Golf & the City: Marbella [0]

Zuerst kam Kashoggi und der Rest der Hautevolee, dann der Ryder Cup. Und in dessen Schlepptau ein kleiner Preistsunami, der die Golfer von der Golfküste wegspülte. Jetzt ist alles wieder gut, weiß Klaus Nadizar.

Wir sitzen im schicken Yachthafen von Puerto Banus, nippen am Cava und vergehen uns an g’schmackigen Tapas. Hinter uns die Sinatra Bar, eine Legende, vor uns, Kiel an Kiel, ein Luxusliner neben dem anderen. Da hat sich nichts geändert in den letzten 20 Jahren, das war hier immer schon so. Und doch ist heute alles anders. Der Küstenstrich, der sich früh einen Namen als „Costa del Golf“ gemacht hat, kam zwischendurch gehörig ins Schleudern, weil aus der Mode. Bausünden und überteuerte Preise einerseits, billige Konkurrenz mit ähnlich guter Wettergarantie andererseits setzten den scheinbar saturierten und daher ein wenig am hohen Ross sitzenden Spaniern mächtig zu. Heute, nach einer kurzen Nachdenkpause, ist man wieder bereit für all das, was uns an Spanien so Spaß macht, ohne uns für einen gediegenen Golfurlaub gleich das Weiße aus den Augen zu nehmen.

Per Direktflug mit NIKI steuert man Málaga an, in weiteren knapp 40 Minuten erreicht man Marbella, wo die Auswahl an Golfplätzen und -hotels reichhaltig ist wie eh und je, ebenso die Artenvielfalt der Restaurants. Wir haben uns einen der besten „Tourist Guides“ der Gegend genommen, um ihr ein paar „Geheimnisse“ zu entlocken, wiewohl es nicht mehr allzu viele gibt: Bettina Leitgeb-Steigenberger lebt seit mehr als einem Jahrzehnt in Marbella, kennt jede noch so verborgene Gasse und jede noch so versteckte Tapas-Bar. „Ich schätze das Klima, habe 50 Golfplätze innerhalb einer Autostunde, das Essen und der Wein sind fantastisch, und man muss nicht top aufgebrezelt zum Abendessen erscheinen. Die Spanier sind einfach lässige, relaxte Leute“, macht die Unternehmerin in einem Satz alles klar, was für Marbella spricht.

Keine Qual, aber viel (Aus)wahl. Fragt man Bettina Leitgeb-Steigenberger nach den Rosinen im Golfkuchen von Marbella, bringt sie als ersten Platz den Marbella Club ins Spiel: „Abwechslungsreicher und anspruchsvoller Platz, wunderschön gelegen mit immer wieder tollen Ausblicken aufs Meer. Außerdem ist er weniger frequentiert als andere in der Gegend, was schnelle Runden garantiert. Ebenfalls ein Pluspunkt: das extrem freundliche Personal und das Restaurant mit prachtvoller Terrasse. Es ist einfach traumhaft, dort den Tag ausklingen zu lassen.“ Zudem ist der Club Teil eines, sagen wir historischen, Gesamtkunstwerks, das mit Prinz Alfonso von Hohenlohe in den 1940er-Jahren seinen Anfang genommen hat. Von 1946 an, als Hohenlohe die Finca Santa Margarita kaufte und sie als Familiensitz etablierte, wuchs sich das Ganze bis heute zu einem der schicksten Hotels & Clubs direkt am Meer aus. Heute stehen Gästen neben den „normalen“ Hotelzimmern noch 37 Suiten und 14 schicke Villen für einen entspannten (Golf-)Urlaub zur Verfügung. Im Windschatten des Pioniers hat sich Schritt für Schritt die Hautevolee an die Costa del Sol verfügt, parkte ihre Yachten & Privatjets gerne an der Mittelmeerküste, und mit den Ansprüchen der oberen Zehntausend wuchs auch das Thema „Golf“ mit.

