Von Pro zu Profi: Hofmann & Steiner [0]

Hofmanns Erzählungen

Steffen Hofmann, Österreichs berühmtester Nicht-Nationalteamspieler, plaudert mit Roland Steiner übers Runterkommen nach dem Spiel, das Fortkommen im Profi-Dasein und die Sinnhaftigkeit einer ­„Rapid-Viertelstunde“ im Golf. Moderation: Thomas Weidinger, Fotos: Kurt Pinter.

altZu den Personen

Steffen Hofmann: Fußballprofi, geboren 1980 in Würzburg/Bayern. Von 1997–2000 in der deutschen Jugend­mannschaft und anschließend im Junior-Team des FC Bayern München. Erster Profi-Einsatz im Oktober 2001 beim FC Bayern München. Seit 2002 (mit Ausnahme der Frühjahrssaison 2006, wo er für den TSV 1860 München spielte) eine fixe Größe beim SK Rapid Wien, mit dem er 2005 und 2008 den Meistertitel holte und wo er seit 2003 auch Mannschaftskapitän ist. Hofmann ist vor allem als Spielmacher und Freistoßspezialist berühmt-berüchtigt. www.skrapid.at
Roland Steiner: Golf-Pro, geboren 1984 in Leoben. Absolvierte die HTBLA für Maschineningenieurwesen in Zeltweg. Begann erst mit 14 Jahren zu golfen, spielte im österreichischen Nationalteam. Pro seit 2005. Er wird 2007 Zweiter in der Alps-Tour-Jahresendwertung und schafft damit den Sprung auf die Challenge Tour. Beim Tourschool Final 2008 fehlt ihm nur ein Schlag zur „Karte“ für die European Tour 2009. Heuer belegt der Steirer Platz 28 in der Final Challenge Tour Order of Merit. Ob es diesmal bei den Finals für die „große“ Karte gereicht hat, lesen Sie ab Seite 82. www.rolandsteiner.com

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Golfrevue: Steffen, warum spielst du nicht in der österreichischen Nationalmannschaft?
STEFFEN: Es gab Bemühungen seitens des Österreichischen Fußball-Bundes, mich einzubürgern – ich bin ja seit 2004 mit einer Österreicherin verheiratet. Ich spielte aber 1997 für Deutschland bei der U17-WM und darf trotz Einbürgerung – die noch nicht durch ist – wegen FIFA-Statuten nicht im ÖFB-Team spielen.

Wie bist du zum Golfen gekommen?
STEFFEN: 2003 waren wir durch unseren damaligen Trainer Josef Hickersberger stark mit dem Thema Golf konfrontiert, und ich habe dann gemeinsam mit Martin Hiden, Sebastian Martinez und Axel Lawaree angefangen.
ROLAND: Stand das in Zusammenhang mit dem Fußballtraining?
STEFFEN: Nein, Hickersberger war einfach Golf-verrückt. Ich habe dann aus Neugier und Lust begonnen und in der Folge fast jeden Tag nach einem Match eine Runde gespielt. Meiner Meinung nach gibt es für einen Fußballprofi nichts Besseres zum Ausgleich, als Golf zu spielen: Wir haben so viel Adrenalin im Spiel, sind aufgeputscht – was man auch braucht –, und da muss man irgendwie wieder runterkommen, weil es nicht gut wäre, das eine ganze Woche mit sich zu tragen. Jetzt, mit zwei Kindern, hole ich mir die Entspannung und den Ausgleich natürlich vorwiegend daheim.

Roland, für dich ist Golf ja eher nicht mit „Ausgleich“ in Verbindung zu bringen …
ROLAND: Nicht wirklich. Seit ich Golfpro bin, gibt es beinahe keinen Tag ohne Golfschläger. Als Ausgleich habe ich mir Dinge gesucht, die mir „Kicks“ geben, wo man merkt, dass man „lebt“. Am Golfplatz gilt es vorrangig, Emotionen zu kontrollieren, und nicht durch überschwängliche Freude oder Frust die ­Fehlerquote zu steigern.
STEFFEN: Das passiert mir auf dem Golfplatz. [lacht] Wenn ich Fußball spiele, dann weiß ich, was ich ungefähr kann und was nicht. Und beim Golf kann ich bei einem Loch was – oder glaube, es zu können –, und beim nächsten Loch ist es wieder weg. Das hilft mir auch beim Fußball ab und zu, ruhiger zu bleiben und es einfach so zu nehmen, wie es ist.

Es gibt für euch beide nichts Schlimmeres, als nicht zu spielen. Sei es, weil man verletzt ist, auf der Ersatzbank sitzt oder den Cut nicht geschafft hat. Wie geht ihr mit solchen Rückschlägen um?

ROLAND: Im Prinzip ist es so: Du steht vor ­einer Tatsache – Punktum. Ich könnte jetzt heulen, oder ich nutze die zwei Tage, trainiere und bereite mich aufs nächste Turnier vor. Je länger man sich mit negativen Ereignissen beschäftigt, umso mehr steht man sich selbst im Weg. Was das betrifft, bin ich eigentlich ziemlich relaxed und kann mit Niederlagen, glaube ich, ziemlich gut umgehen.
STEFFEN: Niederlagen tun zu Beginn nur weh – aber grad aus ihnen kann man mehr lernen als aus Siegen. Bei Siegen ist so viel Euphorie da, da sieht man nur mehr das Positive. Bei Niederlagen werden einem die Schwächen aufgezeigt, und daraus sollte man lernen und sich verbessern.

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