Golf & the City: Stockholm [1]
Golfurlaub, auch wenn er einem Städtetrip zugrunde liegt, findet hauptsächlich vertikal Richtung Süden statt. Warum? Es impliziert Wärme und tolle Golfplätze, was in gleichen Maßen übrigens für Schwedens Hauptstadt Stockholm zutrifft. Vorausgesetzt, man fliegt zwischen Mai und September. Womit wir mitten in einer höchst persönlichen Empfehlung landen: Stockholm ist genial, Ikeafeeling, wohin man schaut. Einzig, dass sich die Skandinavier gegen den Euro wehren, nervt zuweilen, und dass man des Schwedischen nicht Herr wird. Immerhin: Ganz Schweden spricht Englisch, weil Filme im Original mit schwedischen Untertiteln gezeigt werden. Vielleicht ein Ansatz für die neue Bildungsministerin. Gebühren legen wir für den ORF ohnedies ausreichend ab. Kurze Themenverfehlung, zurück in den Mittsommer und in ein Viertel namens Sture plan, das das mondäne Stockholm markiert: Coole Bars wie die legendäre Spy Bar, ein riesiges, auf Disco umfunktioniertes Apartment, Sturehof, und das nächtliche Epizentrum der skandinavischen Metropole, das Café Opera, locken die Jungen, Reichen & Schönen an. Um sich der Diktion dieser Generation zu bedienen: Hier geht vor allem während der Sommermonate die Post ab.
Mittendrin: das Riche, eine Bar, ein chilliges und ein Top-Restaurant, je nachdem, welchen Eingang man wählt. Für Freunde des Hauses – Boss ist Anders, ein begnadeter Golfer & kraft seines Lokals auch ein Celebrity – gibt’s die Abkürzung durch die Küche, hat man sich nach ein, zwei Bierchen dazu durchgerungen, aus der Bar ins Edelrestaurant „Teatergrillen“ zu wechseln. Garniert wird der Distrikt, der wie überhaupt das gesamte Zentrum entspannt per pedes zu erkunden ist, von modernen Shopping Malls. Was auffällt: Während wir in unseren Breiten uns mit durchkopierten Produkten von H & M und Ikea zufrieden geben müssen, blühen in Schweden Labels, die den jungen, modernen Zugang der Stadt widerspiegeln, und die besseren Ikeas gibt es de facto an jeder Ecke …
Der Neid könnt’ einen fressen. Golf ist, wie quasi jede andere körperliche Ertüchtigung, in Schweden Volkssport. Das erkennt man allein daran, dass uns Jesper Parnevik in Überlebensgröße am Flughafen Arlanda, nordwestlich von Stockholm, begrüßt. Dann die Recherche: Man kommt aus dem Zählen nicht mehr raus und frägt sich, wie sich das mitgliederseits ausgeht. Aber es geht. Auch weil man längst einen neuen Zugang gefunden hat, der dem akutesten aller Probleme, der Zeitfrage, Rechnung trägt: Die Greenfee-Mitgliedschaft erlaubt es golfhungrigen, aber zeitknappen Schweden, sich mit einem Greenfee-Block einzukaufen – je nach Club gibt es dafür eine Untergrenze – und ist dieser aufgebraucht, muss man zahlen wie jeder Greenfee-Gast. Neil Fossett, der Engländer lebt seit 30 Jahren in Schweden und ist Golfdirektor in Huvudstadens Golf, rund 30 Autominuten nördlich des Stadtzentrums, erklärt das pragmatisch: „Der Kunde ist König, und wer Golf spielen möchte, ist gern gesehener Gast – ob Mitglied oder Greenfee-Spieler.“ Bei 7.000 Mitgliedern, drei Golfkursen – die Kurse „Parkbanen“ und „Lindö“ sind über 25 Jahre alt, Ängsbanen wurde 2000 nachgeschossen – und bei dem schwedischen Verständnis für Golf ist Fosset dennoch extrem entspannt. Im Gegenteil: Gemeinsam mit dem Sheraton Stockholm hat man Packages für GolferInnen ausgebrütet und gibt sich dabei nach allen Seiten offen: „Egal, ob Gruppen oder Anfänger: Wir garantieren auf unseren Anlagen jede Menge Spaß am Golf. Und Anfängern können wir garantieren, dass sie am Ende des Kurses auf unseren Executive-Kurs dürfen.“