Heute verwöhnen uns Kurse wie Valderrama, Sotogrande – zwei Klassiker der Region –, aber auch Kleinode wie La Reserva, von dem auch Leitgeb-Steigenberger begeistert ist: „Fantastische Ausblicke, unter anderen hinüber zum großen Bruder Valderrama, wenngleich mit nicht ganz so schickem Clubhaus.“ Aber auch einer der „Neulinge“ hat sich rasch ins Herz der Unternehmerin gespielt: Finca Cortesin. „Hier stimmt neben dem Platz-Design auch alles andere. Man kann hier toll wohnen, und der Service ist genial: Man wird auf der Runde mit Wasser und frischem Obst verköstigt – nicht nur deshalb kommt man gerne wieder.“ Die Liste ließe sich noch beliebig verlängern, sodass einem zweimonatigen Golfurlaub nichts – außer das Geld und die Zeit – im Wege stünde: Aloha Golf, Sotogrande, San Roque. Und das Schöne daran: Jeder kann nach seinem (Golf-)Geschmack glücklich werden.

Essen, trinken, shoppen. Keine Frage: Ein Golfurlaub in Spanien ist immer ein Gesamtkunstwerk, und spricht in erster Linie den Hedonisten in uns an. So auch Leitgeb-Steigenberger, die immer wieder auf „Entdeckungsreise“ geht. Vor kurzem hat sie das „La Casita“ aufgestöbert, eine einst unvorteilhaft eingerichtete Kneipe, die sich in der Hand eines Kärntners (!) zu einem Kleinod entwickelt hat. „Das ist aktuell noch ein bisschen ein Geheimtipp, und mein Favorit sind die Gambas Pil Pil“, lächelt die begeisterte Golferin, der es auch die tollen Einrichtungshäuser – Zara Home oder Pedro Peña – und der Rastro, der samstägliche Flohmarkt, angetan haben. „Man ist in nicht einmal drei Flugstunden in einer anderen Welt“, bricht Leitgeb-Steigenberger für ihre Wahlheimat die Lanze. Dann stoßen wir noch einmal an und reservieren bei Jürgen im „La Casita“ unseren Tisch. Nicht vor 22 Uhr natürlich …

 

Bettina Leitgebs Tipps … in Sachen Wohnen

Kempinski Hotel Bahia Marbella Estepona *****
Stilvolles Ambiente für höchste Ansprüche. Die Ausstattung ist vollendet luxuriös, und die Wege zu Restaurants und Stores sind kurz: Der angesagte „Puro Beach Club“ findet sich nur fünf Minuten entfernt, der schicke Yachthafen Puerto Banus ist quasi um die Ecke! Angebote ab 647 €, www.tui.at

… in Sachen Golf

1. Marbella Club: Robert-Trent-Jones-Kurs mit teils spektakulären Ausblicken (und ebensolchen Spielbahnen). 70 € inklusive E-Cart sind wohlfeil! 18 Loch, Par 72, 4.739 bis 5.867 Meter. www.marbellagolf.com

2. Finca Cortesin: Schwieriger Kurs mit über 100 Bunkern und hantigen knapp 7.000 Metern von den Back-Tees (die kann man aber gerne auslassen!). Top-Service, der mit 135 € jeden Cent Wert ist. 18 Loch, Par 72, 4.852 bis 6.802 Meter. www.fincacortesin.com

3. La Reserva: Extrem lässiger Platz, preislich mit
160 € aber in der Relation zum Überangebot in der Gegend schon an der Schmerzgrenze. 18 Loch, Par 72, 5.104 bis 6.721 Meter. www.sotogrande.com

… und Restaurants

1. Finca Besaya (Urbanización Rodeo Alto): Lässige Bar für vor- und nachher. Mächtige Steaks in der Größe einer Elefantenferse – und auch ausgezeichnet. www.fincabesaya.com

2. Skina (C/Aduar, 12): Haubenverdächtig, aber auch entsprechend teuer. Genialer Weinschrank, der fast größer ist als das Lokal, das nur vier Tische hat. www.restauranteskina.com

3. Bar California (C/A Málaga, local 8): Fisch, Fisch und nochmals Fisch – das Lokal ist superhässlich, aber man geht zum Essen und nicht zum Schauen hin. Keine Reservierungen möglich!

 

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