Golf & the City: Rom [0]

Golfen in der ewigen Stadt. Brot und Spiele standen im alten Rom auf dem Programm, heute sind feine Pasta und Golf dran. La dolce vita pur für Golffans.

Glauben und Rom, das passt gut zusammen. Was glauben Sie, wie viele Golfplätze die Metropole am Tiber beherbergt? Aber halt, nicht so schnell … Niemand sollte nach Rom fahren, um zu golfen. Es ist schlichtweg ein Sakrileg, nicht der Geschichte, Kunst und Kultur wegen die Stadt zu besuchen. Und ehrlich gesagt, wer sich nicht in einem der Shoppingtempel verirrt – zum Beispiel in der Galleria Alberto Sordi in der Via del Corso – sowie in den unzähligen hippen Bars und feinen Restaurants, der ist auch etwas verwirrt. Wer aber Rom bereist und kein Fairway betritt, kann getrost auch den Trevi-Brunnen links liegen lassen – „La dolce vita“ wird ihm auf jeden Fall verwehrt bleiben. Vom „süßen Leben“ kann er dann vorzugsweise im San Crispino (Via della Panetteria) kosten, wo Eis zur letztgültigen Religion wird, wenn die aufgeheizte Luft in den Straßen und auf den Plätzen flimmert. Mit jedem Schritt durch die Stadt, die ein einziges Freiluftmuseum ist, trifft man auf Zeichen des antiken Römischen Reiches (S.P.Q.R., „Senatus Populusque Romanus“). Und auf Katzen. Vor rund zehn Jahren wurden die geschätzten 100.000 Vierbeiner im historischen Zentrum Roms mit dem Status „Patrimonio Bioculturale“ (bio-kulturelles Erbe) quasi offiziell anerkannt und gesetzlich geschützt. Ich fühle mich den Katzen schon allein wegen des gemeinsamen Hungers nach Birdies ungemein verbunden.

DEM PAPST AUF DEN FERSEN.  Direkt an einem (hoffentlich weiterhin) inaktiven Vulkan liegt Castel Gandolfo, die Sommerresidenz des Papstes. Und mitten im Krater des Vulkans hat der Country Club Castelgandolfo Platz genommen. Vom Clubhaus, einem Palast aus dem 17. Jahrhundert, überblickt man den gesamten 18-Loch-Platz (Par 72, 5.143–5.871 Meter, rot/gelb) aus der Feder von Robert Trent Jones. Auf den ersten Blick wirken die Bahnen einladend und offen, doch kaum verlässt man die Fairways, findet man sich in mehr oder weniger big Troubles. Bäume und Bunker lauern überall, auf fünf Bahnen kommt Wasser ins Spiel – markant auf Bahn 4, einem Doppel-Dogleg-Par-4, und auf den Löchern 15 und 16, beide äußerst tricky angelegt. www.countryclubcastelgandolfo.it

Das Sheraton Golf Parco de’ Medici Resort liegt auf einem ehemaligen päpstlichen Jagdgebiet (Leo X., geboren Giovanni de’ Medici) und bietet – neben dem mondänen Hotel, in dem ich einquartiert bin – 27 elegante Parkland-Löcher, wobei die Kurse Weiß (Par 35, 2.569–2.877 Meter) und Blau (Par 37, 2.838–3.225 Meter) als Championship Course angelegt sind, während sich die roten neun (Par 35, 2.414–2.689 Meter) eher zur Short-game-Praxis empfehlen. Die großteils exzellenten Löcher bieten vom Tee meist ausreichend Platz, doch um die Grüns wird es sehr oft ziemlich heikel: Neben stylishen Bunker-Landschaften wartet auf den Grüns 5, 6, 15 und 16 auf drei Seiten Wasser. www.golf­parcodemedici.com

Mit dem Circolo del Golf di Roma Acquasanta besuchen wir ein (dem Namen nach) heiliges Kleinod mitten in der Stadt – weniger als fünf Kilometer vom Zentrum entfernt! 1903 erbaut, erinnert der Name an das gigantische Netz von Aquädukten, die zwischen 312 vor und 226 nach Christus gebaut wurden und das antike Rom mit Wasser versorgten. Die 18 Bahnen (Par 71, 5.101–5.831 Meter) leben weniger vom sportlich herausfordernden Design – nichtsdestotrotz sind Course-Management und akkurate Grün-Schläge gefordert – als vielmehr vom altehrwürdigen Charme, dem Parkland-Charakter mit rollenden Fairways und den antiken Konstrukten in näherer und weiterer Umgebung. Und wo sonst auf der Welt rinnt direkt neben einem Grün (Loch 14) aus einem Wasserhahn leicht prickelndes Mineralwasser! So komme ich nach etlichen Salbungen während meiner Golfrunden (mit Sonnenschutzfaktor 30) schlussendlich auch noch zu einer wahrhaft heiligen Labung, die nur mehr von der Torta di Ricotta im Clubrestaurant getoppt wird. www.golfroma.it

