140. British Open [0]

Brutale Bedingungen, mit Darren Clarke ein trotz aller Schicksalsschläge gefasster Überraschungssieger, ein glückloser Markus Brier und einmal mehr jede Menge Dramen: Das älteste Major der Welt – heuer in Royal St George’s an der ­englischen Südküste – zieht einmal mehr alle Register, berichtet Klaus Nadizar.

Das Schicksal schlägt zurück

Mit dem Claret Jug im Arm, emotional ausgeglichen, aber mit seinem typischen, schelmischen Grinsen auf den Lippen, wirft Darren Clarke bei seiner Dankesrede einen kurzen Blick gen Himmel und sagt in Anspielung auf seine 2006 verstorbene Frau Heather: „Da hat wohl von oben jemand zugeschaut, und ich weiß, sie wäre sehr stolz auf mich gewesen. Wahrscheinlich hätte sie gesagt: Ich wusste es immer, dass du das schaffst.“ Ende. Keine Tränen, nichts – der 42-Jährige zelebriert seinen ersten Major-Titel so cool wie den Sieg bei einem Monatsbecher. Darauf angesprochen, meint der Nordire bloß, er habe lange genug Zeit gehabt, sich auf diesem Moment vorzubereiten: Ein paar Textnachrichten am Handy von Tiger Woods am Vorabend der Finalrunde, der entspannte Spaziergang entlang der Tribünen am 18. Loch, mit vier Schlägen Vorsprung, und ein paar Gedanken an die turbulenten letzten Jahre, davor eine gemütliche Zigarette auf den Back-Nine – Darren Clarke ist an diesem Sonntag in St George’s in sich gefestigt und erlebt genüsslich mit, wie sich seine Konkurrenz tollpatschig wie junge Hunde selbst aus dem Rennen nimmt.

Allen voran „Leftie“ Phil Mickelson, der seine Linksgolf-Festplatte vor den Open rebootet – „Ich gehe hier ins Turnier, als hätte ich noch nie diese Art von Plätzen gespielt“ – und sich beim Griff nach dem Claret Jug die Finger verbrennt wie ein Kleinkind, das zum ersten Mal auf eine heiße Herdplatte greift: Vier Birdies und ein Eagle nach zehn Loch und voll im Flow schließt er, der mit fünf Schlägen Rückstand ins Finale gegangen war, zu Clarke auf, ehe ein unfassbares Blackout Mickelson um den Lohn seiner glorreichen Aufholjagd bringt: Am 11. Grün will der vierfache Major-Sieger einen kurzen Par-Putt zügig zu Ende spielen, anstatt den Ball zu markieren, und verschiebt aus einem Meter derart desaströs, dass das Momentum komplett verloren geht. Mickelson danach: „Das war ein verdammt dummer Fehler. Ich habe kurz den Fokus verloren, und das ist richtig bitter.“ Statt der möglichen 64er-Runde (– 6) und Major-Titel Nummer 5 taumelt Phil – sein typisches Grinsen auf den Lippen – die letzten acht Fairways wie der Zauberlehrling über St George’s, verschiebt Putts, die er sonst im Schlaf stopfen würde, und wird wieder einmal Zweiter.

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