Die Kunst der Stunde [0]

Kultur an jeder Ecke. Was dem Golfer Leadbetter ist dem Kunstbeflissenen da Vinci. In Florenz kommen die einen auf ihre Rechnung, die anderen sogar noch deutlich mehr. Und ein Wochenende ist für beides garantiert zu wenig.

Ohne vernünftigen Plan irrlichtert man durch Florenz wie ein aus der Bahn geworfener Satellit: Uffizien, Dom, Michelangelo, Giardino di Boboli, Palazzo Pitti – schweißnass hakt man ab, was abzuhaken ist, die Liste wird aber nicht kürzer. Dazwischen: Espresso, Panini, Shopping, und eine Osteria für den Abend gilt es auch noch zu finden. Wohl ist man mit schlauen Tipps von Freunden abgefüllt bis unter den Hut, ein wenig Eigeninitiative sollte man sich aufheben. Zumal Florenz ohnedies an jeder Ecke mit Überraschungen aufwartet, positiven natürlich. Der Kulturgolfer startet mit einem Museum in den Tag, wegen der Temperatur. Mit über 70 Museen bietet Florenz auch eine gewisse Bandbreite, und nur wer einen heiteren Lebensstil ohne Besichtigungsstress pflegt, weiß die Stadt zu genießen. Wenn um die Mittagszeit die Sonne auf über 20 Grad aufdreht, lässt sich auf den Fairways kurzbeärmelt etwas Bräune aufziehen. Apropos Golf: In Florenz trifft unser liebstes Hobby alljährlich die Hochkultur. Auf der Ponte Vecchio findet im Dezember die „Ponte Vecchio Challenge“ statt, bei der eine handverlesene Anzahl von Top-Golfern von der berühmten Brücke aus auf schwimmende Grüns im Arno schlagen. Der Ponte Vecchio war früher übrigens das Zentrum der Metzger und Gerber, die ihre stinkenden Abfälle und ihre Stoffe, die sie zuvor mit Pferdeurin gegerbt haben, in den Arno warfen. 1593 wurden diese jedoch per Dekret durch Goldschmiede ersetzt, die noch heute in den kleinen Läden zahlreiche Touristen anziehen. Und praktisch ist der Ponte auch, verbindet er doch die Uffizien mit dem Palast der Medici. Weniger hektisch geht es auf der anderen Arno-Seite zu, wo es sich im heckengesäumten Auf und Ab des Giardino di Boboli vortrefflich lustwandeln lässt. Und der Blick von ganz oben: Meine Herren, mehr Panorama geht nur mehr als Vogel!

Unten, auf der Piazza della Signoria, die das Zentrum markiert, steht David. Ungerührt schaut er in die Ferne. Ob Michelangelo je darüber nachgedacht hat, dass seine 5-Meter-Skulptur einmal zu den meistgeknipsten Kunstwerken zählen wird? Jedenfalls ist die Stadt nicht endgültig erkundbar: da Vinci, Michelangelo, Botticelli,  Machiavelli, Dante Alighieri, die Medicis – Florenz ist das Athen der Neuzeit.

Rasch auf die Runde.  Ehe wir uns unter konvulsivischen Zuckungen vollends der Kultur hingeben, nichts wie raus aus der Stadt. Aber auch dort begegnen wir berühmten Namen: Via Strada di Chianti gewinnen wir das Urgestein der toskanischen Golfplätze, den Ugolino GC. Am Südrand von Florenz gelegen, ist der 1889 gegründete Club Toskana auf 18 Loch verdichtet: Rauf und runter geht’s auf diesem Platz so abwechslungsreich zu wie auf einer Achterbahn. Durchaus empfehlenswert, das E-Cart zu Hilfe zu nehmen. Was man keinesfalls verpassen sollte, ist das 19. Loch, eine Trattoria rustikalen Zuschnitts mit exzellenter Küche. Als Begleitung zu den Speisen empfehlen wir Chianti Classico.

