EXKLUSIV: Brier & Hickersberger im Interview [0]

Färöer & Fontana

Teamchef Josef „Pepi“ Hickersberger und Österreichs Golfaushängeschild  im saloppen Exklusiv-Interview mit  Klaus Nadizar über große und kleine Bälle und das Leben unter Erfolgsdruck. Fotos: Kurt Pinter




DAS INTERVIEW
Welche Ähnlichkeiten könnt ihr in den beiden Sportarten entdecken?

Markus: Beides wird auf schön gepflegtem Rasen gespielt.
Pepi: Genau. Nur bei Golf wird man sich nie überlegen, ob man Kunstrasen verwendet. Beim Fußball gibt’s manche, die das komischerweise so wollen.

Markus, was ist dein Bezug zu Fußball?

Markus: Der wird derzeit immer größer, weil mein Sohn Konstantin Schülerliga spielt und ich vor kurzem ein Match von seiner Mannschaft besucht habe. Sonst schaue ich das eine oder andere Match im Fernsehen. Selber spielen ist nichts für mich, das ist mir zu gefährlich.

Wärst du gerne Teamchef?

Markus: Ja, das wäre mal was Neues…
Pepi: Du bist scharf auf meinen Posten? Da bist du wahrscheinlich der einzige…
Markus: Ich kann ja nichts falsch machen, weil ich mich nicht auskenn’!

Pepi, erinnerst du dich an Dirk Westerheide vom GC Hubbelrath?

Pepi: An den GC Hubbelrath erinnere ich mich sehr gut: Da gibt es ein herrliches Par 3 und auch an ein Par 5 kann ich mich erinnern, bei dem Bernhard Langer bei den German Open ein Doppelbogey gespielt hat und ich zwei Tage später ein Par. Ich war begeistert …

Wir lösen das jetzt auf: Du hast dich unter dem Namen Dirk Westerheide vor Jahren bei einem Golfturnier eingetragen, um eine Veranstaltung zu schwänzen, zu der du nicht wolltest.

Pepi: Tatsächlich? Ist möglich, ja …

Gab’s schon gemeinsame Runden von Markus und Pepi?

Pepi: Ja, bei den Austrian Open 2006 im Pro/Am und mir ist schon vor dem Turnier aufgefallen, in welch hervorragender Form du bist.
Markus: Danke für die Blumen. Ich glaub’ wir haben dann danach noch einmal in Fontana gespielt, da hat’s dann mit den BA GolfOpen nicht mehr so gut geklappt bei mir.
Pepi: Ich kann mich auch noch an ein paar gemeinsame Aktivitäten in der Wüste erinnern, als ich noch Trainer in den Emiraten war. Da bin ich immer mit Markus mitmarschiert und hab’ ihm die Daumen gedrückt. Einmal waren dann Markus und Sven Strüver sogar bei einem Fußballmatch zuschauen..
Brier: Genau, damals hat bei dir Anthony Yeboah gespielt …
Pepi: Stimmt. Der Bursche hat mir dann zu einem Gespräch mit Gary Player verholfen, die sich gekannt haben. Zuerst habe ich aber Anthony zum Pro/Am mitgenommen, dann hat er das mit Gary Player eingefädelt. Eine Legende …

Und worüber hast du mit Player geplaudert?

Pepi: Ich hab‘ gar nichts mit ihm geredet. Yeboah und Player sprachen über Geldanlagen, ich wollte nur einen unterschriebenen Ball und der hat noch immer seinen Ehrenplatz bei mir zu Hause. Ich habe Player gerade beim Masters 2008 gesehen – im Fernsehen – unfassbar, wie der mit 70 Jahren noch eine 78er-Runde hinlegt.


Kommen wir zur Euro und zu den GolfOpen, die ja quasi parallel über die Bühne gehen …

Pepi: Ja, leider …

Offensive oder Defensive?

