Golf & the City: Jerez [0]
Auf einer Leiter über einem Weinfass stehend, greift der Kellermeister tief in die Luftöffnung. Er drückt mit einem schmalen Zylinder die Hefe beiseite, schöpft eine Probe und nimmt einen kleinen Schluck. „Schon sehr trocken, das ist gut!“, freut sich Manuel über den niedrigen Zuckergehalt und erklärt: „Der Sherry reift unter einer luftdichten Hefeschicht, die ihm das Glycerin entzieht – dadurch wird er besonders haltbar. Das ist unsere Spezialität!“ In der prominentesten Bodega von Jerez – „González Byass“ – lässt sich dem Geheimnis und der Tradition des aufgespriteten Seefahrerweines besonders stimmungsvoll auf die Spur kommen. Die Kellerei liegt als Industriedenkmal mitten in der Altstadt und offeriert regelmäßige Führungen mit Weinkost. Die jahrtausendealte Weinbautradition der Stadt und die hohe Qualität haben dem Trunk den Namen aufgestempelt. Der Sherry steht unter regionalem Markenschutz wie steirisches Kernöl. „Tio Pepe“ – die Ikone unter den Sherrys – ist in Jerez allgegenwärtig und wird als Maskottchen gepflegt.
Wir haben uns zum Besuch der Kellerei am frühen Nachmittag entschlossen, als das Leben am charmanten Hauptplatz komplett eingeschlafen war. Erst tummelten sich noch einige Beamte und Büroarbeiter in den Tapas-Bars, plauderten in größeren Gruppen, aßen von den kleinen Köstlichkeiten für zwischendurch und tranken Sherry (was sonst?) – dann, urplötzlich, wirkte die authentische Kleinstadt wie ausgestorben. Siesta! Dabei ist es hier im Winter gar nicht so heiß … Die Temperatur pendelt sich selbst im Jänner mindestens bei moderaten 15 Grad ein, und bei etwaigen kurzen Regenschauern kann man sich einer baldigen sonnigen Phase sicher sein. Die meiste Zeit scheint jedoch die Sonne, und dann lässt es sich auch mit kurzen Ärmeln fein aushalten. Eine tolle Aussicht und einen Eindruck vom geschichtsträchtigen Erbe der Gegend bekommt man bei der Besichtigung der Burg auf dem höchsten Punkt der Stadt: Die Römer haben auf phönizischen Fundamenten gebaut und die iberischen Reconquistadores die maurischen Formen in den Hintergrund gewiesen. Jetzt steht da ein barocker Prachtbau, umgeben von den wehrhaften Resten der arabischen Burg.
Wein oder nicht Wein Zur Zeit von al-Andalus – der rund 600 Jahre dauernden Hochblüte der Nordafrikaner auf dem europäischen Festland – wäre beinahe Schluss gewesen mit „Al-kuhül“. Doch die hervorragenden Bedingungen zum Weinbau haben die sonst so strengen Gäste aus dem Morgenland einsichtig gemacht: Über 300 Sonnentage im Jahr erledigen die satte Reife der Trauben, und abwechselnde Winde vom Meer und vom Festland durchlüften die Reben und sorgen für Aroma. Schließlich gibt der sandige Boden genau die richtige Menge Feuchtigkeit an die Weinstöcke weiter. Unter ebendiesen klimatischen und geografischen Bedingungen fühlt sich auch das Golfspiel wohl und hat – in weitaus kürzerer Zeitspanne – zu ebenso exzellenter Ausprägung gefunden!
