Montag 26. Mai 2008, 22:19 Uhr

Interview Thomas Schweda [0]

„Wir müssen bei allen Veranstaltungen Erfolg haben“

BA Sportmarketing-Boss Thomas Schweda über die Vision der Austrian GolfOpen, deren rasche Realisierung und das knallharte Geschäft mit dem Sport.

Heuer gehen zum fünften Mal die BA GolfOpen presented by Telekom Austria über die Bühne: Wann wurde die Idee dafür eigentlich geboren?

Ich kann mich noch ziemlich gut daran erinnern. Es war während Wimbledon 2002. Da haben Herwig Straka und Edwin Weindorfer von Emotion, mit denen wir schon das Tennisturnier am Dach veranstaltet haben, und ich darüber philosophiert, einen Top-Golfevent nach Österreich zu bringen.

Warum gerade Golf? Das war damals nicht unbedingt der Gassenfeger und medial auch noch ziemlich unterrepräsentiert?

Das schon, aber wir haben mit der BA Golf für uns schon früher entdeckt. Vor allem im Corporate Business und Privat Banking-Bereich war diese Sportart bestens besetzt und wir haben darüber nachgedacht etwas Visibles zu kreieren. Und es war auch schon abzusehen, dass sich der Golfsport grandios entwickeln würde.

Das heißt, es wurden auch Analysen in diese Richtung gemacht?

Auf jeden Fall. Wir haben ja schon im Jahr 2000 unser Sport-Portfolio umfassend gestrafft. Da sind von gut 20 Sportarten, die wir unterstützt haben, Tennis und Golf über geblieben. Auch weil sie sehr gut zum Markenimage der Bank passen: Beide sind international bestens etabliert, sind positiv emotional besetzt und erfolgsorientiert. Außerdem haben wir natürlich auch nachgeschaut, welche Sportarten unsere Kunden interessieren. Und Golf stand dabei im Corporate Business und Privat Banking-Bereich ganz oben.

Wie rasch wurde aus der Idee der BA GolfOpen schließlich Realität?

Ziemlich schnell, was ich mich erinnern kann. Wichtig war dabei das Konzept des Super-Tuesday, um auch für entsprechendes Zuschauerinteresse zu sorgen. Die Idee dafür hatten Edwin Weindorfer und Herwig Straka und das war, glaube ich, mit der Knackpunkt, warum dieses Projekt zu einem tollen Erfolg wurde. Von unserer Seite gab es die Vorgabe, dass der Event bei Wien stattfinden muss und mit Fontana haben wir dafür ja tatsächlich die bestmögliche Location.

Wie haben Sie dann die erste Golf Open erlebt?

Auch wenn wir nicht ganz genau gewusst haben, wie sich die Sache schlussendlich entwickeln würde, weil ja speziell was das Zuschauerinteresse betrifft, viel vom Wetter abhängig ist. Am Ende hat alles gepasst und es war ein schönes Gefühl, als ich am Finaltag gemeinsam mit dem damaligen Fontana-Golfdirektor Barry Britton und dem später leider tödlich verunglückten Marketing-Boss Gerhard Reidlinger am 18. Grün gestanden bin und gut 3000 Zuschauer für eine feine Kulisse gesorgt haben.

Wie schwierig ist es prinzipiell in Österreich größere Sponsorsummen aus dem Marketingbudget loszueisen? Immerhin sind die BA GolfOpen der größte Einzelsportevent in Österreich?

Wir haben in unserem Land ein großes Problem und das ist die Bevölkerungszahl. Es ist eine Milchmädchenrechnung, dass es in Ländern mit 50, 60 Millionen Einwohnern einfacher ist, größere Sponsorsummen zu argumentieren.

Wie wichtig ist eigentlich das Publikumsinteresse? Oder anders gefragt: Woran wird Thomas Schweda gemessen?

Da gibt es etliche Faktoren und die Messlatte liegt bei allen hoch. Einerseits brauchen wir natürlich Zuschauer, was sich aber in den letzten Jahren ohnedies hervorragend entwickelt hat. Aber würden plötzlich nur mehr 1000 Menschen in Fontana herumstehen, hätten wir ein Argumentationsproblem. Ein wenig wichtiger sind aber zweifelsfrei der Werbewert und die Kundenzufriedenheit der von der BA eingeladenen Gäste.

