Ryder Cup 2022: Keith & Schotter [0]

Am Ende entpuppt sich die Vergabe des Ryder Cup 2022 an Rom als sportpolitische Farce: Energie, Zeit und Ideen, die aufopferungsvoll in Bid-Book und Konzept gesteckt wurden, waren letztlich eine Verschwendung von Ressourcen.

RyderCupAustra2022_GrafikEs ist ein wenig Zeit ins Land gezogen seit der überraschenden Ryder Cup-Entscheidung für Italien 2022. Zeit, in sich zu gehen, den Siegern zu gratulieren, aber auch Zeit, über das Bewerbungsprozedere für den Kontinentalvergleich nochmals gründlich nachzudenken. Wenn man sich mit den Berichten und Vermutungen aus der deutschen und österreichischen Golfszene etwas genauer befasst, verdichtet sich vor allem ein Eindruck: Die Abwicklung des Verfahrens wurde in den letzten Monaten, speziell aber in den letzten Tagen vor der Verkündung des Ausrichters mehr und mehr zur One Man-Show des neuen European Tour Chefs Keith Pelley. Es ist sein gutes Recht als neuer Boss, sich sämtliche Interessenten für immerhin eines der größten Mannschaftssport-Events des Planeten vor der Wahl genauer anzuschauen. Wenn aber stimmt, was derzeit kolportiert wird, hat er das Bewerbungsverfahren letztlich ad absurdum geführt.

 

Wenn stimmt, was derzeit kolportiert wird, hat Keith Pelley das Bewerbungsverfahren letztlich ad absurdum geführt.

 

Von BMW aus München wird berichtet, Pelley habe deutlich gemacht, dass Deutschland sein Angebot finanziell deutlich nachbessern müsse, dann könne man über eine Vergabe sprechen. Beim Autobauer und der deutschen Kampagne witterte man einen Erpressungsversuch, sah sich an seine finanziellen Grenzen gebracht und spielte das Spiel nicht mit. Es ist kaum vorstellbar, dass das Verfahren in Österreich oder Spanien anders abgelaufen sein sollte (und im Übrigen ist es, um den Begriff nochmal zu verwenden, weil er so gut passt, nach wie vor eine Farce, dass in Golf- und Medienkreisen über den Verlauf der gesamten letzten Wochen nur spekuliert werden kann, weil vor allem von Seiten der European Tour und der Ryder Cup Limited außer Floskeln gar nichts auf den Tisch gelegt wurde).

Keith Perry (l.) plaudert mit Barry Britton (M.) über Fontana – wohl eher ein Höflichkeitsbesuch, betrachtet man das Vergabeverfahren jetzt im Nachhinein.

Keith Perry (l.) plaudert mit Barry Britton (M.) über Fontana – wohl eher ein Höflichkeitsbesuch, betrachtet man das Vergabeverfahren jetzt im Nachhinein.

Fakt ist: Pelley hat gepokert und letztlich der Kampagne den Ryder Cup 2022 zugeschlagen, die am meisten Geld auf den Tisch gelegt hat. Zudem mit einer Stadt im Rücken, die 2024 die Olympischen Spiele austragen will und mit einer Familie Biagiotti in der Hinterhand, die finanzielle Engpässe gar nicht entstehen lassen wird. Sieben Millionen Euro garantiertes jährliches Preisgeld für die Italian Open, Laufzeit elf Jahre ab 2017 – macht knappe 80 Millionen Euro allein für ein European Tour-Turnier. So viel Holz vor der Hütt´n schien kein Konkurrent zu haben oder war zumindest nicht gewillt, dafür die Edeltannen auf den Konten fällen zu gehen. Für die Tour bedeutet das Abkommen gesicherte Austragungsorte und attraktive Preisgelder – nach dieser Maxime arbeitet Keith Pelley, Hauptsponsor hin oder her. Fakt ist aber auch: Mit dieser Vergabepolitik hat er im Alleingang das Bewerbungsverfahren als Luftnummer entlarvt und vor allem seine Kollegen in der Ryder Cup-Kommission auf das Niveau einer Let´s Dance-Jury heruntergeschraubt. Es wurden freudig gute Noten an alle Tänzer verteilt in dem Wissen, dass Pelley das Skript längst nach seiner Realität umgeschrieben hatte. Es ehrt die unterlegenen Konkurrenten, dass sie dieser Scripted Reality artig gratuliert haben.