Audienz beim Papst. Auf sieben Hügeln, so will es die Legende, wurde einst Rom erbaut. Dieses Layout findet sein golferisches Pendant zehn Kilometer nördlich der Stadt im Golf Club Parco di Roma. Stararchitekt Pete Dye durfte hier Gott spielen (verzeihen Sie die Blasphemie) und einen dramatischen 18-Loch-Kurs (Par 72, 5.324–6.074 Meter) in das Areal zaubern. Dieses ist für insgesamt drei 18-Loch-Kurse konzipiert: Ein „Olympic Course“ und ein „Stadium Course“ sollen folgen, die Pläne liegen in der Schublade von Luca Valerio, seines Zeichens höchst ambitionierter und agiler Präsident des Clubs. Im Jeep führt er mich und Maurizio De Prosperis, einen römischen Golf-Konsulenten, der mir die Tür in diesen Privatclub öffnete, quer über das hügelige Areal. Landschaftlich und szenisch sind alle Bahnen grandios (wenn man vom eher unspektakulären ersten Loch und dem äußerst mühsamen Anstieg zum zweiten Loch absieht). Nach spieltechnischen Gesichtspunkten würde ich die Bahnen 3, 12, 15 und 17 hervorheben. Last, not least verdienen auch das mondäne Clubhaus und die phänomenale Küche eine Extra-Erwähnung, nicht zuletzt deshalb, weil ich dort völlig überraschend eine Audienz mit dem Papst erhielt: „Hast du noch Zeit für ein Dinner mit Robert Trent Jones?“, fragt mich Präsident Valerio, „der ist gerade auf Besuch bei mir.“

 

Infos in Sachen Golf…

1. Parco di Roma. Der Privatplatz ist für Nichtmitglieder nur an Montagen bespielbar. Unser Tipp: Fragen Sie direkt beim Präsidenten (luca.valerio@parcodiroma. it) an, maximal für vier Personen, und beziehen Sie sich auf die Golfrevue. www.parcodiroma.it

2. Olgiata Golf Club. Der 27-Loch-Platz ist einer der angesehensten und demzufolge auch einer der meist-besuchten in Rom. Stau gibt’s auf dem weitläufigen Areal aber trotzdem selten. www.olgiatagolfclub.com

3. Golf Club Le Querce. Der „Heimatplatz“ des Italienischen Golfverbandes (FIG) ist naturgemäß einer der Lieblingsplätze von Marco – liegt allerdings 40 Kilometer außerhalb von Rom. www.golfclublequerce.it

… in Sachen Ristoranti:

1. Ristorante Il Caminetto (Via dei Parioli, 89) – das Restaurant ist seit 1959 in Familienbesitz und eines der besten in Rom, behauptet jedenfalls der Besitzer Fabrizio Santucci, der uns im Parco di Roma auf der Runde begleitete. www.caminettoroma.com

2. Sa Tanca Crostaceria (Via Palermo, 57) – eine der nobelsten Adressen in Rom, mit Oyster Bar und Cigar Room. „Perfekt, um einen Geschäftspartner oder eine schöne Frau zu beeindrucken“, meint Maurizio. www.satancacrostaceria.com

3. MOLTO (Viale dei Parioli, 122) – der Name sagt (fast) schon alles: molto italiano, was den Geschmack in jeder Hinsicht angeht. Gemütlichkeit trifft auf Stilsicherheit. Unser Spezialtipp: Jeden Sonntag gibt’s einen Brunch. www.moltoitaliano.it

… in Sachen Wohnen

Das Sheraton Golf Parco de’ Medici Resort ist vom Airport via Hotel-Shuttle-Service in 20 Minuten erreicht, und 10 Minuten später steht man bereits auf dem Golfplatz. Infos unter www.starwoodhotels.com

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