Golf von Triest [0]

Eine Früh-herbstliche Verfügung in den Sommer:  Wir folgen Krimi-Autor Veit Heinichen auf alt-österreichischen Spuren, entdecken ein Wunder zwischen Wein und Olivenöl, verlieben uns in rohen Fisch und lassen uns drei Variationen Golf servieren.

 

Veit Heinichen greift also nach dem Putter wie nach einem Tau, hebt eher nebenbei den Blick und versenkt mit einer, sagen wir, nicht völlig schnörkellosen Be­wegung einen Fünf-Meter-Putt.

„So also?“, fragt der Mann, der sein Geld mit Verbrechen verdient, und macht ein Gesicht in der Art von: War das jetzt alles?

„So … in etwa“, antwortet Carmen Puzzer, sie ist die gute Seele des Golfclub Triest, und sie spricht gut genug Deutsch, um einem „etwa“ einen schönen Drall mitgeben zu können.

Es gäbe wahrscheinlich keinen geeigneteren Schauplatz für die golferische Alphabetisierung von Veit Heinichen als Loch 17 des Golfclub Triest: Das 355 Meter lange Par 4 ist gesäumt von Föhren und Pinien, es riecht nach Thymian und Bohnenkraut, über die Fairways huschen Rehe und hoppeln Kaninchen. Durch die Roughs lugen kantige Kalkfelsen und schimmert die nackte, erzrote Erde. An den Rändern der Fairways halten kleine Steinmauern tapfer die Stellung, wie damals schon, als Triest noch eine öster­reichische Stadt war. Hinter dem Green gibt der Wald den Blick über das Meer frei, ein paar verstreute Frachter sitzen auf dem Horizont der spiegelglatten Adria, unter den Spätnachmittagswolken eines von der Bora geputzten Himmels.

Der Golfclub Triest, mit bald 60 Jahren einer der ältesten Italiens, liegt oben auf der Hochebene des Karst, das ist der Kalksteingürtel, der Triest umschließt. Das Fotoshooting für die „Golfrevue“ ist also trotz des thematisch nicht ganz gewohnten Umfelds ein Heimspiel für Heinichen: Er wohnt selbst auf dem Karst, hier arbeitet er an seinen Kriminalromanen, mit Blick auf das offene Meer hinaus und in die ­Triestiner Altstadt hinüber, in beruhigender Nähe zu seinen Freunden, die große Weine produzieren, ­glasklare Olivenöle, Käse und Speck. Und wenn das Italienische aus dem Badener bricht, bringen Heinichen handgestoppte 13:26 Vespaminuten ins Zentrum Triests, in die Gran Malabar, die als eine Art vorge­lagertes Stück Zuhause zu betrachten ist: 60.000 Flaschen der besten Weine der Welt im Keller, vom Opus One über die großen Franzosen und Wachauer bis zu den besten Sachen vom Karst.

Eine kurze Vorstellung unseres Reiseführers: Veit Heinichen, Jahrgang 1957, wuchs im Dreiländereck von Frankreich, Deutschland und der Schweiz auf, studierte Wirtschaft, arbeitete im Marketing bei Mercedes, ehe er – Neustart eins – auf Buchhändlerlehrling umsattelte, Buchhändler wurde. Dann – Neustart zwei – Switch ins Verlagsgeschäft, später – Neustart drei, mit 37 – in die Selbständigkeit: Heinichen war Mitgründer des Berlin-Verlags und führte ihn zu einem der renommiertesten Häuser in der deutschen Literaturlandschaft.

Heinichen war ein nach herkömmlichen Kriterien ziemlich gemachter Mann, als er beschloss, seinem Lebenstraum nachzugeben und nach Triest zu übersiedeln, um in dieser Stadt der Literatur – Rilke, ­Joyce, Svevo, Kosovel – vom Schreiben zu leben…

Neugierig geworden? Den gesamten Artikel finden Sie in der aktuellen Golfrevue!

 

 

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