Blog von Klaus Nadizar

Austria2022: Meine Ryder Cup-Memories [0]

Passend zur Bewerbung Austria2022: Vom ersten Auftritt 1997, wo ich Tiger Woods Trinkgefäß als Souvenir mitbrachte bis zum Gatschtrampeln in Wales…

Junior Ryder Cup 2010, Gleneagles, Klaus Nadizar

Nicht mehr ganz sooo jung, aber trotzdem: 3 Mann hoch verkosteten wir 2010 den Ryder Cup-Platz von 2014. Von links: Christian Lesjak (Fly Niki), Udo Rienhoff (Hertz) & Klaus Nadizar (Golfrevue)

Dass ich heuer nicht in Chicago bin schmerzt, also muss ich von meinen Erinnerungen leben. Die sind zum Glück allesamt frisch wie ein Semmerl vom Bäcker deines Vertrauens. Meine Ryder Cup-Premiere erlebte ich so, wie meinen bislang letzten Ryder Cup 2010 in Wales: In Regenanzug und Gatschpanier.

Was war das für ein Sauwetter in Valderrama, 1997. Zum aller ersten Mal macht der Ryder Cup Station am Kontinent. Dank Zinn-Milliardär Jaime Ortiz-Patino, der – eine Parallele zu Sir Terry Matthews in Wales – das Duell der Kontinente schlicht gekauft hat. Und den Captain Seve Ballesteros gleich mit dazu. Der wollte nämlich das Ganze in seinen neu gebauten Club bei Cadiz umleiten, Patinos offene Brieftasche und die Zusage zum von Seve geforderten Umbau des 17. Lochs haben den Spanier schließlich „überzeugt“.

Meine Ryder Cup-Premiere fiel übrigens auch mit der von Tiger Woods zusammen, dessen Aura schon lange vor dem Team USA in Valderrama ankommt. Er, der neue Superstar, sei allein Garant für den klaren Sieg der USA, tönt es aus dem Blätterwald. Und außerdem seien die Nobodys aus Europa derart unbekannt, dass Scotland Yard deren Identität noch prüfen muss. Hochmut kommt vor dem Fall!

Seve Ballersteros, der für mein Dafürhalten, bislang beste Ryder Cup-Captain Europas macht aber die vermeintliche Überlegenheit der USA locker gut. Leider auch mit einigen schmutzigen Tricks: Zunächst „eliminiert“ er den qualifizierten Miguel Angel Martin aus dem Team, indem er seinen Landsmann zu einer Handverletzung „rät“. Der Hintergrund: So konnte er seinen Spezl Jose Maria Olazabal noch ins Team hieven. Und dann irrlichtert Ballesteros fünf Tage lang über den Platz wie ein wild gewordener Derwisch: In den Trainingsrunden karrt er Montgomerie so oft zurück zum 17. Tee bis der Schotte endlich das neu gebaute Loch so spielt, wie Seve es ihm vorgibt. Und Tiger Woods zermürbt Ballesteros in seinem Single gegen Costantino Rocca allein mit seiner Anwesenheit: Immer wieder parkt er sein E-Cart neben Woods und signalisiert Rocca mit Gesten wie Kopfschütteln, dass Tiger wohl keine Chance hat, den Ball vernünftig zu spielen, Die Folge: Tiger produziert Sockets, Penzingers & Co und Rocca gewinnt locker mit 4 & 2. Am Ende jubelt Europa im strömenden Regen, nachdem Langer das entscheidende Single gegen Brad Faxon gewinnt und ich stibitze einen Krug, aus dem Tiger Woods bei einer Presse-Konferenz mürrisch Wasser in sein Glas schüttet…

Das Jahr 2010

Tiger Woods, Valderrama

Das Corpus Delicti: Aus diesem Krug hat sich 1997 Tiger Woods Wasser in sein Glas geschüttet…

Erstmals darf ich beim Junior Ryder Cup auch schon dabei sein und reise mit Europa-Captain Gary Stangl nach Gleneagles, wo 2014 dann zum 40. Mal den Ryder Cup ausgetragen wird. Ein fantastisches Erlebnis mit etlichen Jungspunden, die ich garantiert bei einem der nächsten Ryder Cups in den „großen Teams“ wieder treffen werde.
Die Tage in Wales sind dann vorn Regen geprägt, und davon, dass die Amerikaner ohne wasserdichte Kleidung nach Celtic Manor gekommen sind. Die Fanfare der Woche, skandiert von den europäischen Fans am ersten Tag: „Where’s your waterproofs“, gesungen nach der Melodie „Where’s your mama gone“…

Es war am Ende eine haarscharfe Angelegenheit, die zum ersten Mal in der Geschichte des Ryder Cups an einem Montag fallen musste: Zu sehr hatte der Regen den Platz zerstört, am Samstag durften die Zuschauern zunächst erst gar nicht auf die Anlage und mussten in ihren Autos auf den zahlreichen Parkplätzen ausharren. Am Montag scheint dann endlich auch in Celtic Manor die Sonne, und ganz besonders für Europa… Zur Erinnerung der „Chip“ von Hunter Mahan, der ihn wohl den diesjährigen Pick gekostet und G-Mac zum großen Helden 2010 gemacht hat!

http://youtu.be/MDyF-7qI03o

Die Jahre dazwischen

1999  ist in Boston einmal mehr, wenn der Cup in den USA ausgetragen wird, die Stimmung mehr als zweifelhaft. Die Medien schreiben vom „Boston Massacre“, die Zuschauer skandieren „Tragt sie in den Leichensäcken vom Platz“ und zum Drüberstreuen erweisen sich die Amis als schlechte Gewinner. So ging es am Grün zu, nachdem Leonard seinen Putt zum Birdie auf Loch 17 gelocht hat…

2001 musste der Ryder Cup nach dem 9/11-Drama verschoben werden und wird seitdem in geraden Jahren ausgetragen. Dort erweist sich Monty als echter Leader, und allein wenn ich mich an seinen Tee-Schuss in den Singles am Sonntag zurückerinnere, kommt mir das Schaudern: Fokussiert wie ein Rennpferd marschiert der Schotte vom ersten Abschlag Richtung Sieg.

http://youtu.be/Fim_ksSIeS0

In Michigan gab’s 2004 die größte Klatsche für die USA seit der Ryder Cup-Zeitrechnung: Europa gewinnt in Oakland Hills 18,5 zu 9,5 und zwei Jahre später im K-Club geht’s hoch emotional zu: Darren Clarke wird kurz nach dem Tod seiner Frau zum Matchwinner für Europa und verständlicherweise fließen Freund- und Trauertränen in rauhen Mengen.

2008 wird schließlich Europa Opfer eines zynischen und völlig neben sich stehenden Captain: Sir Nick Faldo verspielt dabei sämtliche Sympathien, schimpft auf alles, was ihm in die Quere kommt und sorgt für die wohl mieseste Stimmung ever in einem europäischen Ryder Cup-Team. Entsprechend bitter der Ausgang: 16 zu 11 für die USA. Ich selbst reise täglich um 6 Uhr morgens von Knoxville nach Louisville: 1,5 Stunden hin und zurück. Aber: Jede Minute im Auto ist es Wert, um die größte Golf-Show auf Erden live zu erleben. Und jede einzelnen Erinnerung sorgt noch heute für Gänsehaut. Wer jemals an einem Sonntagmorgen bei den Singles am ersten Tee gestanden ist, wird das bestätigen….

 

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