Donnerstag 6. März 2008, 10:37 Uhr

Interview Franz Wittmann [0]

Verbandsarbeit 2008

ÖGV-Präsident Franz Wittmann über den Abgang von Sportdirektor Andreas Schwab, warum es keine Nachbesetzung gibt und was ihn trotz Gegenwind motiviert.

Der Abgang von Sportdirektor Andreas Schwab zu Beginn der Saison 2008 kam überraschend – auch für Sie?

Wittmann: Leider ja. Ich muss aber fairerweise dazu sagen, dass die Entscheidung nachvollziehbar ist. Er hat eine große Chance in seiner Heimat Steiermark bei den Bergbahnen etwas zu bewegen, und die wollte er nutzen. Schade ist nur, dass es in einer Phase passiert ist, wo langsam die Rädchen im Sportbereich ineinander zu greifen begonnen haben

Wie geht es nun mit dem Spitzensport im ÖGV weiter?

Wittmann: Die Übergabe von Schwab an die verantwortlichen Nationaltrainer und im Verband für den Sport Zuständigen erfolgte höchst professionell und somit können wir die erarbeiteten Konzepte zumindest vorübergehend ohne Sportdirektor umsetzen. Wir haben die Kompetenzen auch schon zwischen Jonathan Mannie, Johannes Goess-Saurau und mir entsprechend aufgeteilt. Langfristig soll aber sehr wohl wieder ein Sportdirektor diese Agenden übernehmen. Wir wollen nur derzeit nichts überhasten.

Sie haben nun zwei Jahre Verbandsarbeit hinter sich – mehr Spaß oder vorwiegend Frust?

Wittmann: Es ist in Wahrheit wie in vielen anderen Bereichen des Lebens: Es gibt viel Licht, aber genau so viel Schatten. Ich wusste zwar, was da auf mich zukommt, in Wahrheit hatte ich aber gehofft, dass die Akzeptanz unserer Arbeit eine größere ist.

Wie darf man das verstehen?

Wittmann: Das ganze Team im Verband leistet hervorragende Arbeit, was draußen bei den Clubs über bleibt, ist aber meist das Negative. Uns fehlt es an einer aktiven Kommunikation in alle Richtungen, sowohl mit den Clubs, als auch mit den Medien außerhalb der Golfszene.

Was würden Sie diesen Medien erzählen?

Wittmann: Etwa, dass wir im ÖGV demnächst ein für Österreich einzigartiges sportmedizinisches Konzept implementieren. Eine Pressekonferenz dazu ist für April angesetzt. Oder auch, dass wir die Nationalkader verkleinert haben, das Budget für diesen Bereich aber das gleiche geblieben ist. Was auf den ersten Blick unpopulär scheint, ist in Wahrheit eine Konzentration der Kräfte. Und davon wird der Spitzensport bei uns auf Dauer gesehen profitieren. Zusätzlich dazu arbeitet der Verband seit heuer mit zwei Top-Sportmedizinern zusammen, die den Kaderspielern zur Verfügung stehen. (siehe Verbandsseite 78, Anm.). Ein weiterer wichtiger Punkt war die Anpassung der Altersgruppen im Nachwuchsbereich an internationale Standards sowie die Fitnessbetreuung innerhalb der Regionalkader, die standardisiert wurde. Und mit der Golf-HAK in Tamsweg haben wir einen zweiten Stützpunkt neben Stegersbach geschaffen, wo Golf und Schule kombiniert werden können.

Mit der MB Foundation startet Markus Brier ein ehrgeiziges Nachwuchsprojekt: Wie steht der ÖGV dazu?

Wittmann: Absolut positiv und wir werden die Aktivitäten in jedem Fall unterstützen. Wichtig dabei, ist die koordinierte Zusammenarbeit mit dem Verband. Aber da mache ich mir keine Sorgen, schließlich ist ¬Markus Brier ein echtes Vorbild und nach wie vor das inter¬nationale Aushängeschild.

Apropos international: Der Verband hat beschlossen 2008 auch aktiv die Playing-Professionals zu unterstützen. Warum?

Wittmann: Ich glaube, dass es wichtig ist, jenen Pros zu helfen, die Österreich im Ausland vertreten und so weltweit für Aufmerksamkeit sorgen. Wir unterstützen diese Burschen nur, solange sie im Amateurlager sind, dann werden sie ins kalte Wasser gestoßen. Nur mit erfolgreichen Playing-Pros schaffen wir es, Golf ins Rampenlicht zu rücken – und das hilft schlussendlich uns allen: Vom Golfclub über den Pro bis hin zu den Hotels.

Die Spitze ist also versorgt, wie schaut‘s mit der Breite aus und da speziell im Nachwuchsbereich?

Wittmann: Auch in diese Richtung sind wir höchst aktiv: Mit 40 Golfclubs arbeiten wir an einem Schulgolf-Konzept und denken auch eine Kooperation mit den Skihauptschulen an, um die dortige Infrastruktur für Golf zu nutzen.

Worauf sind Sie während der letzten zwei Jahre am meisten stolz?

Wittmann: Auf jeden Fall auf das Lob von Sportstaatssekretär Reinhard Lopatka, der den ÖGV als einen der bestgeführten Sportverbände in Österreich bezeichnet. Ausdrücklich hervorgehoben hat Lopatka die vorbildlichen Förderungs- und Ausbildungsmaßnahmen. Zudem hat die ¬Politik mittlerweile auch verstanden, welche wichtige Rolle Golf in Sachen Volksgesundheit spielt. Ich will das hier nicht überstrapazieren, aber Golf ist wohl die einzige Sportart, die bis ins hohe Alter betrieben werden kann und so auch im sozialen Bereich sein Scherflein zu einer gesunden Gesellschaft beiträgt.

Themenwechsel: Durch die Größe – der ÖGV hat 2007 das 100.000ste Mitglied gefeiert – ist der Verband ganz offensichtlich auch für internationale Unternehmen interessant geworden?

Wittmann: In jedem Fall. Neben unseren langjährigen Partnern, konnten wir 2008 mit TUI einen weiteren Global Player für eine Zusammenarbeit mit dem Verband gewinnen. Hier liegt aber in Summe noch Potenzial brach.   


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