Golf & the City: Nizza [0]

Abends streifen wir durch die engen Gassen der Altstadt und lassen uns die Haute Cuisine schmecken, tagsüber schwärmen wir aus und erkunden die golferische Pracht der Provence. Laissez-Faire à la carte, genossen von Alex Kramel (Text & Fotos).

Es ist Ironie des Schicksals, dass einer der bekanntesten italienischen Freiheitskämpfer – Giuseppe Garibaldi – in Nizza geboren wurde. Damals gehörte die Stadt auch noch den Savoyern, und es hat ein wenig gedauert, bis man sich für Frankreich entschied. Das Italienische, eigentlich das Mediterrane, ist noch immer präsent, speziell in der Altstadt und im Hafen. Auch im „Nissart“, einem nach wie vor verwendetem Dialekt, schwingen mittelalterliche Einflüsse aus dem Italienischen, vermischt mit Französisch, mit. Klingt verwirrend, ist es aber nicht: Nizza ist recht einfach gestrickt, und das ist durchaus positiv gemeint. Im Sinne einer ­vernünftigen Aufgabenteilung hat jeder ­Stadtteil seine Bestimmung. Die Agenden der Erholung übernehmen der breite Kiesstrand mit zahlreichen Beachclubs und die Flaniermeile schlechthin, die Promenade des Anglais.

Benannt nach der Invasion durch zahlreiche englische Besucher, die im 19. Jahrhundert ihr regenfahles Antlitz im warmen Sonnenlicht spazieren führten. Der breite, kilometerlange Boulevard ist tägliche Bühne für Schaulustige und Müßiggänger, sportliche Zwei- und schnüffelnde Vierbeiner. Ein paar Querstraßen hinter dem mondänen Hotel Negresco, direkt an der Uferpromenade, herrscht in den engen Gassen des ursprünglichen Nizza eine bohemische Langsamkeit. Rund um den Blumenmarkt, der abwechselnd auch als Flohmarkt dient, reihen sich Cafés und Fischrestaurants aneinander. Zwei Gassen weiter ist auch die gemütlichste Schuhschachtel von Nizza, La Merenda. Ein Lokal in der Größe einer Umkleidekabine, mit jeder Menge Original-Kunst an den Wänden. Berührungsängste sind hier fehl am Platz. Ein ehemaliger Chefkoch des Negresco hat sich entschleunigt und zaubert an der offenen Vier-Quadratmeter-Kochstelle typisch provenzalische Küche. Den notwendigen Verdauungsspaziergang durch die Altstadt versüßt man sich dann noch mit einem Stanitzeleis aus ­Maître Fenocchios großer ­Auswahl an Halbgefrorenem (z. B. Kaktuseis, eine von 98 ­Sorten, www.fenocchio.fr). Essen und Trinken sind in der Altstadt übrigens omnipräsent, und man findet jeden Tag neue Über­raschungen. Etwa den Laden ­einer der berühmtesten Olivenölmühlen des Landes, gleich neben der Oper. Die Familie Alziari gibt seit 1868 ihr Wissen an ihre Kinder weiter (www.alziari.com.fr). Gepresst wird ­eines der mildesten und besten Olivenöle in einer kleinen Mühle am Stadtrand. Den Hafen von Nizza darf man, obwohl durch den berühmten Felsen „Le Château“ von der Altstadt getrennt, allein stiltechnisch dennoch derselben zuordnen: Die großen Jachten sind zwar eher in Cannes und Antibes zuhause, aber auch im Hafenbecken von Nizza liegen hübsche Schinakel vor Anker. Außerdem ist Nizza ein Ausgangshafen für Kreuzfahrtschiffe. Ein spektakuläres Fischrestaurant – eh klar! – markiert quasi das Ende des Hafens: Das Coco-Beach hängt im Fels und geizt nicht mit mächtig Pano­rama, das schon Picasso zu schätzen wusste.

Golf findet in Nizza übrigens nicht „Stadt“. Aber nicht wegen der Zerstörung urbanen Lebensraumes, sondern weil einfach kein Platz ist. Zur einen Seite ist man vom Meer und ­hinten von den recht schnell steiler werdenden Hängen der Alpenausläufer begrenzt. Deshalb hat man Golf ausgelagert, und das nicht unhübsch. Ist die Provence doch reich an Sehens-, Riech- und Kostenswertem. Golf also zwingt dich raus aus der Stadt und rein in die Landschaft. Zum Beispiel nach Mougins, ein Dörfchen nahe Cannes. Die zwei örtlichen Top-Anlagen buhlen nicht gerade um Tagesgäste, sind sie doch gut gebucht von Gutbetucht“. Bei beiden Plätzen hat man ein Tageskontingent für Greenfeespieler eingeführt. Der Royal Mougins wurde von Robert Von Hagge in die Hügellandschaft geschnitzt. Der Amerikaner ist berühmt für spektakuläres Design, und spätestens an Loch 2 wissen Sie, wovon wir reden. Eine Hügelphobie sollten Sie beim erlebnisparkähnlichen „Ride“ durch die bestens gestriegelte Landschaft nicht haben. Die Bahnen sind aber nie unfair. Ein kleines Spa und ein 30-Zimmer-Boutiquehotel ergänzen die nicht ganz einfach zu findende Anlage. Hierher hat sogar unser Navi die Contenance verloren.

