Golf & the City: Madrid [0]

Ein Wochenende ist zu wenig, eine Woche könnte uns zu viel werden. Wer die spanische Hauptstadt intensiv erleben möchte, muss Kondition mit­bringen und nachts auf Eulen warten, weiß Klaus Nadizar.

aus Golfrevue 2/11

Es ist vier Uhr morgens, und wir stehen am Plaza Puerta del Sol. Nicht die beste Zeit, um auf eine Eule zu warten. Der Palacio de Gaviria, der schickste Nachtclub im Herzen der Stadt, pulsiert hinter uns munter vor sich hin. Aber es gibt kein Zurück mehr. Der Buho (die Eule), quasi der städtische Nachtbus, wartet auf uns. Er sammelt die Nachtschwärmer auf, die ein wenig Location-Hopping betreiben. Nach­hause fahren um diese Zeit nur Touristen. Also wir. Es geht zurück ins Hospes Madrid, ein schickes Boutique-Hotel am Parque del Buen Retiro nur eine U-Bahn-Station entfernt, theoretisch. Praktisch ist um 1.30 Uhr nachts aber Betriebsschluss, und der Buho muss seinen Dienst verrichten.

Die Wucht der Gegend. Rund um den Retamares Casino Club de Golf breitet sich eine vegetativ unspektakuläre Landschaft aus. Als Kontrastprogramm zum Grün des Golfplatzes wirkt das aber recht hübsch, finden wir. Der Club, nur 30 Kilometer von Madrid, glänzt neben seinem Design (Olazábal) mit schlauen Mitgliederprogrammen.

Trotz präseniler Discoflucht beginnen wir den nächsten Tag auf echt Madrilenisch: Zurück zur Puerta del Sol, wo wir in der Chocolatería San Ginés „Churros con Chocolate“ nehmen. Das ist schlicht ein länglicher Brandteigkrapfen, der gemeinsam mit einem Schokoladenkaffee daherkommt, aber speziell zu dieser Tageszeit eine echte Herausforderung an die Peristaltik darstellt. Ganz besonders, wenn der Kater auch noch mit von der Partie ist.

Ein Vorbild für den Golfsport in Österreich
Weil uns Tag 1 nach der Ankunft planmäßig am Nachmittag auf die Stadt-Driving-Range und Kurzplatzanlage von Green Canal Golf führt, ganze sechs U-Bahn-Stationen vom Zentrum entfernt, bleibt der Vormittag nach dem gelungenen Frühstück zum hoch komprimierten Sightseeing: Ausgangspunkt unserer Stippvisite ist die Kunstmeile Paseo del Prado (U-Bahn-Station Atocha), wo wir sicherheitshalber auch gleich den Zentralbahnhof mitnehmen, der eher einem riesigen Palmenhaus gleicht. Gut, dass man den Südbahnhof schon dem Erdboden gleichgemacht hat. Der Vergleich führte zu Fremdschämen. Aber in Spanien haben sie ja auch noch immer einen König. Und weil’s dann überall immer ein bisserl länger dauert als geplant, geht sich mu­seumsmäßig nur mehr ein Huscher durch das Museumsdreieck am Paseo del Prado aus. In Gehweite von wenigen Hundert Metern verdichten sich hier drei der wichtigsten Museen der Welt: Museo del Prado, Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía und Museo de Arte Thyssen-Bornemisza. Goya, El Greco, Picasso und Co, Schulter an Schulter. Plaza Mayor, der Königspalast und Las Ventas, die Stierkampfarena, müssen aber warten. Golf ruft!

Und ehe Sie mich einen Banausen rufen: Green Canal Golf ist eine Art Pilgerstätte für Golfer. Im Herzen der spanischen Hauptstadt eröffnet sich mit einer großen Range und einem Pitch-und-Putt-Kurs feinster Konvenienz genau das, was wir in Österreich auch bitter nötig hätten, wollten wir Golf auf breitere Beine stellen: Public Golf inmitten einer Metropole mit über drei Millionen Einwohnern, nimmt man den Großraum dazu, werden daraus sogar sechs. Am besten, wir packen ein paar heimische Meinungsbildner und ­Politiker ein und führen ihnen in Madrid vor Augen, wie einfach so ein Projekt zu realisieren wäre. Voraussetzung: Wollen!