Pepi: Soll ich Markus Tipps geben? Weil ich hätte da ein paar gute parat! Er soll so spielen, dass er das Turnier gewinnen kann.
Markus: Wart’s nur ab, meine Tipps für dich kommen noch …
Pepi: Mit einer defensiven Strategie wird Markus wohl nicht erfolgreich sein, Flexibilität ist gefragt und das ist bei unserem Nationalteam auch so. Wir gehen jedenfalls in jedes Match so, dass wir gewinnen wollen. Die Konkurrenz ist allerdings sehr stark, alle in der Rangliste sind vor uns …
Markus: Meine Konkurrenz ist auch sehr stark …
Pepi: Aber wir sind auf jeden Fall ein ­größerer Außenseiter als Markus.

Siehst du das auch so, Markus?

Markus: Wenn man das Gesetz der ­Serie hernimmt, bin ich ja der große Favorit. Jedenfalls werde ich die ­nötige Aggressivität mitbringen, aber nicht hirnlos attackieren. Es gibt zwei, drei Löcher, auf denen man aufpassen muss.

Was bewunderst du an Pepi Hickersberger als Teamchef?

Markus: Die Ruhe, die er in jeder ­Situation ausstrahlt. Ich kann mir ­vorstellen, dass es immens schwierig ist, 23 Spieler unter einen Hut zu bringen.
Pepi: Er spricht das größte Problem damit eigentlich schon an. Markus hat zwar auch 14 Schläger im Bag, ich muss gemeinsam mit meinem Betreuerstab aber 20 Feldspieler plus drei Torhüter koordinieren und da muss alles zusammenpassen. Markus muss seine Schläger je nach Situation auswählen, ich meine Spieler ebenso und zusätzlich ein optimales Set-up zusammenbringen.

Pepi, was war dein schlimmster Moment am Fußballplatz?

Pepi: Es hat viele gegeben. Abgesehen von dem einen, den du mir sicher herauslocken willst, gab’s einen schlimmen Moment vor dem Fernseher: Als wir 1990 bei der WM in Italien mit der gesamten Mannschaft im TV ein Vorrundenspiel angeschaut haben – ich hab‘s schon verdrängt welches – da ist in der Nachspielzeit ein Tor gefallen und wir waren plötzlich nicht mehr bester Gruppendritter und mussten die Koffer packen.

Und Markus: Dein schlimmster ­Moment am Golfplatz?

Markus: Austrian Open 2007 war ­garantiert der größte Tiefschlag. Dann gab’s noch ein paar mittlere Kata­strophen, aber die sind schnell ver­gessen. Muss man auch.

Wie lange zehrt man von den ganz großen Erfolgen im Laufe einer Karriere?

Pepi: Das ist je nach Spieler, beziehungsweise Trainer unterschiedlich: Manche leben sehr lange und sehr gut von einem einzigen Ergebnis, andere müssen ihr Leben lang mit dem Makel der Färöer Insel herumlaufen. Ich habe die Gelassenheit erlangt, Hochs wie Tiefs genau so gut zu verdauen und damit umzugehen gelernt.
Markus: Bei uns ist es einfacher, weil jeder Turniersieg ein Riesenerfolg ist und du deshalb aber nicht abheben darfst, weil nächste Woche schon wieder ein Turnier am Programm steht.Wir haben den Stress nicht, nur alle zwei Jahre einen Top-Event zu haben, sich dafür erst qualifizieren zu müssen und dort auch noch bestmöglich abzuschneiden.


Sind Golfer überbezahlt?

Pepi: Nein, auf keinen Fall. Obwohl Golfer natürlich eine längere Verdienstzeit haben als Fußballer. Aber den extremen Zeitaufwand fürs Training sieht kaum jemand und auch nicht, wie oft er von seiner Familie getrennt ist. Da beneide ich ihn nicht um seinen Job.

Markus, wie siehst du das mit den ­Fußballern?