Geadelt von den Profis Das Zugpferd der Region war lange Zeit der Jack-Nicklaus-Kurs von Monte Castillo direkt vor den Toren von Jerez. Von 1997 bis 2001 wurde hier das Volvo Masters im Rahmen der European Tour ausgetragen, und Kaliber wie Lee Westwood (ENG), Darren Clarke (NIR), Miguel Ángel Jiménez (ESP) oder Padraig Harrington (IRL) haben sich in die Siegerliste eingetragen. Die Anlage ist jedoch in die Jahre gekommen. und würde aufwendigeres Greenkeeping verdienen. Das spektakuläre Nicklaus-Routing hat indes nichts von seinem Reiz verloren. Ein Großteil der Abschläge ist in der kleinteiligen Hügellandschaft erhöht angelegt und eröffnet atemberaubende Blicke. Kehrseite der Medaille: Die Zuhilfenahme von E-Carts zur Bewältigung der Achterbahn ist dringend empfohlen.
Vor vier Jahren wurde erstmals die Second Stage der European Tour Qualifying School in der Region ausgetragen. Von 2006 bis 2010 versuchten jedes Jahr rund 500 Pros den Aufstieg zum Showdown, um einen Start-platz in der höchsten europäischen Klasse zu schaffen. Einen besseren Beweis für die außergewöhnliche Dichte an hochkarätigen Golfplätzen gibt es nicht. Sherry Golf direkt vor den Toren der Stadt, der moderne Championship Course von Arcos Gardens, das Costa Ballena Resort nördlich von Cadiz und der Montenmedio G&CC haben den hohen Anforderungen der European Tour entsprochen. Jerez – auf halben Weg zwischen der Hafenstadt Cádiz und der Provinzhauptstadt Sevilla gelegen – bildet mit dem gut ausgebauten Straßennetz den idealen Ausgangspunkt zur Erkundung der Golf-Schätze an der Küste und im Hinterland der Costa de la Luz.
Infos in Sachen Golf
José Lorca – Playing-Pro für den Novo Sancti Petri GC und Sieger der Spanish Championship 2010 – verrät uns seine Favoriten um Jerez: „Es gibt so viele gute Plätze, dass man eine ganze Woche lang jeden Tag einen anderen Spitzenkurs spielen kann – es wird nicht langweilig. Ich bin hierhergezogen, weil das ganze Jahr über Saison ist.“
1. Arcos Gardens: Modernster Kurs in der Region, aufregender Championship-Test, anspruchsvolle Grüns, Amateure sollten von den kürzeren Tees spielen (18 Loch, Par 72, 6.750 m, GF: 51 bis 96 €). www.arcosgardens.com
2. Golf Novo Sancti Petri: Drei entspannte 18-Loch-Resortkurse, Fairways direkt am Meer und entlang des Pinienwaldes, erstes Design-Projekt von Seve Ballesteros (18-Loch „Mar y Pinos“, Par 72, 6.460 m, GF: 50 bis 87 €). www.golf-novosancti.es
3. Montenmedio G&CC: Zählt zu den landschaftlich schönsten Plätzen Spaniens, uralte Pinien und Eichen säumen die leicht hügeligen Fairways, hervorragende Grüns (18 Loch, Par 72, 6.260 m, GF: 90 €)! www.montenmedio.es
… Ausflüge
Die Fahrt nach Montenmedio sollte man mit einem Besuch der weißen Dörfer Medina Sidonia oder Vejer verbinden. Bei einer Runde in Arcos darf man sich den Blick von der Felswand nicht entgehen lassen.
… und Restaurants
1. El Faro in Cádiz (C. San Felix 15) – spanische Küche auf höchstem Niveau mit tollem Fisch und gutem Wein. www.elfarodecadiz.com
2. El Gallo Azul Pflichtbesuch in Jerez (C. Larga 2) – Gebäude um die Tapas-Bar entworfen; prominente Lage, moderate Preise; am Abend ins Restaurant im 1. Stock
… in Sachen Wohnen
Jerez ist eine pittoreske Stadt, deren Besuch lohnt! Zur längeren Unterkunft empfiehlt sich jedoch die 30-minütige Fahrt an die Strände vor Cádiz. Als ideal hat sich die Hotellerie in Novo Sancti Petri herausgestellt. Das Hipotels Barrosa Park hat sich als idealer Ausgangspunkt zur Entdeckung der Golfplätze rund um Jerez erwiesen. www.hipotels.com
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