Blog von Nikolaus Trojer

Wer zuletzt staunt… [0]

Da blieb sogar den Schotten der Mund offen. Unsere Runde auf dem Old Course in St. Andrews hat ganz schön Eindruck hinterlassen. Nicht aber weil wir so gut gespielt haben, sondern einfach WEIL wir gespielt haben…

Bruce Sorley (l.) und Allen Duncan. Unsere Runde Golf war auch für die erfahrenen Caddies ein wenig außergwöhnlich.

Unsere Scores standen an diesem Tag nicht im Vordergrund, eher das Bestreben, unfallfrei und heil wieder zurück in die Stadt zu finden. Beim Frühstück im Dunvegan Hotel am nächsten Tag sahen wir, was sich in anderen Teilen Schottlands am Tag zuvor abgespielt hatte. Brennende Windräder, umgestürzte LKWs und eine weggespülte Küstenstraße zeichneten nach dem heftigsten Sturm seit zwanzig Jahren ein Bild der Zerstörung. Der Sturm hatte sogar am Old Course Hotel seine Spuren hinterlassen. In der Nacht wurde ein Teil des Daches abgehoben. Es waren also doch nicht unsere Drives auf der 17, die ein Loch in den Gibel des fünf Sterne Hotels getrümmert hatten.

Der Schaden am Old Course Hotel. Verursacht durch den Sturm...

Bruce, unser Caddie, der 1995 sogar Tiger Woods das Bag trug, und sein Kollege Allen, warfen uns etwas ungläubige Blicke zu, als sie den Golf Place hinunter zum ersten Abschlag des Old Course kamen. Dass wir es mit einer Runde aber wirklich ernst meinten, müssten sie schon von den unzähligen Besuchen unseres „Reiseleiters“ gewusst haben. Dieser scheut nämlich weder Wind noch Wetter und kennt kein Pardon, und wenn man sich schon einmal in St. Andrews befindet, möchte man ja nicht den ganzen Tag im Pub verbringen. Doch auch der Reiseleiter war, wie er nach ein oder zwei Guiness im Anschluss an die Runde am Old Course im Dunvegan zugab, an seine Grenzen gestoßen. Auf Loch vier, als uns Sturm und Hagel in vollem Ausmaß erwischten, hatte er doch tatsächlich an ein Umdrehen gedacht. Zugegeben: auch ich war am Punkt angelangt, an dem ich mir die Sinnhaftigkeitsfrage dieser 18 Loch Golf stellte.

Beim Frühstück im Dunvegan schauen einem Tiger Woods und Co. über die Schulter

An ein normales Spiel war nicht zu denken. Die dunklen Wolken, die Regen und Hagel gebracht hatten, waren zwar so schnell, wie sie aufgetaucht waren, auch wieder verschwunden, was uns aber blieb war der Wind mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 120km/h. Von Schlägen auf einem 150 Meter langen Par3, die nicht einmal mit dem Driver das Grün erreichen, und Bällen, die vom Grün geblasen werden, hatte ich zwar schon gehört, wie übel sich das aber auf den eigenen Score und den Gemütszustand auswirkt, verspürte ich an diesem Tag am eigenen Leib. „Ihr seid heute die einzigen drei Menschen auf dem Old Course gewesen. Das ist doch eine Geschichte“, sagte Bruce, der sich an ein ähnliches Ereignis nicht erinnern konnte. „Und ich sage euch noch etwas. Ich mache diesen Job jetzt schon seit über 30 Jahren, aber bei so einem sch… Wetter war ich noch nie am Platz. Ihr seid doch echt krank!“ Das fand auch Dunvegan-Hausherrin Sheena. Unsere Gastgeberin, die ihr Lokal bis an die Decke mit Bildern von sich und Golfern zugepfalstert hat, stellte und uns sogar einen Vermerk – wir wissen noch nicht in welcher Form – in ihrem Lokal in Aussicht. Unsere Namen neben den Großen des Sports, das fände ich ganz schön krank.

Dunvegan-Stammgast und St. Andrews-Mitglied William Tait (l.) und unser Reiseleiter

Unsere „Leistung“ hatte sich schnell herumgesprochen. Auch William, den wir täglich in seiner Stammkneipe, dem Dunvegan, trafen, mittlerweile ein guter Bekannter unseres Reiseführers, war ganz schön begeistert von unserem Enthusiasmus und Durchhaltevermögen. Dass wir die Runde trotz der widrigen Bedingungen und einem Score, bis zum bitteren Ende jenseits der 100er-Marke, durchgezogen hatten, machte ihn kurze Zeit sogar sprachlos. Sprachlos machte er aber vor allem mich, den er noch nie zuvor in seinem Leben gesehen hatte und dem er sein Versprechen, uns mit ins Clubhaus, den heiligen Schrein des Golfsports, mitzunehmen, hielt. Waren es zuvor noch die Schotten, blieb bei einem Gin Tonic und den Erzählungen Williams über seinen Vorfahren, einen gewissen Frederick Guthrie Tait, nun mir der Mund offen…

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