Markus: Die haben nur 10 Jahre Zeit, um wirklich Geld zu verdienen. Die Top-Leute sind ihr Geld wert. Wenn ich da an Ronaldo oder Ronaldinho denke …
Pepi: … sind sie auch nicht ihr Geld wert. Ronaldinho spielt nicht und ­Ronaldo ist verletzt …
Markus: Ich meine ja Cristiano ­Ronaldo…
Pepi: Achso, Cristiano Ronaldo ist sein Geld Wert, der ist derzeit der beste Spieler der Welt.

Golfer haben 1000 Ausreden, aber ­niemanden, auf den sie eine schlechte Runde schieben können. Fußballer ­haben zehn Mit-, aber vor allem elf ­Gegenspieler…

Pepi: Moment, Golfer haben ja einen Caddie, und der muss immer wieder als Sündenbock herhalten, wie man erst unlängst in Amerika miterleben durfte. Da hat Jay Williamson seinen Caddie nach einer hitzigen Debatte am 14. Loch gefeuert und einen ­Zuschauer als neuen Caddie engagiert. Das war Tagesgespräch in den USA.

Was ist das Schwierigste am Fußball?

Pepi: Gegen starke Mannschaften zu gewinnen. Gut spielen allein ist nicht genug. Du musst dann unnötige ­Niederlagen einerseits den Kritikern erklären, was nicht so schwierig ist, aber andererseits vor allem deine ­Spieler wieder entsprechend aufbauen.

In wie weit ist Golf Bestandteil des Fußballtrainings?

Pepi: Ich habe schon einige Spieler die Golfen, und für die gehört eine Runde nach einem Match zum Entspannungsprogramm. Ich finde das äußerst positiv, weil man bei Golf sehr gut abschalten kann. Vor allem, wenn’s nicht um Geld geht!

Wer gewinnt die BA GofOpen 2008?

Pepi: Ich hoffe, Markus Brier.
Markus: Das hoffe ich auch.

Und wer wird Europameister 2008?

Pepi: Sag’ jetzt nicht Österreich!
Markus: Ich hoffe, Österreich schneidet gut ab. Aber mein Tipp ist ­Spanien, auch wenn ich nicht weiß warum.
Pepi: Oje, der Mann kennt sich nicht aus …
Markus: Sind die Spanier nicht so gut?
Pepi: Doch, die spielen sensationell. Aber sie haben das Problem, dass sie bei allen großen Turnieren zum Favoritenkreis zählen, aber seit den 1960er-Jahren bei keinem Großereignis mehr gewonnen haben.


Markus Briers Weg zum BA GolfOpen-Titel 2008
Rahmenveranstaltungen:
Dienstag 3. Juni „Franz Beckenbauer-Charity“,
Gala-Abend im Magna Racino
Mittwoch 4. Juni: Pro/Am

Das Turnier:
Donnerstag 5. Juni: 1. Runde, ab 7 Uhr 30,     Eintritt frei
Freitag 6. Juni: 2. Runde, ab 7 Uhr 30,     anschließend Cut der Top 65
Samstag 7. Juni: 3. Runde, ab 8 Uhr       
Sonntag 8. Juni: Finalrunde, ab 8 Uhr, anschließend Siegerehrung am 18. Grün

Infos:
www.emotion.at, www.bank-austria-golfopen.com

Österreichs Weg zum Europameistertitel 2008
Österreich gegen Kroatien, Sonntag, 8. Juni, 18 Uhr (mit VIP-Viewing bei den BA GolfOpen)
Österreich gegen Polen, Donnerstag 12. Juni, 20 Uhr 45
Österreich gegen Deutschland, Montag
16. Juni, 20 Uhr 45

Viertelfinalspiele: 19. oder 20.6.
Halbfinalspiel: Mi. 25.6.
Finale:  So. 29.6.

Die Euro im Web:
www.euro2008.oefb.at

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