Golf & the City: Barcelona [0]

Bitte schlafen Sie vor! Barcelona ist nix für Par-3-Vorleger! Die Stadt pulsiert, ­beinahe wie New York, aber bedeutend stilvoller. Gegessen wird nicht vor 21 Uhr, die Clubs füllen sich um 2 Uhr morgens. Späte Tee-Times sind ratsam, findet Klaus Nadizar.

Wir überschreiten Grenzwerte jeglicher Art. Besorgnis erregend ist der Schlafmangel in Kombination mit exzessivem Kalorienüberschuss, begleitet vom frequenten Takt der Kreditkartenmaschine in den coolen Boutiquen. Und Fußball wird auch noch gespielt, und wie! Das Nou Camp Stadion und der FC Barcelona sind Kult. Aber jetzt mal Gemach. Barcelona möchte gut geplant und vorbereitet sein. Schließlich ist auch ein langes Wochenende kürzer als erhofft. Deshalb gilt unsere Aufmerksamkeit zunächst dem idealen Hotel, wobei sich in dieser stylishen Stadt zwar jede Menge lässiger Häuser finden lassen, wir aber dem Arts im olympischen Hafen den Vorzug geben. Einerseits, weil die Stadt aus dieser zentralen Lage gut auszukundschaften ist, andererseits, weil wir ein bisschen Strand und Meer fürs Gemüt brauchen. Und wenn Kapazunder wie Penélope Cruz oder auch Woody Allen in höchsten Tönen davon schwärmen, muss es auch unseren bescheidenen Ansprüchen genügen. Erster Ankerpunkt unserer touristischen Durchquerung Barcelonas ist eine feine Boutique in der Carrer Argenteria, wohin uns die Linie 4 (Gelbe Linie, Station Jaume 1) der U-Bahn bringt: Das „Como Agua de Mayo“ ist ein kleiner, schmuker Laden, womit man, Pardon, frau garantiert nicht Gefahr läuft, zuhause von der besten Freundin stylemäßig kopiert zu werden. Ist die Kreditkarte danach noch gebrauchsfähig, spaziert man am besten weiter nach El Born – auch dort mangelt es nicht an Boutiquen. Ein ganz spezielles Platzerl ist die Carrer Avinyo, wo die Shops am Abend den Bars weichen.

Vorsicht Golf. Vorher aber geht es ein wenig raus aus der Stadt, um zwischendurch auf einem der feinen Golfkurse ein wenig Ruhe zu schöpfen. Und Kraft für die Nacht. Ob als imposanter Auftakt oder als gelungener Abschluss: El Prat gehört ins Programm. Wer den „alten“ Platz kennt, sei vorgewarnt: El Prat hat sich geografisch und optisch verändert. Im Zuge des Flughafenausbaus vor einigen Jahren gab’s kein Entkommen für die 1954 erbaute 18-Loch-Anlage, und sie wurde eingestampft. Mit ein wenig Kleingeld wurde dem Club die Umsiedelung nach Terrassa, nordwestlich von Barcelona, schmackhaft gemacht. Die Apanage des Flughafens reichte aus, um El Prat „neu“ auf 250 Hektar auszubreiten. Platz genug für zwei 18-Loch-Kurse, eine feine Golf-Academy und einen 9-Loch-Platz, Geld genug für den ersten Greg-Norman-Design-Golfkurs in Europa, der 2004 eröffnet wurde. Und der „White Shark“ hat tolle Arbeit geleistet: Zart eingewirkte Linksgolf-Elemente sorgen für den entsprechenden Pep, der alte Baumbestand gibt aber den Pace vor, und mit sieben Tee-Boxen je Abschlag gibt’s auch keine Ausreden. Einzig das Greenfee am Wochenende schreckt: 228 Euro sind dann doch recht happig. Deshalb: wochentags spielen, dann wird’s gleich um die Hälfte billiger! Auch im etwas weiter entfernten PGA de Catalunya Golfclub darf man sich über zwei 18-Loch-Plätze freuen: den Stadium und den Tour Course. Letzterer trägt diesen Namen nicht umsonst, gab’s doch schon etliche Großevents auf diesem Platz. Und weil man sich gerne Rankings auf die Brust heftet: „Golf Monthly“ hat den Kurs unter die besten 3, „Golf World“ unter die besten 10 in Europa gewählt. Keine schlechte Referenz, wie wir meinen. Auf beiden Kursen ist jedenfalls der Baumbestand das dominierende Element, am Tour Course hat man das Ganze zusätzlich mit opulenten Wasserhindernissen garniert. Meine Herren! Als ob der Wald nicht schon genug wäre!