Deutlich moderner und großzügiger angelegt, bieten auch die 18 Loch des GC Poggio dei Medici Toskana-Feeling zum Niederknien: Eindrucksvoll harmonisch wogen die künstlichen Hügel des Golfplatzes mit der Landschaft um die Wette, Zypressen markieren den Horizont, und ein uraltes Gemäuer gibt das Clubhaus. Wer lieber zum Bummeln, Shoppen und Sightseeing nach Florenz pendelt, kann hier direkt am ersten Tee übernachten: Das UNA Poggio dei Medici bietet mit 70 Zimmern auch ausreichend Platz für eine größere Gruppe.

Als letztes Florenz-nahes Golfhighlight bietet sich der GC Montecatini an: Nur wenige Kilometer außerhalb der gleichnamigen Kurstadt und knapp 50 Minuten von Florenz. Auch hier thront ein mächtiges Clubhaus über dem hügeligen 18-Loch-Parcours. Sogar eine Kapelle steht direkt hinter dem 10. Abschlag. Dass der Pfarrer die Glocke im Overlapping-Griff läutet und Messen gegen den Dreiputt liest, ist aber ein unbestätigtes Gerücht.

 

FLORENZ – ALLE FAKTEN:

Hin & zurück: NIKI fliegt Florenz ab Mitte Mai bis Ende Oktober sechsmal die Woche direkt an.
Tagesaktuelle Ticketpreise unter: www.flyniki.com

Allgemein: Die Stadt ist Kultur pur. Wer nur zum Golfen kommt, versäumt einfach zu viel. Ein Mietauto hilft beim Abstecher auf die Golfplätze (www.hertz.at), Florenz selbst kann zu Fuß erkundet werden. Ganz wichtig: der Morgen-Espresso auf der Piazza della Signoria mit dem David im Blickfeld. Danach: ein Kleinod von der Ponte Vecchio und zum Schluss ein Picknick im Giardino di Boboli.

In Sachen Wohnen … 

1. Mangiacane Villa *****  Etwas außerhalb von Florenz in den Weinbergen. 2006 renoviert; herrlich herrschaftlich. Zimmer ab 300 € www.mangiacane.it

2. NH Hotel Porta Rossa ***** Quasi um die Ecke der wichtigsten Sehenswürdigkeiten im Zentrum. Ab 142 €/Person www.nh-hotels.de

 

… in Sachen Golf

1. Ugolino GC: Alt und ehrwürdig. Mit seinen über 100 Jahren der Methusalem unter den Golfplätzen Italiens, aber immer noch so knackig wie eine junge Geliebte! (18 Loch, Par 72, 4.994 bis 5.676 Meter, GF: 80/95 Euro) www.golfugolino.it

2. Poggio dei Medici: Prächtig designter Kurs, mit viel Gespür in die Landschaft verlegt. Rollende Spielbahnen, und dank 5 Teeboxen eine Challenge für jede Spielstärke. Heimat etlicher Tour-Events bei den Damen. (18 Loch, Par 72, 5.339 bis 6.342 Meter, GF: 80 Euro) www.golfpoggiodeimedici.com

3. Montecatini Golf: Hügeliger und mit etlichen kniffligen Doglegs angelegter netter Kurs. Hotel und Kapelle am Platz. (18 Loch , Par 72, 5.127 bis 5.857 Meter, GF: 65 Euro) www.montecatinigolf.com

 

… und Restaurants

1. Enoteca Pinchiorri (Florenz, Via Ghibellina 87): Auch wenn’s danach im Börserl kracht: Nirgendwo vermischen sich Kunst und Küche besser als hier. Legendärer Weinkeller, und für zuhause nimmt man sich eine Kleinigkeit aus dem Shop mit. Tischreservierung ist unumgänglich. www.enotecapinchiorri.com 

2. Del Fagoli (Florenz, Corso Tintori 47): Familienbetrieb par excellence. Unscheinbarer Eingang in einer kleinen Gasse. Tolle florentinische Küche. Tel.: +39055244285

3. Trattoria Baldini (Florenz, Via Il Prato 96): Quasi um die Ecke des Hotels Villa Medici und 20 Gehminuten von der Piazza della Signoria. Bestens besucht, vorrangig von Einheimischen, was immer ein gutes Zeichen ist.  www.trattoriabaldini.com

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