Golf in und um die Stadt herum
Bevor ich allzu sehr polemisiere, zurück zum Kern­thema. Golf in Madrid. Quasi in einem Aufwasch wären entlang der A6 und M40 Richtung Nordnordwest drei feine Plätze (Campo Villa de Madrid, Real Club Puerta de Hierro), abzuarbeiten, wobei der „Neubau“ des Centro Nacional RFEG (kurz: Spanischer Golfverband) wohl die lohnendste Adresse für einen golferischen Zwischenstopp darstellt. Vor allem, weil auch diese Anlage öffentlich erreichbar ist und neben dem – noch jungen, flachen und vegetationsmäßig unbefleckten – 18-Loch-Platz eindrucksvoll beweist, wie Golf Stadt finden kann. Gut 45 Minuten außerhalb der Stadt, vorbei am Flughafen Richtung Nordosten, geht es zum Retamares Casino Club de Golf. Der Olazábal-Kurs kontrastiert mit dem satten Grün spektakulär das karge Umland und hat seine Reifeprüfung (LET Tour Event) bereits hinter sich. Ein nicht nur optisch spannender 18-Loch-Platz, Retamares lebt auch vor, was Nachwuchsförderung betrifft: Günstige Familienmitgliedschaften, kombiniert mit gestaffelten Greenfee-Preisen (Kinder bis zwölf spielen gratis, bis 16 zwischen einem und vier Euro! Pro Runde). Auch wieder so ein klassischer Fall von „Wir könnten uns was abschauen.“

Am letzten Tag nehmen wir auf dem Weg zum Flughafen noch Golf Olivar mit. Ein ­fescher Parkland-Kurs knappe fünf Minuten von Madrid-Barajas entfernt. Wahlweise, sollten die Tee-Times schon knapp werden, gibt’s quasi um die Ecke die beiden 18-Loch-Kurse von La Moraleja. Irgendetwas in uns sagt uns, wir sollten nochmals hierherkommen. Wir wollen schließlich noch viel lernen, und im Bernabeu-Stadion waren wir auch nicht …

Infos in Sachen Golf

1. Retamares Casino Club de Golf: Rund 30 Kilometer außerhalb des Zentrums breitet sich der weitläufig angelegte Kurs zwischen Ackerland aus. 4.000 Quadratmeter großes Clubhaus (18 Loch, Par 72, 5.114 bis 6.270 Meter, GF: 65/130 Euro).
www.golfretamares.com

2. GC Olivar de la Hinojosa: Schmaler, hügeliger und daher gefinkelter 18-Loch-Kurs inklusive 9-Loch-Pitch-&-Putt-Anlage. (27 Loch, 18-Loch-Kurs: Par 72, 5.183 bis 6.172 Meter, GF: 48 Euro).
www.golfolivar.com

3. Club de Campo Villa de Madrid: Traditionsclub, der 1929 gegründet wurde. Der Club (nicht nur Golf) ist mit über 200 Hektar einer der größten innerstädtischen Sportkomplexe Europas (36 Loch plus 9-Loch-Par-3-Kurs, beide Kurse Par 70, 5.886/6.011 Meter, Schwarzer Kurs /Gelber Kurs, GF: 65/120 Euro).
www.clubvillademadrid.com

…Restaurants

1. Sergi Arola Gastro (C / Zurbano 3). Gut & teuer – wer’s mag: 22 Sardinenvariationen vermag der gehypte Katalane Sergi Arosa im aktuell bestbewerteten Restaurant der Stadt zu kredenzen. Aber nicht nur. Menüs ab 140 Euro.
www.sergiarola.es

2. Chocolatería San Ginés (Pasadizo San Ginés 5): Wichtige Station im gemeinschaftlichen Munterwerden aller Madrilenen: Schoko & Churros sollen die Lebensgeister wieder wecken!

…Hotels

Hospes Madrid *****
1 NF im DZ „Dreamer’s“
April/Mai/Juni
128 Euro pro Person
Frühbucherprivileg: 10 Prozent Preisvorteil bei Buchung bis 30 Tage vor Abreise

Hotel Opera ****
1 NF/DZ
April/Mai/Juni
92 Euro pro Person

Hotel Tryp Washington ***
1 NF/DZ; April/Mai/Juni
66 Euro pro Person
Frühbucher sparen
10 Prozent bei Buchung
bis 45 Tage vor Ankunft

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