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SCHMERZVERZERRTE WAHRNEHMUNG – Ob Profi oder Gelegenheitsspieler – ganz ohne Beschwerden kommt kaum ein Golfer durch die Karriere. Schlimmer noch: Bisweilen wachsen sich chronische Schmerzen zum eigentlichen Handicap aus. Doch Hilfe naht. Eine Reihe von Ärzten hat sich inzwischen auf golfspezifische Probleme eingestellt und weiß Rat, wenn Ellbogen oder Hüfte jeden Schlag zum Martyrium machen.

 

Anfang November machte Charlie Beljan Schlagzeilen. Bis zum „Children’s Mi­racle Network Hospitals Classic“ in Florida war der US-Amerikaner ein mittelmäßiger PGA-Profi, der um den Erhalt der ­Tourkarte zitterte. Nun aber spielte er am zweiten Turniertag eine grandiose 64, ging in Führung – und hatte doch das Gefühl, „auf dem Platz sterben zu müssen“. Seit Monaten wurde er von wiederkehrenden Panikatta­cken heimgesucht, und jene am Turnier-Freitag war besonders heftig. Beljan, ohnehin auf der Runde ein gegen jeden medizinischen Rat wunderlicher Verweigerer von Nahrungsaufnahme und Flüssigkeitszufuhr, litt unter rasendem Puls, sein Blutdruck stieg in schwindelnde Höhen, er war nach eigenen Angaben „der Ohnmacht nahe“. Die letzten neun Loch des Tages verbrachte er unter permanenter Aufsicht von Sanitätern und die Nacht darauf im Krankenhaus – um am nächsten Morgen nach ergebnislosem Gesundheitscheck pünktlich und gegen den Rat der Ärzte zum Abschlag zu erscheinen. Er brachte die Runde trotz erneuter, leichterer Panikattacken ­solide ins Clubhaus, am Sonntag schließlich gewann ­Beljan das Turnier mit zwei Schlägen Vorsprung. Der Erfolg gibt dieser hollywoodreifen Story letztlich Recht. Doch als Paradebeispiel für die richtige ­medizinische Einstellung zum Golfsport eignet sich Beljans märchenhafter Sieg weniger.

Diagnose: morsch
Nun leiden die wenigsten Hobby­golfer am Platz unter ­Panikattacken, und allein der gesunde Menschenverstand bringt sie dazu, das Bag neben Schlägern auch mit ausreichend Wasser und dem einen oder anderen Snack auszurüsten. Beljans Beispiel aber zeigt eindrucksvoll, wie sich physische und psychische Probleme beim Golf auf durchaus unheilvolle Weise miteinander verquicken können. Seine Panikattacken hatten, so geht die Vermutung, im Kampf um die Tourkarte ihre Ursache. Das Turnier in Florida war Beljans letzte Chance, die Saison war bis dorthin nicht gut verlaufen. Anfang des Jahres musste er sich einer Handgelenks-Operation unterziehen, die Schmerzen hatten ihn zu sehr behindert. Und an dieser Stelle kommt der Hobbygolfer wieder ins Spiel…

…Golfen mit 50 +
„Es ist klar, dass ältere Menschen für Sport­verletzungen anfälliger sind als jüngere“, sagt Reinhard Weinstabl, der in der Wiener Privatklinik eine Praxis für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie führt. Gelenke sind nicht mehr so fit wie früher, viele leiden an Arthrose (Abnutzungserscheinungen der Knorpel, der Gleitschicht der Gelenke), es kommt schneller zu Überbelastungen des Bewegungsapparats, besonders gefährdet sind die Knie. Weinstabl bietet für diese Probleme jetzt die sogenannte KernspinResonanzTherapie bei akuten und chronischen Verletzungen an (siehe Kasten oben).

Dennoch ist gerade Golf „ein Idealsport für Senioren“, versichert der Orthopäde Michael Riedl. Die Sauerstoffaufnahme beim Golf ist viermal so hoch wie üblich. Blutdruck und Blutfettwerte – im Alter meist Anlass zur Sorge – können durch Golf gesenkt werden. Auch Über­gewicht ist oft ein Problem. Auf einer 18-Loch-Runde werden 1.700 Kalorien verbraucht, und man kann bis zu 900 Gramm Netto-Gewichtsverlust erzielen. Im Rahmen einer Studie der Universität München wurden bei Probanden unterschiedlicher Altersgruppen bei einer Golfrunde laufend Herzfrequenz und Laktatwerte gemessen. Vor und nach dem Spiel wurde das Gewicht geprüft und venöses Blut entnommen, um ein kleines Blutbild, den Substratmetabolismus (Fett, Protein, Glukose, Harnstoff, Harnsäure usw.), den Hormon- und Elektrolythaushalt sowie muskuläre Enzymaktivitäten zu analysieren. Anhand der Ergebnisse stellte sich heraus, dass Golfen eine aerobe ausdauernde Belastung darstellt, deren Intensität bei Senioren leistungssteigernde kardiovaskuläre (das Herz- und Gefäßsystem betreffende) Effekte erwarten lässt. Bei jüngeren Erwachsenen war das in diesem Vergleichstest nicht zu registrieren…

 

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