Golf & the City: Côte d´Azur [0]

Man gibt sich gerne dem Savoir-vivre hin, freut sich über das fiskusbefreite Stadtleben in Monte Carlo, genießt den Auflauf der Filmstars in Cannes & St. Tropez, und ganz nebenbei gehen die Golfrunden auch prächtig locker von der Hand.

Mein erster Trip an die Côte d’Azur führte mich nach Mougins, hoch über Cannes. Dort, wo die Schönen, aber mehr noch die Reichen zuhause sind und hohe Bäume die Anwesen verstecken. Wer den Beweis braucht, lässt es sich einen Abend lang im superschicken Restaurant Moulin de Mougins gut gehen – allenfalls  ist danach ein Kleinkredit nötig. Auch die beiden Golfclubs in Mougins – Royal Mougins und der Country Club Cannes-Mougins – sind gefällige Ziele, passen sich jedoch dem allgemeinen Preisniveau der Gegend an. Und wie alles andere sind auch sie nicht billiger geworden, wie ich bei der zweiten Stippvisite erfahren durfte.

Cannes-Mougins zählt nach wie vor zu den ganz großen Klassikern der Gegend, wird von einem Naturschutzgebiet ummantelt und bietet so ein perfektes Refugium für die Klientel, die gerne unter sich und in wattebauschiger Ruhe ihre Golfrunden absolviert. Früher, als noch die Tour Station machte, war es ein wenig „laut“ geworden im Club, dessen 18 Loch eine Architektur-Kooperation von Dave Thomson und Peter Aliss sind. Dass heuer die Seniors-Tour zu Besuch ist (22. bis 24. September), ist irgendwie eine logische Konsequenz: Die gesetzten Herren der Tour und das Publikum im Club passen einfach besser zusammen als die deutlich quirligeren Youngsters, die auf der großen Tour aufgeigen.

Zug fährt ab. Keine fünf Autominuten weiter und nicht minder mondän, aber eine Spur moderner: Royal Mougins. Das gesamte Geläuf zwickt ein wenig unter der Achsel, Robert van Hagge hat aber viel Golfkurs aus dem wenigen zur Verfügung stehenden Platz gemacht, den sogar die Eisenbahn quert. Diese ist auch der Anker auf der Suche nach dem Platz, der sich ein wenig versteckt. Gerade so, als wolle man nicht gefunden werden. Auch das Greenfee scheint ein wenig prohibitiv: Mit 200 Euro am Wochenende und 175 Euro wochentags sind die Preise regionsadäquat. Es zahlt sich aber trotzdem aus, weil van Hagge einige spektakuläre Spielbahnen gelungen sind. Etwa das zweite Loch, ein hantiges, 180 Meter langes Downhill-Par-3 mit Wasser vor dem Grün – wer selbiges verfehlt, darf im besten Fall ein Bogey aufnotieren. Wie überhaupt Wasser recht massiv auftritt auf dem von den Schienen in zwei mundgerechte Portionen geteilten Kurs.

Der aktuelle Knüller in der Region, wenngleich ein paar Kilometer im Hinterland gelegen, ist Terre Blanche mit dem Four Seasons Hotel direkt auf der Anlage und zwei prächtigen Parkland-Kursen. Beide – der Le Riou und der Le Château – schlängeln sich durch üppige Vegetation und punkten mit prächtigen Ausblicken ins Hinterland der Côte d’Azur. Auf dem Papier sind die Greenfee-Preise in ähnlichen Sphären angesiedelt wie in Mougins, Hotel-Packages helfen aber, den Preis in erträgliche Regionen downzusizen. Für ein feines, exklusives Wochenende ist Terre Blanche jedenfalls ein lohnendes Ziel.