Und wie schaut es mit diesen beiden Faktoren aus?

Bislang ausgesprochen positiv. Der Werbewert hat sich von quasi 0 im Jahr 2003 bei den ersten BA GolfOpen auf gute 800.000 Euro gesteigert. Da hat im Vorjahr natürlich auch der Sieg von Markus Brier gut hineingespielt, weil die TV-Zeiten dadurch im ORF gestiegen sind. Und was die Kundenzufriedenheit betrifft, werden diese schlicht mit Umfragen eruiert, ohne wenn und aber. Und bei den rund 4000 Gästen, die wir von unserer Seite nach Fontana einladen, muss wirklich alles passen, was bislang der Fall war.

Apropos TV-Zeiten: Die scheinen ja noch eher dürftig, speziell im ORF?

Das stimmt prinzipiell, ist aber etwas, was ich einigermaßen nachvollziehen kann. Schließlich muss auch der ORF-Sportchef seine Zahlen bringen und wenn wir von rund 100.000 Golfern sprechen, von denen ein gutes Drittel ohnedies vor Ort ist, kann man davon ausgehen, dass die Quoten nicht sonderlich gut sein werden. Aber man muss auch hier Schritt für Schritt denken.

So wie bei der kontinuierlichen Entwicklung vom Challenger zum European Tour-Event?

Genau, wobei hier der Schritt nicht immer ganz sicher war. Aber im Nachhinein muss man vor allen Entscheidungsträgern in unserem Haus den Hut ziehen, die letztendlich diesen wirklich großen finanziellen Sprung mitgetragen haben.

Das heißt, der Tour-Event war nicht von vornherein eine klare Angelegenheit?

Keinesfalls. Es stand tatsächlich an der Kippe. Im Nachhinein sind wir aber froh, dass es geklappt hat und wir diese Sache konsequent durchgezogen haben. Der Erfolg gibt uns letztendlich Recht.

Die Unicredit-Gruppe hat vor kurzem auch einen Sponsorvertrag für die EURO 2008 unterschrieben. Muss der Golfsport fürchten, dass jetzt das Geld für die BA GolfOpen fehlt?

Natürlich nicht, schließlich haben wir ja einen Vertrag bis 2008. Das heißt zumindest nächstes Jahr ist noch alles im grünen Bereich.

Gibt es bereits Visionen, wie es mit dem Turnier weitergeht?

Wir wollen uns da nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber prinzipiell ist das Engagement bislang sehr zu unserer Zufriedenheit verlaufen. Letztendlich, weil auf unser Ansinnen hinaus, auch die CEE-Länder immer stärker in diesen Event eingebunden werden. Dieser Markt ist auch für uns ein wichtiger, weshalb wir 2007 eine Pro/Am-Serie initiiert haben, aus der sich sogar ein Pro aus diesen Ländern für die BA GolfOpen qualifizieren kann. Nur so können wir langfristig mit dem Thema Golf Erfolg haben.

Und natürlich auch mit Local Heroes?

Auf jeden Fall. Die sind unbezahlbar und was Markus Brier für diesen Event leistet, ist gigantisch. Er schafft es, Golf sogar flächendeckend in die Tagespresse zu bringen und sein Sieg in Shanghai oder Platz 2 in Italien kam für die BA-CA GolfOpen gerade zum richtigen Zeitpunkt. Die Devise heuer muss lauten: Gemma Brier schauen!

Als Marketing-Mann haben Sie sicher auch gute Ideen parat, wie man das Zuschauerinteresse noch ankurbeln kann?

Ich glaube nicht, dass all zu viel Fantasie gefragt ist, schließlich muss man das Rad nicht neu erfinden: Wichtig ist es, eine gute Balance aus Show und Sport zu bieten. Was nicht passieren sollte, ist ein Kippen in zu viel Show. Auf keinen Fall darf man aber die Kinder vergessen. Sie sind schließlich das größte Potenzial für die Zukunft.

Letzte Frage: Wie viel investiert die BA in die Austrian Golf Open?

Das bleibt unser Geheimnis, weil wir prinzipiell keine Zahlen preisgeben.


Ähnliche Artikel aus dem Archiv

Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar