Golf & the City: Valencia [0]
Zum Zungenschnalzen unter Golffans reicht ein Name: El Saler, und schon sind wir in Valencia angekommen. Wiewohl die Stadt ein wenig im Schatten steht, vergleicht man sie mit Destinationen wie Palma, Málaga oder Barcelona, die sich im Laufe der Zeit einen Namen in der reisenden Golf-Community gemacht haben. Aber weil wir gerade dabei sind und weil’s zum Schnalzen passt: Auch die Gourmets unter den GolferInnen kommen in Valencia auf ihre Rechnung, wurde doch die Paella hier erfunden. Angeblich. Hört man auf die Einheimischen, sollte man diese aber jedenfalls tagsüber genießen und am besten in einem der unzähligen Restaurants am Paseo Maritimo, also an der Hafenpromenade, die man idealerweise per U-Bahn und die letzten paar Stationen per Bim erreicht. De facto liegen die netten, wenn auch etwas vertouristizierten Restaurants Schulter an Schulter am prächtigen Sandstrand, etwa im La Pepica (www.lapepica.com). Wer Reis nicht, aber Paella trotzdem mag, schwenkt zur nicht minder attraktiven Fideuà, der Pasta-Variante dieser höchst traditionellen Speise, die übrigens äußert selten für nur eine Person serviert wird.
Und weil wir gerade so prächtig das schöne Leben genießen: Auch die Innenstadt bietet ausreichend Abwechslung für jedweden Müßiggang: Etwa auf der Plaza de la Reina, also dem Platz der Königin, wo man gemütlich einen lauen Nachmittag bei Tapas und Agua de Valencia durchbringt, ohne dabei Zeit fürs Shoppen zu verlieren. Die meisten Geschäfte haben nämlich bis 21 Uhr geöffnet, so auch jene in der Fußgängerzone von Don Juan de Austria, die wir zur größten Zufriedenheit ausgekundschaftet haben. Falls der Name der FuZo verwundert: Wir Österreicher haben eine enge historische Verbindung zur Stadt aufgebaut, anno dazumal, im spanischen Erbfolgekrieg, währenddessen sich Valencia als Freund von Karl von Österreich outete. Das Pech: Die Habsburger bekamen von den Bourbonen eine auf die Schnauze, der Thron war weg, und Valencia verlor als Stadt alle Privilegien. Zurück in die Gegenwart: In der erwähnten Fußgängerzone gibt’s jedenfalls feinstes Schuhwerk (für jede Brieftasche, keine Sorge!) und im Shoppingcenter „Galería Comercial Don Juan de Austria“ sowieso fast alles. Ein kleiner Nachtrag für Souvenirjäger: Die sind in den kleinen Gassen, die von der Plaza de la Reina wegführen, bestens aufgehoben.
Golf, danach Erdmandelmilch. Nachdem also ein entspannter Nachmittag sich nicht vermeiden lässt, sind frühe Tee-Times in dieser Gegend besonders wertvoll und dank des noch etwas in der Geheimtipp-Nische verharrenden Valencia auch zu bekommen. Ebenfalls unvermeidlich: El Saler, der Klassiker in der Linksgolf-Szene Spaniens, eigentlich Europas. Der über 40 Jahre alte Kurs inmitten des nicht minder berühmten Naherholungsgebietes La Albufera wurde nicht zu Unrecht zigfach in den Top-10-Listen aller möglichen Golfjournale dieser Welt geführt. Und um rund 100 Euro (je nach Saison, wer im angeschlossenen Parador wohnt, zahlt nur die Hälfte) ist dieses Vergnügen – und das ist es in jedem Fall – ein wohlfeiles. Es könnte allerdings deutlich teurer werden, lässt man im Auto Wertgegenstände zurück, trotz des bewachten Parkplatzes vor dem Hotel. Mein Van wurde hier vor einigen Jahren artgerecht ausgeweidet, während mir der Wind am Kurs von El Saler die Bälle um die Ohren haute. Den schulterzuckenden Parkwächter samt Unschuldsmiene werde ich nie vergessen. Späte Rache für das Debakel im Erbfolgekrieg? Egal: Wer schlau genug ist, nichts im Auto zurückzulassen, wird den Kurs, und dabei speziell die Back-nine, in vollen Zügen genießen – Score hin oder her. Danach: Horchata, Erdmandelmilch. Gut gegen das Agua de Valencia vom Vortag und zudem ausgesprochen erfrischend.
