Golf & the City: Kopenhagen [0]
Hvad udad tabes, skal indad vindes“, übersetzt: Was wir an äußerer Größe verloren haben, müssen wir im Inneren zurück-
gewinnen. Mit diesem berühmten Aufruf – er findet sich auf seinem Denkmal im Museum wieder – motiviert der Staatsmann Enrico Dalgas sein Volk im Jahre 1866, nachdem der Einfluss des alten Dänemark endgültig verloren ist. Bis tief ins Baltikum hinein und nach Deutschland reichte die Macht der Skandinavier, ehe mit dem zweiten Dänischen Krieg Mitte des 19. Jahrhunderts etliches an Land und Einfluss verloren geht.
Die Dänen nehmen sich den Aufruf des Herrn Dalgas inbrünstig zu Herzen und bauen eine mustergültig moderne Gesellschaft auf: freigeistig – die ersten klassischen Sexfilmchen kommen aus Dänemark! – und wirtschaftlich erfolgreich zugleich, weltoffen und angereichert mit tollen sozialen Errungenschaften.
Wohlstand dank Wasser
Das Herz dieser Nation schlägt, seit Jahrhunderten, in Kopenhagen, der Lebenssaft ist das Wasser: kein Wunder, als einer von drei nautischen Knotenpunkten zwischen Ost- und Nordsee. Ebenfalls nachvollziehbar schlug die Stadt aus ihrer geopolitischen Lage ausreichend Kapital, was sich im adretten Stadtbild niederschlägt: Entlang der Kanäle und alten Hafenanlagen reihen sich Lagerhäuser mit gotischen Dimensionen, Handelskontore im Stil der Renaissance, barocke Paläste, klassizistische Verwaltungssitze und moderne Bürohäuser. Mit dem neuen Schauspielhaus und der Oper wurde diese Architekturparade im vergangenen Jahrzehnt um zwei weitere herausragende Stücke erweitert.
„Unser Gestaltungswille reicht zurück bis zu den Wikingern. Die haben als Seefahrer damit begonnen, sich mit Formen und Typen zu beschäftigen“, erklärt mir Erik, ein pensionierter Architekt, der nun als Tennislehrer jobbt, als ich fassungslos vor dem Gebäude der Nationalbank stehe, und er erzählt weiter: „Ein ganzer Block von Gründerzeithäusern wurde damals schonungslos geschliffen, um Platz zu machen für Arne Jacobsen, einen der Stardesigner der Moderne.“ Waren es in den vergangenen Epochen Kapitäne und Matrosen, die die Stadt inspirierten, sind es in der jüngeren Geschichte der Stadt die Hippies & Yuppies: 1971 besetzten Hippies im Bezirk Christianshavn verlassene Wallanlagen mitten in der Stadt, erklärten das Gebiet als
exterritorial und führen dort bis heute ein relativ unbehelligtes Dasein. Im aufgelassenen Marinehafen dagegen bevölkern Jungunternehmer die Lofts der alten Lagerhallen. Passend also, dass wir uns mit Morten Backhausen, dem Direktor der Dansk Golf Union, am Nyhavn, einem Kanal, der bis weit in die Innenstadt reicht, verabredet haben.
Neben seinen golferischen Geheimtipps erhoffen wir uns ein wenig Einblick in das dänische Golfwunder: Thomas Björn, Anders & Sören Hansen, Sören Kjeldsen – allesamt g’standene European-Tour-Pros mit zahlreichen Siegen am Buckel, die wir uns für Österreich auch wünschen würden. Auch Backhausen kann mithalten, als Europameister von 1993, und verrät uns zunächst eine recht imposante Zahl: „In Dänemark golfen rund 150.000 Menschen auf über 150 Golfplätzen.“ Bei knapp über 5 Millionen Einwohnern eine deutlich bessere Quote als bei uns. Auch der Zugang in Summe ist ein ganz anderer: „Wir spannen keine Stars vor den Karren, um mit Jubelmeldungen Golf zu forcieren, sondern bemühen uns, die richtige Atmosphäre in den Clubs zu schaffen. Das erreichen wir über die zentrale Ausbildung der PGA-Pros. Die Trainer lernen, ihren Unterricht abwechslungsreich zu gestalten, und dürfen sich nicht nur auf die Vermittlung von technischem Wissen konzentrieren. In den Clubs soll ein gesunder sportlicher Wetteifer herrschen, der den Kindern Spaß macht und so ein gesundes Clubleben und einen entsprechend gesunden Ehrgeiz fördert.“
Der Erfolg gibt den Dänen jedenfalls Recht. Retour zum Thema unseres Besuchs, lieber Morten! „Rund um Kopenhagen findest du rund 30 Plätze, die besten davon liegen Richtung Norden. Mit dem Københavns Golf Klub und dem Rungsted Golf Klub sind zwei der ältesten und nach wie vor besten Plätze des Landes in etwa 20 Minuten zu erreichen“, erklärt Backhausen. „Ein wenig weiter nördlich liegen der Simon’s GC und der Helsingør GC, beides Austragungsorte von Profiturnieren.“ Danke für die Tipps!
Smørrebrød & Velo-City
Zurück zur Stadt, die wir vom pittoresken Nyhavn aus am besten mit dem Fahrrad entdecken. Abgesetzt zwischen Gehsteig und Fahrbahn, bildet das dicht gewobene Wegnetz eine eigene Verkehrsebene.
