Mittwoch 21. September 2011, 17:05 Uhr

Inside The Ropes [0]

Im Rahmen des Elite Coach Team Meetings ermöglicht Fred Jendelid interessierten heimischen Professionals einen Blick hinter die Kulissen der European Tour und gibt einen Einblick aus Sicht der Spieler und Caddies. Mit dabei: Golfrevue-Mitarbeiterin Marie Pippan.

Die European Tour ist von außen betrachtet ein wahres Highlight egal ob man vor Ort oder vor dem Fernseher live dabei ist. Doch die Hochleistungen der Stars, die es Woche für Woche zu bestaunen gilt, sind nur ein kleiner Teil des „Unternehmens Tour“. Nach drei technisch orientierten und sehr theoretischen Treffen des Elite Coaching Teams, lädt Nationaltrainer Fred Jendelid in den Diamond Country Club zum Blick hinter die Kulissen und in die praktische Welt des Tourlebens aus Sicht der Spieler und Caddy.
Europameister Manuel Trappel, Markus Brier, Martin Wiegele, sowie dessen erfahrener Caddy Kevin Smith, der bereits bei Scott Drummond am Bag stand, stellen sich den Fragen der interessierten Professionals. Und eines wird schnell klar: es ist die Leidenschaft die alle antreibt, denn der Touralltag und der ständige Druck, die Tourkarte für die kommende Saison zu sichern sind ein Knochenjob.

Mehr als ein Taschenträger
Besonders unterschätzt wird dabei oft die Rolle der Caddys wie Kevin deutlich macht. Mit einem durchschnittlichen Grundeinkommen von 1000 Euro pro Woche muss so eine „bessere Hälfte“ des Spielers über die Runden kommen. Denn Reisespesen sind darin inkludiert und einen Bonus gibt es nur für Erfolg.
So schlägt ein geschaffter Cut mit 5% zu Buche, ein Top Ten Finish mit rund 7% und ein Sieg mit 10%. Doch dafür reicht es nicht nur aus, das Bag über 72 Löcher zu tragen. Es ist eine Beziehung die ein Caddy mit einem Spieler aufbaut und je besser die Vertrauensbasis, desto mehr kann der Mann an der Tasche zum Erfolg beisteuern. Sie sind es schließlich, die den Spieler die meiste Zeit sehen, weiß auch Nationaltrainer Fred Jendelid.
Gemeinsam mit dem Trainer ist es eine 3er Beziehung die aufgebaut wird, denn ein erfahrener Caddy mit einem technischen Grundwissen kann einen Spieler auch bei der Vorbereitung vor Ort unterstützen und mögliche Fehlerquellen rechtzeitig erkennen. „Ein unterschätztes Potenzial“ wie Kevin es nennt, der weit mehr tut als das Bag von A nach B zu tragen.
Der Platz wird vor der Runde abgegangen, mögliche Gefahrenquellen ausgemacht, Pin Positions begutachtet, um während der Runde den Spieler im richtigen Fokus und vor allem Positiv zu halten. So ist auch er es, der Martin Wiegele in Schottland am drittletzten Loch der Finalrunde mit einer Empfehlung den Schläger in die Hand drückt, der dem Steirer ein wichtiges Birdie für den dritten Platz beschert. Doch dieses Vertrauen wächst mitunter über Jahre, bis es stark genug ist auch unter Druck zu halten. Beide Parteien müssen auch zu ihren Fehlern und denen des anderen stehen, so Markus Brier.

Seinen Weg immer vor Augen behalten
Kontinuität lautet das Zauberwort, auch im Hinblick auf den Coach. Ein guter Trainer, so sind sich alle Spieler einig, verkörpert die Leidenschaft für den Sport und das Unterrichten, motiviert den Spieler und hilft durch das technische Training während der Saison das Selbstvertrauen zu stärken. Kleinigkeiten werden ausgebessert und der Schwung erhalten. Dabei geht es oft nicht um die Qualität des Treffens, sondern nur die Sicherheit den Ball zum gewünschten Ziel bringen zu können, weiß Markus Brier. Und Erfolg spricht für sich; nur wenn es über längere Zeit ein Stagnation gibt oder bergab geht, sollten Veränderungen im Umfeld des Spielers vorgenommen werden, ergänzt Fred Jendelid. „Never change a winning team“ lautet das Motto, dass besonders beim Wechsel ins Profilager oft vergessen wird.
Die immer jüngeren Spieler betreten eine Welt voller Möglichkeiten: hohe Preisgelder, Weltstars, namhafte Coaches, feinstes Equipment, aber auch eine Welt voller Risiken. Im Gespräch mit den heimischen Tourpros wird deutlich, die ersten Höhenflüge auf der Tour zu Beginn der Karriere können schnell vorbei sein und es gilt an seinem Plan festzuhalten und sich nicht blenden zu lassen. Beim hohen Standard auf der European Tour schlägt man schnell am harten Boden auf. Am Ende des Tages geht es darum, Woche für Woche seine Leistung zu bringen und das bei ständigem Reisen, Interview- und Sponsorenterminen, auf mitunter ungewohnt schwierigen und langen Plätzen, und das alles immer mit dem Erhalt der Tourkarte im Hinterkopf.

Eine Welt in die nun auch Europameister Manuel Trappel und der erfolgreiche Tourschüler Robin Goger eintauchen. Glück hat wer, dabei auf ein großes Netzwerk an Familie, Freunden, Vertrauten und auch eine fundierte Ausbildung zurückgreifen kann, die den Druck nehmen und helfen die Höhen und besonders Tiefen des Lebens auf der Tour zu absolvieren.

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