisley an erster Stelle. Ich habe mit ihm schon ein paar Turniere auf der Insel bestritten, und wir lernen uns immer besser kennen.

Welche Referenzen hat Paisley, und wie bist du auf ihn gekommen?
John hat European-Tour-Erfahrung, war unter anderem bei Niki Zitny am Bag und arbeitet seit 27 Jahren in St. Andrews als Caddie. Er kennt sich also aus im Linksgolf. Außerdem war er schon bei den British Women’s Open in Royal Lytham als Caddie dabei.

Trotz der Vorbereitung: Kann man den ­Auftritt bei einem Major planen? 60.000 Menschen und Kameras am ganzen Platz?
Nicht wirklich. Das sind ganz spezielle Szenarien. Man muss einfach versuchen, ruhig zu bleiben, wie auch immer es läuft. Ich habe mir bei den Austrian Open im Vorjahr in der Trainingsrunde mit Padraig Harrington ein paar Tipps geholt.

Was hat Harrington gesagt?
Lacht. Padraig war superfreundlich und hat gemeint: Egal, wie es in den Trainingsrunden läuft, ab Donnerstag kann schon wieder alles anders sein. Ein Major hat seine eigenen Gesetze. Es war jedenfalls extrem hilfreich. Und ich habe auch gesehen, dass ich auf jeden Fall mithalten kann.

Spielen wir ein wenig Wunschkonzert: Könntest du dir deinen Flight für die Open zusammenstellen, welche Spieler wären deine Lieblingsflightpartner?
Ich würde mir Luke Donald und Rory McIlroy wünschen. Es wäre interessant, zu beobachten, wie diese beiden Top-Spieler den Platz angehen.

Gibt es eine Platzierung, die du dir als Ziel ­gesetzt hast?
Das wäre nicht seriös. Als oberstes Ziel habe ich mir natürlich den Cut gesetzt. Danach kann alles passieren.

Was wäre eigentlich das Worst-Case-Szenario für dich?
Auch darüber mache ich mir keine Gedanken. Es ist einfach traumhaft, dabei zu sein. Mir kann also nichts Schlimmes passieren. Ich werde in jedem Fall ungeheuer viel lernen, und ich sehe meinen Auftritt bei den Open als ganz große Chance.

The Open sind auch berüchtigt für ihre Wetterkapriolen: Bist du als Österreicher eher ein Schönwetter-Golfer?
Das Wetter ist mir eigentlich völlig egal. Und ich bin jetzt ohnedies viel in England und sehe die Sonne nur ganz selten. Ich habe mich schon darauf eingestellt.

Gesetzt den Fall, du spielst eine fantastische Open und gewinnst die Silver Medal für den besten ­Amateur: Wäre das, und die bestimmt lukrativen ­Angebote, Anreiz genug für dich, ins Profilager zu wechseln?
Das ist alles graue Theorie und nicht planbar. Mein Ziel ist es, gut abzuschneiden, die Amateur-WM Ende des Jahres und dann die Tourschool zu spielen.

Wer hilft dir eigentlich in Sachen Management?
Erste Ansprechpartner sind meine Eltern. Die haben mir mein Golferleben bis heute mitfinanziert, also haben sie auch in diesen Belangen Mitspracherecht.

Die werden sich vermutlich den Auftritt vor Ort nicht entgehen lassen.
Auf keinen Fall. Meine Familie ist in Royal Lytham natürlich mit dabei. Und sie sind garantiert nervöser als ich.

Wo siehst du dich in fünf Jahren?
Als erstes Ziel für mich stehen die Olympischen Spiele 2016 ganz oben am Plan, und ich möchte unter den Top 75 der Welt liegen.

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