Samstag 12. September 2009, 10:56 Uhr

Durst nach Siegen [0]

Vor dem Heimturnier in Fontana resümiert Markus Brier im großen Golfrevue-Interview den bisherigen Saisonverlauf, und kalkuliert seine Chancen beim Tourfinale in Dubai doch noch zu starten

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Golfrevue: Einem sensationellen Jahr 2007 folgte ein durchaus erfolgreiches 2008. 2009 stottert der Motor noch gewaltig: Was macht Brier heuer anders?
Markus Brier: Sehen wir das Ganze einmal positiv: Ich mach heuer mehr Cuts als letztes Jahr. Was noch fehlt, ist ein Spitzenresultat. Ich lande bei größeren Turnieren so um den 30. Platz herum, bei den kleineren, wie Anfang August in Tschechien, um Platz 20. Es sind ein bis drei Schläge pro Turnier, die mir auf ein gutes Resultat fehlen. Laut Statistik ist es das Putten. Ich hatte immer einen Schnitt 29,0 bis 29,3 pro Runde, heuer hab ich nach wie vor über 30. Es gibt schreckliche Runden mit 33, 34 Putts, was früher nicht der Fall war. Woran das liegt, haben wir noch nicht genau herausgefunden. Vielleicht zu viel Erwartungshaltung, zu viel Druck, den ich mir selbst mache.
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Gibt’s eine Tendenz bei den Putts – 
zu kurz, zu lang?
Es ist eher eine Geschwindigkeitssache: Manche Sechs-, Sieben-Meter-Putts hau ich drei Meter drüber. Die Grüns sind heuer aber tendenziell schlechter geworden. In Frankreich waren die Grüns dieses Jahr verhältnismäßig langsam und ruppig, auch in München waren sie nicht so toll wie in den letzten Jahren. Wenn man wie ich in Fontana trainiert, will man eher schnelle Grüns. Wenn ich’s mir recht überleg, sind das aber eher Ausreden, man muss sich als Profi auf alles einstellen.

Es ist das letzte Jahr mit der Tourkarten-Exemption dank des Siegs in China 2007. 
Ist das Thema Tourkarte in deinen Überlegungen je aufgetaucht?
Man denkt darüber nach, aber das ist schnell abgehakt. Ich weiß auch, dass ich gut ge-
nug bin für die Top 115, und das zeigt 
sich auch in der Order of Merit: Ich habe 
kein einziges gutes Turnier gespielt und 
bin locker in den Top 100. Ich weiß, dass 
der Schwung passt, ich mach meine Cuts, aber der letzte Schritt fehlt. Seit zwei, drei 
Monaten arbeite ich hauptsächlich am 
kurzen Spiel. Im Prinzip geht es nur dar-
um, die ein bis drei Schläge pro Runde zu 
finden, die mir zurzeit auf einen Spitzenplatz fehlen.
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Es gibt seit heuer eine neue Preisgeld-Bestimmung, was die Tourkarte betrifft: Die Sieger der Turniere unter 1,5 Millionen Euro erhalten die Karte nur für ein Jahr statt wie bisher zwei Jahre. Ein falsches Zeichen der Tour zum falschen Zeitpunkt?
Momentan ist es sicher nicht gut, weil es die preisgeldschwachen Turniere noch mehr abwertet. Aber die Entscheidung ist schon Mitte des Vorjahrs gefallen. Für einige Turniere ist das sicher ein Problem, auch für die Austrian Open. Aber vielleicht wird die Regelung noch mal überdacht. Bei den Spielern ist es kein großes Thema. Die kleinen Turniere in Asien spielen ohnehin nur die mittleren, nicht die Topstars mit. Den anderen ist das ziemlich egal.

Die Austrian Open wurden verschoben. Hat es Unruhe in deinen Spielrhythmus und den Turnierplan gebracht?
Es wäre förderlich gewesen, hätten wir ein wenig früher Bescheid gewusst. Es war 
aber insofern positiv, als ich dadurch beim Challenge Tour Event der Brier Foundation in Kärnten mitspielen konnte und ich so neben der Schweiz und Holland noch ein Turnier für mich vor mir habe, das mir liegt.
alt
Die Erwartungshaltung für Fontana?
Ich versuche, nicht zu viel zu erwarten. Wenn ich gut spiele, hab ich dort alle Chancen. Das Spiel ist konstant genug, um auch unter Druck standzuhalten. Ich muss schauen, dass ich meinen Rhythmus finde und möglichst viele Fairways treffe. Für einen Spitzenplatz ist das Spiel auf alle Fälle da; um wieder zu gewinnen, braucht man auch etwas Glück.

Wie schätzt du momentan deine Chancen ein, beim 20-Millionen-Euro-Finale des Race to Dubai dabei zu sein?
Ich brauch sicher noch so viel Preisgeld, wie ich jetzt habe, also insgesamt rund 400.000 Euro. Es gilt also, bei den nächsten Turnieren Gas zu geben, auch in Fontana. Dann gibt’s 
ja noch das top dotierte Dunhill Links in 
St. Andrews und zwei Turniere in Asien. Die Chancen sind kleiner als die letzten beiden Jahre, aber auf alle Fälle da.

altDein Caddie Max Zechmann musste wegen Problemen mit dem Herz in Tschechien pausieren. Wie sieht es um das Duo Brier/Zechmann zukünftig aus?
Max arbeitet ab Holland schon wieder. Er hat vom Arzt nach umfangreichen Tests das Okay dafür.

Wie sehr beeinflusst dieses Thema dein Spiel, deine Psyche?
Im ersten Moment war es ein Schock. Ich habe aber mit seiner Frau Elenor und mit ihm viel telefoniert, um mir ein Bild von der Tragweite zu machen. Am Platz kann ich das Thema aber problemlos wegschalten, genauso wie ich die Familie am Platz wegschalten kann. Die ersten Wochen, wenn er zurück ist, werden aber sicher heikel, weil man die Geschichte noch im Hinterkopf hat.

Danke für das Gespräch
alt

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