ALL night long. Golf macht bekanntermaßen hungrig, und da sind wir zwischen den Tapas-Bars und Nobelrestaurants (Molekularküche!) bestens aufgehoben. Wir wollen da keinesfalls die Vorauswahl für Sie treffen, aber das Cal Pep sei allen Tapas-Fans ans Herz gelegt. Sogar der spanische König is(s)t dort zugegen. Bleibt nur noch, anschließend den geeigneten Club zu finden, um die Nacht durchzutanzen – die Auswahl ist gigantisch, eine von vielen Adressen ist das Sala Razzmatazz. Vor 1 Uhr zahlt man zwar keinen Eintritt, dafür ist man aber auch noch einigermaßen allein. Eine Stunde später beginnen sich die Clubs zu füllen, und vor 6 Uhr morgens gibt’s kein Nachhausegehen. Gerade rechtzeitig, um sich fürs Shoppen wieder frisch zu machen. Tee-Time? Bitte nicht vor 13 Uhr! Oder wir halten wie die Spanier Siesta.

Infos in Sachen Golf

1. Real Golf El Prat: Der 2004 eröffnete neue El Prat Golf Club bietet 36 feinste Spielbahnen, designt von
Greg Norman. Wochentags (oder auf Einladung eines Mitglieds) wesentlich günstiger! www.rcgep.com

2. PGA de Catalunya: Spektakuläre Mischung aus schmalen, von Bäumen gesäumten Fairways, Wasserhindernissen und herrlichen Ausblicken. 36 Loch. www.pgacatalunya.com

3. Club de Golf Masia Bach: Olazábal-Kurs mit opulenten Bunkerlandschaften. Der clubeigene Wein stammt aus den an die Spielbahnen angrenzenden Weingärten. www.golfmasiabach.com

Infos zu Golf um Barcelona: www.barcelonagolf.com

… und Restaurants

1. Cal Pep: Einfache Tapas-Bar mit angeschlossenem gleichnamigem Restaurant, wo famose Fischgerichte serviert werden. Barcelona, Plaça de les olles 8. www.calpep.com

2. Cata 1.81: Stylishes Restaurant mit exzellenten Weinen und perfekt darauf abgestimmten Speisen – oder umgekehrt. Valéncia, 181. www.cata181.com

3. La Llavor dels orígens: Sitzen bleiben oder mitnehmen: feiner Greißlerladen, Bäckerei und Restaurant in einem. Ramón y Cajal, 12. www.lallavordelsorigens.com

… in Sachen Wohnen

Logisch, dass sich in einer 1,6-Millionen-Einwohner-Stadt jede Menge feiner Unterkünfte finden lassen. Aber gerade in Barcelona sollte man Wert auf ein stilvolles Haus legen. So wie etwa das „Arts“ im olympischen Hafen der Stadt. Celebrities geraten reihum ins Schwärmen und überschlagen sich in Lobeshymnen. Kein Wunder, ist doch neben dem schicken Ambiente auch das Hotelrestaurant „Enoteca“ Michelin-besternt. Und wer das Spa im 42. und 43. Stock nicht besucht, ist selber schuld. Ein im wahrsten Sinne des Wortes himmlisches Vergnügen. Preis pro Person im Doppelzimmer: ab 195 €.

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