Wenige Häuserblocks abseits des ehemals verruchten Hafenviertels findet sich der Amalienborg-Palast, Sitz der dänischen Königin Margrethe II., die die Dänen vielleicht genauso lieben wie sie selbst ihre Zigaretten. Über das grandiose Museum für Kunst und Design erreichen wir das Kastellet, eine mächtige und gut erhaltene Festung, wo auch die berühmte, zierlich wirkende Meerjungfrau, das Wahrzeichen der dänischen Hauptstadt, im Øresund sitzt. Am nahen Pier, wo die königliche Yacht ankert, befindet sich der Hauptsitz von Maersk, jener dänischen Spedition, die heute – vielleicht mächtiger denn je – Dänemarks Stolz um die ganze Welt transportiert. Um wieder zurück in die Altstadt zu gelangen, besteigen wir einen der regelmäßig verkehrenden Hafenbusse – in diesem Fall verkehren sie am Wasser! – und lassen uns mit bester Aussicht auf die Schönheiten der Stadt bis ins Regierungsviertel schippern. Das anschließende Shoppen am Strøget, Kopenhagens mondäner Einkaufsstraße, macht müde und hungrig. Abhilfe schafft der wohl berühmteste Exportartikel, bekannt aus Film und Fernsehen: das Smørrebrød. Ich spaziere vom Strøget die Store Kongensgade hinauf, um mir bei Ida Davidsen aus der zwei Meter langen Speisekarte einen „Michael Laudrup“ zu gönnen. Schließlich sind die Dänen uns auch im Fußball überlegen.
Mit Morten in Kopenhagen
Als Pflichtbesuch nennt Morten Backhausen den Nyhavn, wo wir uns zum Interview treffen (siehe Artikel). Die bunten Fassaden am alten Kanal, der bis weit in die Innenstadt reicht, sind dänische Ikonen. Hier reiht sich ein Restaurant neben das andere. Im vergangenen Jahr wurden in Kopenhagen insgesamt 13 Michelin-Sterne vergeben, womit die Stadt unter echten Feinspitzen zu den europäischen Hotspots zählt.
Morten mag es eher bodenständig und empfiehlt uns die „Fiskebaren“, ein junges Lokal in dem sich alles um Fische, Meeresfrüchte und guten Wein dreht. Außerdem dürfe beim Kurzbesuch ein Abstecher in den Tivoli, Kopenhagens legendären Vergnügungspark, nicht fehlen.
Als Direktor des dänischen Golfverbandes tut sich Morten schwer, seine persönlichen Favoriten unter den Golfplätzen nahe Kopenhagen preiszugeben. Mit gutem Gewissen jedoch verweist er auf Kurse, wo regelmäßig Meisterschaften und internationale Profiturniere ausgetragen werden.
Infos in Sachen Golf
Københavns Golf Klub Der Traditionsclub im Heideland nahe der Küste; nach der Renovierung der Grüns und des Clubhauses tadellos in Schuss. www.kgkgolf.dk
Rungsted Golf Klub Der traditionsreiche Platz direkt an der Stadtbahn (1936 von C. A. Mackenzie) wird auch Augusta des Nordens genannt. www.rungstedgolfklub.dk
Simon’s Golf Club 2003 Gastgeber des ersten und bisher einzigen ET-Turniers in Dänemark, der Nordic Open. Das Rough gilt als gefährlichstes Hindernis, zwei spektakuläre Par 5 bilden die Abschlusslöcher. www.simonsgolf.dk
Helsingør Golf Club Austragungsort der Nykredit Masters im Rahmen der LET mit klassischem Parkland-Routing. Ein Ausflug zum nahen Hamlet-Schloss „Kronborg“ bietet sich an. www.helsingorgolf.dk
Ledreborg Palace Golf Umstrittener Designerkurs aus der Feder von Sir Nick Faldo im riesigen Landschaftspark des imperialen Rokokoschlosses. Sehenswert! www.ledreborgpalacegolf.com
… Dänemark allgemein
Die Golfsaison in Dänemark reicht von April bis Oktober. Das Klima nahe dem Meer lässt kaum Temperaturextreme zu. Selbst im Hochsommer bleibt es angenehm frisch.
Die Währung in Dänemark ist die dänische Krone;
für 10 Euro bekommt man rund 75 dänische Kronen;
100 dänische Kronen sind rund 13,50 Euro wert.
Beim Aufenthalt in Kopenhagen empfiehlt sich der Erwerb der „Copenhagen Card“. Damit öffnet sich Tür und Tor für alle öffentlichen Verkehrsmittel sowie für die Museen der Stadt. Empfehlung: Museum für Kunst und Design und das Marinemuseum – hervorragende Ausstellungsarchitektur ist in Kopenhagen selbstverständlich.
… in Sachen Wohnen
Als tolle Unterkunft hat sich das „71 Nyhavn“ herausgestellt. Der umgebaute Gewürzspeicher, dessen Strukturen in ein komfortables Hotel umgebaut wurden, liegt verkehrsgünstig an der Einfahrt zum Nyhavn, dem ikonenhaften Zentrum der Stadt. In unmittelbarer Nachbarschaft liegen das neue Schauspielhaus sowie eine Anlegestelle der Hafenbusse. Zum Kongens Nytorv mit der U-Bahn-Station sowie zum Amalienborg-Palast ist es nur ein kurzer Fußweg. www.71nyhavnhotel.com
… Hin & zurück
NIKI fliegt sechsmal wöchentlich direkt nach Kopenhagen – unter der Woche um 17.50 Uhr, am Sonntag um 13 Uhr. Die Flugzeit nach Kopenhagen beträgt 1 Stunde und 35 Minuten. Zurück nach Wien kommen Sie wochentags um 20.25 Uhr und um 15.20 Uhr am Sonntag. Mehr Infos & Buchungen gibt es unter www.flyniki.com
Nähere Infos siehe airtours-Katalog „Erlebnis Städte Sommer 2010“, unter www.tui.at/golf oder in Ihrem Reisebüro.
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