Ganz anders der Kurs des Mougins Country Club. Ein klassischer Parklandkurs mit längeren, breiten, leicht dahinrollenden Fairways und vielen alten Bäumen. Das Unterholz ist gut ausgeschnitten, der Ballverlust beschränkt sich auf die Wasserhindernisse. Ein wenig weiter im Inneren der Provence, zwischen Lavendelfeldern und Olivenhainen, finden wir Terre Blanche, ein Four-Seasons-Luxusresort vom Feinsten. Das Hotel mit Mega­spa und zwei 18-Loch-Zuckerwiesen liegt auf einem Hügel, der einst schon Mr. James Bond Sean Connery gehörte. Seine ­golferischen Verwertungspläne verließen aber nie den Zeichentisch. Umgesetzt hat sie schließlich Dietmar Hopp, wie Fancourt-Besitzer Hasso Plattner Mit­begründer der Softwareschmiede SAP. Zirka fünfzehn teils hervorragende Golfanlagen sind im nahen Umkreis von Nizza zu erspielen. Einer der ältesten Plätze der Region ist der 1911 erbaute Monte Carlo Golf Club. Atemberaubend ist hier die Lage im gebirgigen Oberland über Monte Carlo mit sattem Fernblick. Die Côte d’Azur und die Provence wurden nicht zu Unrecht von den Spezialisten der IAGTO zur besten europäischen Golf­destination 2010 gewählt.

 

Infos in Sachen Golf…

1. Royal Mougins: Wieder ein spektakuläres Auf und Ab von Robert von Hagge. Spielerisch gibt sich der Platz nicht in Überlänge, aber mit etlichen trickreichen Grünlandschaften. Golf fürs Auge. Der Club, eigentlich Members only, stellt einige Startzeiten für Gäste zur ­Verfügung. Rechtzeitig anmelden. www.royalmougins.fr

2. Mougins Country Club: Um einiges länger als der Nachbar und nur sanft dahinrollend. Ein Parklandkurs vom Feinsten mit stilvollem altem Clubhaus. www.golf-cannes-mougins.com

3. Terre Blanche: Luxusresort, das alle Stückeln spielt. Zweimal 18-Loch meisterschaftlich, David-Leadbetter-Akademie, feines Hotel und ein riesiges Spa. Das alles eingebettet in die bezaubernde Landschaft der Provence. www.terre-blanche.com

Infos zu Golf an der Côte d’Azur:  www.frenchriviera-tourism.com/golf/

… in Sachen Restaurants

1. La Marenda: Dominique Le Stance wechselte vom hektischen Treiben einer Luxushotelküche ins kleine, feine und einfache eigene Lokal. Entschleunigung, die wohltut, aber keine Kompromisse bei der Qualität. Da wundert es nicht, dass es weder Telefon noch Internet und auch kein Kreditkartenterminal gibt. Nizza, 4, Rue Raoul Bosio

2. Coco-Beach: Picassos Feste im Restaurant am Felsen sind Geschichte, der frische und exzellent zubereitete Fisch ist nach wie vor real. Ein Platz, an dem man Cary Grant und Grace Kelly am Nebentisch vermuten würde.
www.cocobeach.fr

3. Le Grand de Café Turin: Die Messlatte für Meeresfrüchte. www.cafedeturin.fr

4. Rund um den Markt und die Rue de L’Abbaye: Eintauchen in die Altstadt, eine Runde spazieren gehen und sich sein Lokal für den Tag aussuchen. Die Altstadt ist gut zu ergehen, und die Nizzaer Küche endet bei weitem nicht bei Bouillabaisse und Salade niçoise.

… in Sachen Wohnen

Wie jede Großstadt bietet auch Nizza eine feine Bandbreite von klassisch-luxuriös, charmant bis zum  „Designerschuppen“. Herbergen unterschiedlichster Provenienz findet man am Boulevard Victor Hugo. Die gute Lage nahe der Promenade des Anglais spricht für das Holiday Inn. www.holidayinn.com

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