Und wenn wir schon mal in der Abteilung Luxus zuhause sind, darf auch Monaco nicht fehlen: Der fürstentumeigene Golfclub, Monte Carlo GC, liegt zehn Kilometer nördlich von Monaco hoch in den Bergen auf dem Mont Agel. Die rund 900 Meter über dem Meeresspiegel liegende Anlage serviert uns atemberaubende Ausblicke über das Mittelmeer und auf das Fürstentum. Aber Vorsicht: Zu viel Staunen lenkt von den tricky – weil hügelig und eng – Fairways ab, beruhigen kann man sich nach der Runde auf der schicken Clubhausterrasse. Auch hier war übrigens die European und die Seniors Tour schon zu Gast, was in jedem Fall als Gütesiegel für die Qualität des Platzes gelten darf. Und der exklusiven Mitgliederschar muss man schließlich auch was bieten.

Am Ende zum Anfang zurück. Wie man es auch dreht und wendet: Es geht, sobald man Frankreich im Allgemeinen und die Côte d’Azur im Speziellen bereist, um Essen und Genießen. Die kleinen Bistros in den schnuckeligen Fischerdörfern – da muss man sich durchtesten! –, die Michelin-Stern-dekorierten Gourmettempel mit ihren stilsicheren Auftritten, die famosen Weine, das mollige Olivenöl – das alles wird unter dem schlichten Begriff „Savoir-vivre“ zur Lebensphilosophie erhoben. Und damit Sie diese ganz speziellen Plätze umwegfrei finden, hat uns Helga Piage (siehe Kasten rechts) – sie lebt an der Côte d’Azur in Monaco – ihre absoluten Favorites verraten, deren Besuch allemal lohnt.

Und dass die Franzosen so wunderbar unangestrengt unfreundlich sind, ist eine Mär. Sofern man sich bemüht, ein wenig in der Landessprache Fuß zu fassen, blühen sie allesamt auf, und man wird schnell zum Teil des „Vie en rose“ an der Côte d’Azur. Und damit wir auch noch unseren Bildungsauftrag erfüllen: Den Namen „Côte d’Azur“ trägt die französische Riviera erst seit 1887. Damals nämlich veröffentlichte der Dichter Stéphen Liégeard ein Buch mit dem Titel „Die azurblaue Küste“, auf Französisch natürlich.

 

 

 

 

 

Helga Piagets Tipps

… in Sachen Golf

1. Golf de Taulane: Gary-Player-Kurs inmitten eines 340 Hektar großen Pinienwaldes mit einem Schloss
aus dem 18. Jahrhundert als Clubhaus. Sobald Sie das Schloss betreten, vergessen Sie die Welt um sich herum!
(18 Loch, Par 72, 4.866 bis 6.240 Meter, GF: 70/85 Euro)
www.chateau-taulane.com

2. Golf Cuntry Club de Cannes-Mougins: Leicht hügeliger Platz mit etlichen Wasserhindernissen und einem Fluss. Idyllisches Clubhaus, in dem früher Öl gepresst wurde. Vom Restaurant blicken Sie durch eine große Fensterfront auf das Fairway. (18 Loch, Par 72, 5.353 bis 6.312 Meter, GF: 150 Euro) www.golf-cote-azur.com

3. Monte Carlo Golfclub: Hügeliger und enger Kurs nördlich von Monaco hoch in den Bergen auf dem Mont Agel, 900 Meter über dem Meeresspiegel. Toller Ausblick über das Mittelmeer und auf das Fürstentum. (18 Loch , Par 71, 4.938 bis 5.683 Meter, GF: 90/100 Euro)
www.frenchriviera-tourism.com

 

… und Restaurants

1. La Piazza (Monaco, 9 Rue du Portier): Gemütliches italienisches Restaurant mit Terrasse in der Nähe der Strände. Gute und preisgünstige Küche.
Tel.: +377 93504700

2. La Chèvre d’Or (Èze Village): 15 Minuten von Monaco in einem Felsennest mit atemberaubendem Blick auf das Mittelmeer. Der Sonnenuntergang ist genauso göttlich wie die Speisekarte!! Es ist auch ein Hotel.
www.chevredor.com

3. Louis VI (Monaco, Hotel de Paris): Nur für ganz besondere Feinschmecker mit viel Zeit geeignet. Der Chef Alain Ducasse kredenzt ein 10-gängiges Menü, begleitet von ausgesuchten Weinen!
www.hoteldeparismontecarlo.com

 

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