 

„Die Ryder Cup Europe und die European Tour haben in Kenntnis aller Fakten eine Entscheidung getroffen, die wir akzeptieren müssen” Christian Masanz, BMW Golfsport-Marketing

 

Das Statement von BMW Golfsportmarketing-Chef Christian Masanz („Die Ryder Cup Europe und die European Tour haben in Kenntnis aller Fakten eine Entscheidung getroffen, die wir akzeptieren müssen”) lässt aber erahnen, dass insbesondere in den turbulenten letzten Tagen des Bieterwettbewerbs eine Menge Porzellan aus den Trophäenräumen geholt und zerschlagen worden ist. Dazu noch zwei Anmerkungen. Erstens: Dass es letztlich bei der Vergabe von großen Sportereignissen in erster, zweiter und dritter Linie nur ums Geld geht, darf niemanden verwundern. Diesen Umstand muss man heutzutage akzeptieren, man muss ihn sogar seit Jahrzehnten akzeptieren und ein großer Teil der Sportfans tut das auch bereitwillig. Letztlich findet das Event ja statt, der Punkt ist nur: Wenn jemand wie der Vollblutmanager Pelley nach dieser Maxime arbeitet, dann kann sich die Tour den ganzen Zirkus mit umfangreichem Bid Book und der Mär von der zu fördernden Jugendarbeit auch sparen. Wenn letztlich derjenige einen Ryder Cup austragen darf, der unabhängig von Vision und Konzept schlicht am meisten Geld auf den Tisch stapeln kann, dann kann man auch zum System von Celtic Manor zurückkehren und ein paar golfbegeisterte Golf-Milliardäre samt Schatulle auf die Spielwiesen bitten. Dafür bedarf es keines monate- oder gar jahrelangen Auswahlverfahrens. Die Ryder Cup Limited predigt das Wasser des fairen sportlichen Wettbewerbs und trinkt gleichzeitig den Wein, den FIFA und IOC seit Jahren züchten. Und damit zweitens: Dieses lange Auswahlverfahren hat, zumindest in Österreich und auch in Deutschland, zur Konsequenz gehabt, dass zahlreiche prägende Kräfte der Golfverbände und der Bewerbungskampagne ihre Energie, Zeit, Ideen und auch viel Geld in Bid Book und Konzepte steckten.

 

Eigentlich kann man auch beim Ryder Cup zum System von Celtic Manor, Valderrama oder Gleneagles zurückkehren, bei dem ein paar golfbegeisterte Golf-Milliardäre (oder Unternehmen) samt Schatulle auf ihre Spielwiesen bitten.

 

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Das war prinzipiell gut investierte Energie – aber es ist ein Schlag ins Gesicht einer jeden Bewerbung, wenn sich am Ende der Kampagne herausstellt, dass man in der aufgebrachten Zeit auch Luftballons hätte aufblasen, Viertausender hätte bezwingen oder den normalen Golfalltag hätte betreiben können. Die reguläre Arbeit ganzer Golfverbände, und auch die European Tour weiß genau, dass es davon jede Menge gibt, war über Monate hinweg auf positive Weise lahmgelegt – die Poker-Mentalität eines Einzelnen aber hat den Enthusiasmus ganzer Golfregionen binnen weniger Wochen auf die triste, alte Erkenntnis reduziert: Money makes the World go round.

Weitere Beiträge:

Alle Wege führen nach Rom
Entscheidung am Montag

Ähnliche Artikel aus dem Archiv

Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar