Dienstag 25. September 2012, 21:25 Uhr

A gmahte Wiesn [0]

US-Captain Davis Love III spielt den Heimvorteil gekonnt aus. Kein Rough und schnelle Grüns sorgen für ein Birdie-Festival. Europa kämpft gegen die aggressive Spielweise der USA in den Doppel vergeblich an. In den Einzeln geht die Taktik für Love jedoch nicht auf.


Medinah Country Club in diese Woche ohne Rough

Medinah Nr. 3 ist diese Woche ein Kurs für Longhitter, für Spieler die gerne auf Birdiejagd gehen und die Dank erhöhtem Adrenalinspiegel die Massen mit Monster-Drives unterhalten. So wurde der Championship Course seit dem Sieg von Tiger Woods bei den PGA Championships 2006 auf 7.648 Yards verlängert, präsentiert sich aber trotzdem von der scoringfreundlichsten Seite. „Ich mag Rough einfach nicht“, verteidigt US Captain Davis Love III die taktische Entscheidung, den gesamten Platz in einen Schaugarten zu verwandeln.

Dutzende Mäher rattern täglich über die Anlage und befreien den Platz von jeglichem Rough. Mit dem Heimvorteil nutzt Love die Möglichkeit den Platz seinen Spielern anzupassen: 1 ¼ Inches misst der länste Halm und ist damit um zwei Drittel kürzer als das Gestrüpp mit dem es die Spieler 2010 in Wales zu tun bekamen – nur unerheblich länger als die Fairways, auf den umliegenden Pitch und Putt Plätzen. „Es ist wirklich kurz im Vergleich zum Standard. Der Captain wollte es so, da die Bälle im Spiel bleiben und die Matches aufregend bleiben“, erklärt Curtis Tyrrell, der Golf-Direktor des Medinah Country Club.

US Captain Davis Love III will für Unterhaltung und viele Birdies sorgen

Dieser Heimvorteil und der Einfluss auf die Platzgestaltung ist es, was den Ryder Cup einzigartig im Golfsport macht. Der gastgebende Captain ist es, der mitbestimmt, welche Art von Golf gespielt wird. Und während Colin Montgomerie (SCO) vor zwei Jahren den Greenkeepern lediglich den Auftag gab, den Platz so zu gestalten, dass das beste Team gewinnen kann, will Love mit schnellen Grüns, breiten Fairways und keinem Rough für Unterhaltung und tiefes Scoring sorgen.

Tiger Woods und Bubba Watson sollen nicht auf den Einsatz ihres Drivers verzichten müssen. Phil Mickelson soll mit Recovery Shots aus den Bäumen für Aufregung sorgen. „Keiner will Spieler beim Ryder Cup aus dem Rough chippen sehen oder zum Par putten. Jeder will Birdies sehen“, erklärt Love. Tiefrote Zahlen sind somit in den kommenden Tagen zu erwarten. Genauso wie viel Aufregung und Kritik am Versuch der Amerikaner ihren Vorteil voll auszuspielen.

Diese kommt auch von Seiten des europäischen Teams, allen voran Lee Westwood (ENG), der mit einem eiskalten Putter in dieser Saison über den geplanten Putting-Kontest alles andere als erfreut sein dürfte. Der Engländer bezeichnet das Setup als „seltsam“ und Teamkollege Sergio Garcia (ESP), ebenfalls mit Schwachstellen am Grün, sieht Coursemanagement durch ein hirnloses Spiel ersetzt.

Es bleibt jedoch offen ob das Course Setup wirklich einer Seite zum Sieg verhelfen kann. Lange vorbei sind die Zeiten an denen die Amerikaner und Europäer sich nur auf ihrer Seite des großen Teichs aufhalten. Die neue Generation ist es gewohnt auf beiden Kontinenten zu spielen. Power Hitter wie Nicolas Colsaerts (BEL) und Rory McIlroy (NIR) kommen auch aus Europa. „Ich warte immer noch darauf, einen Platz zu sehen, der eines der beiden Teams favorisiert. Wir können auch auf einem 200 Meter langen Feld spielen, am Ende entscheidet wer die meisten Putts locht“ muss  Kritiker-Westwood zugeben.