Nicht ganz so locker geht’s da am Bro Hof Slott zu, der neuen Nummer 1 in Schweden und als solche ein heißer Favorit auf den Ryder Cup 2018. Mittendrin im Mega-Projekt von Björn Öras ein Österreicher sozusagen: Barry Britton lenkt seit drei Jahren als Super Course Intendent, wie dazumal in Fontana, die Geschicke in der Abteilung „Gras & Co“. Und der gebürtige Kanadier schwärmt von seiner neuen Heimat: „Wir fiebern alle der Vergabe für den Ryder Cup 2018 entgegen. Auch für mich würde dann ein Traum in Erfüllung gehen.“ 25 Millionen Euro soll Öras allein in den Bau des Kurses und des Clubhauses gesteckt haben, weitere Millionen müssen nun folgen, will er wirklich als Ryder-Cup-Venue erfolgreich sein. Allein dass acht (!) namhafte Architekten, darunter Nicklaus, Palmer etc., präsentieren mussten – gewonnen hat Trent Jones –, zeigt den Ehrgeiz, der hinter diesem Projekt steckt. Um zu beweisen, dass Bro Hof Slott für Großes geeignet ist, hat Böras das Scandinavian Masters für die nächsten Jahre in seinen Club geholt. Im Modellfall des Herrn Smurfit und seines K-Club im irischen Dublin hat dieses Modell jedenfalls schon funktioniert. Auch was die Greenfee betrifft, hat Bro Hof bereits Ryder-Cup-Niveau: Mit 1.700 Kronen (umgerechnet rund 170 Euro) ist der Platz dreimal so teuer wie der durchschnittliche schwedische Golfkurs. Britton: „Und er ist es auch wert: Wir haben im Schnitt Grüngeschwindigkeiten von 11 bis 12 Fuß, und wenn ab Mai neben dem Stadium Course, wo der Ryder Cup stattfinden soll, auch noch der Castle Course neu aufsperrt, ist Bro Hof für alles gewappnet.“ Dem Zufall wird jedenfalls nix überlassen: Um für alles gerüstet zu sein, lässt Öras jetzt sogar noch ein großes Pier bauen, damit man auch mit richtig großen Schiffen hier anlegen kann.
Als ausgewiesener Stockholm-Kenner fungiert Fred Jendelid, Coach der österreichischen Top-Pros, als Tourist-Guide, lockt uns aber aus dem mondänen Zentrum nach Södermalm, in den Süden der Stadt, zu seinem Lieblingsgriechen Faros. „Hier wächst seit fünf Jahren das moderne Stockholm und läuft dem Stureplan langsam den Rang ab. Speziell am und rund um den Medborgarplatsen, der sommers ein einziges Open-Air-Restaurant ist, treffen sich die Jungen aus Sofo, was für South of Folkungagatan steht“, ist Fred stolz auf „seine“ Gegend. Dann zeigt er mir noch Djurgården, so etwas wie der Prater von Stockholm: Picknicker, Jogger, Fußballer, Federballer und so weiter tummeln sich hier auf königlichem Grund. Was mir Fred noch ans Herz legt, ist ein Dinner-Boot-Trip, um Stockholm, dessen Archipel aus 24.000 (!) Inseln besteht, vom Wasser aus kennen zu lernen: „Auch wenn es touristisch anmuten mag, wir Stockholmer machen das auch immer wieder. Speziell während der Shrimps-Zeit im Frühsommer.“ Apropos: Ein Wochenende sollten Sie heuer meiden, außer Sie sind eingeladen oder gerne royaler Kiebitz: Vom 19. bis zum 21. Juni wird königlich gehochzeitet und die älteste Königstochter mit einem Bürgerlichen – noch dazu einem herzmaroden Fitnesstrainer – vermählt. Zu diesem Zweck hat man auch Mittsommer – das größte Party-Wochenende Skandinaviens – verschoben, das per königlichen Erlass ein Wochenende später als sonst stattfindet. Ob sich die Sonne daran hält?