Wahlweise. Mit El Bosque, westlich, und Escorpión, nördlich von Valencia, sorgen zwei weitere tolle Kurse im direkten Umfeld der Stadt für Zerstreuung: Ersterer ist dank seines Trent-Jones-Designs zweifelsfrei der bessere der zwei und ein absolutes Kontrastprogramm zu El Saler. Zart kupiertes Parkland-Golf mit knapp 100 Bunkern und beinahe immer leicht erhöhten Greens steht an. Die gut ausgeputzten Bäume geben aber mehr Bälle wieder zurück als die zahlreich eingewobenen Wasserhindernisse. Ebenfalls eher auf der Parkland-Seite unterwegs, wenngleich deutlich offener, geben sich die 27 Loch von Escorpión. Weil sich aber auch einige interessante jüngere Kurse anbieten, kann man 50 Minuten Anreise durchaus in Kauf nehmen und sich weiter nach Norden (Club de Golf Mediterráneo) oder Süden (Golf Oliva Nova) strecken. Wichtig ist nur, dass der Nachmittag wieder der Stadt gehört. Viva la paella!
Infos in Sachen Golf
1. El Saler: Traditionsreicher und spektakulärer Linkskurs (18 Loch, Par 72, 6.355 Meter, Greenfee ab 50 Euro) mit angeschlossenem Hotel. Wer diesen auslässt, ist selber schuld. Infos zum Club im Web über den Umweg der Paradores-Site www.paradores.es
2. Golf El Bosque: Gelungener Robert-Trent-Jones-Kurs (18 Loch, Par 72, 6.365 Meter) im Westen der Stadt. Parkland-Style mit dennoch angenehm breiten Spielbahnen, aber rund 100 Bunkern! Greenfee: 85 Euro. www.elbosquegolf.com
3. Golf Escorpión: Recht offener 27-Loch-Kurs (La Masía, Los Lagos, Los Nuevos, Greenfee 18 Loch: 75 Euro), von denen neun Spielbahnen vor gut zehn Jahren nachgereicht wurden. www.clubescorpion.com
… und Restaurants
1. Bar San Jaume: Stilvolle Bar in ehemaliger Apotheke. Valencia, c/Caballeros, Plaza San Jaume. www.calpep.com
2. Restaurant Vertical: Im 9. Stock des Hotel Confortel, Michelin-Stern & toller Blick über die Stadt. Valencia, c/Luis García Berlanga, 19–21. www.restaurantevertical.com
3. Arribar: Mediterrane Küche im Hafen, der eigens für den America’s Cup gebaut wurde. Port America’s Cup. www.arribar.es
… und Shopping
Calle Colón & Don Juan de Austria: Fußgängerzone mit feiner Auswahl an Schuhen; Calle Jorge Juan: ebenfalls eine Schuhparadies, plus Taschen & Accessoires; Luxus
findet man in der Calle del Poeta Querol.
… in Sachen Wohnen
Wie aus unseren vorangegangenen Trips gut gelernt, ist ein Hotel in Zentrumsnähe immer eine gute Wahl, wobei man ein wenig jonglieren kann: Wer sich gerne eine Brise Meeresluft gönnt (gesund für den Teint!), wirft sich an den Strand und checkt im Hotel Playa Arenas ein (www.hotel-lasarenas.com). Wir haben die Innenstadt gewählt und sind im NH Central (www.nh-hoteles.es) abgestiegen, wo man schon ab 59 Euro logieren kann. Ideale Packages finden Sie auf der Internetsite von TUI.
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