Europa steigert seine Birdiequote am zweiten Tag, geht jedoch mit 10:6 Rückstand in die Singles.

Birdies entscheiden die Doppel

Im klassischen Vierer noch solide und mit zahlreichen Chancen, können sich die Europäer am ersten Spieltag nicht Recht an der Birdiejagd ihrer Kontrahenten anschließen. Am Vormittag mit 15 zu 19 Birdies, bringt es Olazabals Team im Bestball nur auf 26 Schlaggewinne während die US Boys gleich 32 Mal zum Birdie lochen. Dieser Trend setzt sich auch am Freitag fort. 10 Birdies für Team Europa am Vormittag stehen den starken 19 Birdies der Amerikaner im Klassischen Vierer gegenüber. Am Nachmittag fängt sich Olazabals Truppe und bringt es auf 25 Schlaggewinne, dennoch vier weniger als die USA.

Besonders der Bestball kommt an beiden Tagen Spielern wie Bubba Watson entgegen. Vollgas vom Tee und eine gewisse „Hopp oder Drop“ Mentalität sorgen für zahlreiche Zauberschläge und eine hohe Chancenverwertung. Die Europäer geraten in die Zwickmühle und finden sich mit einer ungewohnten Agressivität konfrontiert. Auch Spieler wie Rory McIlroy (NIR), der über die Saison mit seinen Annäherungen glänzte, kann seinen Längenvorteil vom Tee nicht ausspielen und muss statt der Chance auf das Birdie noch versuchen das Par zu retten. Auf den Pfeilschnellen Grüns haben die Europäer am Freitag mit dem Frust zu kämpfen, denn in Punkto Chancenverwertung macht der, auch unter Hobbyspielern gefürchtete, Lip-Out dem ganzen Team zu schaffen. Besonders Nicolas Colsaerts (BEL) bekommt nach dem Lauf vom ersten Tag die volle Breitseite ab und muss hilflos mitansehen, wie ein sicher geglaubter Putt nach dem anderen über die Lochkante abgelenkt wird. Einzig Ian Poulter (ENG), Mr. Ryder Cup, blüht einmal mehr im Kontinentalvergleich auf und holt mit fünf Birdies auf den letzten fünf Löchern einen dritten Punkt für seine Mannschaft.

Und wie steht es um Tiger Woods? Die ehemalige Nummer Eins der Welt erwischt einen denkbar schlechten Start in den 39. Ryder Cup und wird in Fanforen weltweit bereits als 13. Mann der Europäer gehandelt. Mitleidsbekundungen an Steve Stricker inklusive, der seinen Landsmann einen Tag lang über den Platz trägt. Wüste Drives am Vormittag verlangen von Stricker alles ab um den Ball zurück ins Spiel zu bringen, doch am Nachmittag fängt sich die ehemalige Nummer Eins der Welt und sorgt besonders gegen Ende der Runde für entscheidende Lochgewinne gegen einen branheißen Nicolas Colsaerts. Am zweiten Tag pausiert der Tiger am Vormittag und legt eine Trainingseinheit auf der Range mit Coach Sean Foley ein. Doch genutzt dürfte es nur bedingt haben: die Serie aus verfehlten Fairways und Grüns setzt sich weiter fort und bis zum Turn ist es erneut Stricker, der die Kohlen aus dem Feuer holen muss. Auf den Back Nine steuert Woods ein paar Birdies für den Teamscore bei, verliert jedoch auch das dritte Match bei seinem 2012 Ryder Cup Auftritt.

 

The 39th Ryder Cup 
25.-30. September 2012
Medinah Country Club, Medinah, Illinois, USA
Titelverteidiger: Europa

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