Infos in Sachen Golf…
1. Bro Hof Slott: Der Platz, der um den Ryder Cup 2018 kämpft, hebt Golf in Schweden in eine neue Liga. So wie Fontana in Österreich zehn Jahre zuvor, und in beiden Fällen ist Barry Britton im Spiel, der in Bro Hof wie damals in Fontana den Super Course Intendent gibt.
2. Arlandastad GC: Die frühere Heimat der Scandinavian Open und ehemals längster Kurs auf der European Tour. Re-Design von Robert Karlsson. Fred gefällt auf diesem Platz das strategisch gut durchdachte Layout.
3. Ullna GC: Sven Tumbas Design-Premiere zählt allein aus sporthistorischen Gründen zu den Musts: Tumba, der Franz Klammer Schwedens (bloß in mehr als nur einer Sportart erfolgreich), zählt zu den Pionieren und Visionären im schwedischen (Golf-)Sport. Unter anderem hat er schon in den 1970er-Jahren die erste Indoor-Driving-Range in Stockholm eröffnet (und damit Schiffbruch erlitten)
Infos zu Golf in Schweden: www.golf.se (dann golfguiden – auf schwedisch, aber die meisten Clubs bieten englische Versionen ihrer Homepage)
… und Restaurants
1. Riche: Eine Intreff-Dreifaltigkeit, bestehend aus Bar, chilligem und edlem Restaurant (Teatergrillen) und einem Golfer als Boss. Hier verkehren die Celebritys der Stadt. www.riche.se
2. Faros: Freds Edel-Grieche mit Kultfaktor. Perfekte Küche – Mixed Souvlaki! – zu vernünftigen Preisen. Fred: „Ich habe hier schon garantiert 1.000 Lammfilets verdrückt.“ www.faros.nu
3. Café Opera: Direkt hinter der Oper, die Nummer- 1-Disco der Stadt mit Topmusik. Einziger Wermutstropfen: die Schlange am Eingang … www.cafeopera.se
… in Sachen Wohnen
Wie jede Großstadt bietet auch Stockholm eine feine Bandbreite, als Golf-Hotel hat sich aber eindeutig das Sheraton etabliert, wo man sich seit heuer mit feinen Packages um uns GolferInnen kümmert. Preis pro Person (DZ, Classic oder Superior): 150/182 € pro Nacht, inkl. skandinavisches Frühstücksbuffet.
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Ein schöner Artikel über Stockholm! Ich lebe seit drei Jahre hier und spiele unter anderem in Bro Hof Slott. Leider ist der Club schon letztes Jahr aus dem Ryder Cup Rennen 2018 ausgestiegen, ein neuer Versuch wird hoffentlich 2022 gemacht.
Wer Bro Hof Slott jetzt aber mal selbst spielen will (und das kann ich jedem empfehlen), der kann hier:
http://www.online-golf-reisen.de/index.php?ca=2.1.1.20
einen Trip nach Stockholm buchen. Das Hotel ist nur 3 Minuten vom berühmten Riche entfernt. Auf meinem Blog (www.exilgolfer.de) finden sich auch viele weitere Informationen zu Stockholm und Golf in Schweden. Wir bieten ab dieser Saison mit einem erfahrenen schwedischen Reiseveranstalter Golfreisen zu Schwedens schönsten Golfplätzen an! In wenigen Wochen geht die Website online, auf meinem Blog wird ein Hinweis erscheinen. Ich würde mich freuen, einigen Golfern den hohen Norden schmackhaft zu machen. Wer Fragen hat, kann sich gerne auch direkt an mich wenden.