Die Magie der Monarchie [0]

So geteilt wie die Stadt und ihr Name, so geteilt sind auch die Eindrücke beim Besuch von Budapest: Tradition und Moderne liefern sich ein Matchplay, bei dem die gute alte Zeit nur noch knapp vorne liegt. Ungeteilt, nämlich durchwegs vom Allerfeinsten, sind die Golf-Erfahrungen, die man auf drei tollen Plätzen nahe der Magyaren-Metropole machte.

Aus Golfrevue 4/2008

altBuda & Pest, zweigeteilt durch die Donau, verbindet acht Brücken und der Wille, sich wieder zu einer Metropole hoch zu arbeiten: Bei etlichen Dingen – etwa dem Nachtleben – funktioniert das schon ganz hervorragend.

Budapest, die 2-Millionen-Stadt, lebt wie ihre historische Schwester Wien vom morbiden Charme der letzten Jahrhunderte. Was jedoch Budapest von Wien trennt, ist, so komisch das auch klingen mag, das, was es geographisch vereint: die Donau. Denn anders als in Wien ist die Stadtlandschaft der ungarischen Hauptstadt aufs engste mit dem Strom verbunden, geradezu an ihn gebunden: Die Schauseiten von Pest-Buda (wie die zwei Stadtteile vor ihrer Zusammenlegung 1873 im Sprachgebrauch üblicherweise genannt wurden) sind protzig an die Flussufer gestellt, zusätzlichen Charme erhält der Stadtteil Buda durch den nahe am Fluss liegenden Bergrücken. Als verbindendes Elemente nehmen in weiterer Konsequenz die Brücken einen elementaren Blickpunkt ein. Neun sind es insgesamt, wobei die Kettenbrücke unsere größte Aufmerksamkeit auf sich zieht. Nicht nur, weil sie die älteste (Fertigstellung 1849) und prachtvollste ist, sondern auch weil unser Hotel, das mondäne Kempinski Hotel Corvinus, quasi dahinter liegt.

Budapest light

altDurch den Freitag-Mittagsstau bedingt haben wir – ich reise in Begleitung von zwei Freunden, die neben dem Golfen auch „Monarchie“ schnuppern wollen – ausreichend Zeit, die 375 Meter lange Hängebrücke im klassizistischen Baustil mit zwei triumphbogenartigen Stützpfeilern und den vier pompösen Löwenstatuen vom Auto aus zu bewundern. Nach so viel Nostalgie lassen wir den Burgberg samt Palast sowie die ganze Monarchie links liegen, und geben uns – nein, nicht dem Shoppen auf der Váci utca samt Vörösmarty Platz mit dem Warenhaus „Luxus“ hin – die „Hammer & Sichel-Tour“ im Memento Park: Hier fristen 42 Skulpturen aus der kommunistischen Ära von 1945 bis 1989 ihr einsames Dasein und legen ein gleichsam imposantes wie trauriges Zeugnis der vergangenen Zeit ab. Noch am selben Abend sind wir Gäste des Gala-Diners anlässlich der Verleihung des „Seven Stars and Stripes“-Awards für Kempinski Hotel Corvinus Budapest. Es ist das erste Haus Ungarns, das diesen prestigeträchtigsten Preis in der Luxus-Hotel-Kategorie erhält. Gourmet-Papst Eckhart Witzigmann höchstpersönlich rührt um, und während des Desserts gilt es Pläne für das Nachleben zu schmieden: In den tagsüber stark frequentierten Geschäftsstraßen tummeln sich nun die jungen Einheimischen und die jung gebliebenen Touristen, also wir. Wem die Diskos zu voll mit Touristen sind, findet zum Beispiel in den zahlreichen Jazzclubs (Merlin Jazz Club, V Gerlóczy utca 4, täglich ab 22 Uhr Live-Musik) eine einmalig gemütliche Atmosphäre oder taucht in die ungarische Folkloristik ein: In sogenannten „Tanzhäusern“ werden richtige ungarische Volkstänze vorgeführt und auch gelehrt – mit viel Charme und enormen Spaß, selbst wenn man des Ungarischen nicht wirklich mächtig ist: „Fogunk táncolni“ („Darf ich bitten“, wörtlich: „wir tanzen“) hilft über die ersten Barrieren hinweg – der Rest ist eine Frage der Sympathie.

Endlich Golf

Noch während des Frühstücks nehmen wir den Rhythmus des Abends gekonnt auf, um ihn für unsere Drives zu konservieren: Der Old Lake Golf Club in Tata, der „Stadt der Wasser“, macht den Anfang unserer Golf-Trilogie in Paprika. Der Club liegt im ehemaligen Jagdgebiet der Familie des Grafen Esterházy am Fuße des Gerecse-Gebirges und ist nach dem nahen Öreg-tó (Alter See) benannt. Wobei Wasser nicht nur im Namen auftaucht: Kleine Seen und Bächlein mäandern durch den Naturpark und sorgen neben dem optischen auch für einen spieltechnischen Reiz, ohne ihm die Dornröschen-Stimmung zu nehmen.

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Das Feeling und die Atmosphäre eines über hundert Jahre alten Parks lässt sich nicht designen, das wird im Old Lake GC Tata – von 2004–2006 auch Gastgeber der Ladies European Tour – frei Haus mitgeliefert, wie hier auf Loch 12 (oben) und 18 (unten).

Es gibt kaum ein Loch, bei dem nicht mehr oder weniger markant ein Wasserhindernis ins Spiel kommt. Die Bahnen sind zwar eher kurz, doch etliche nette, mitunter skurrile Doglegs, wie zum Beispiel Loch 17, ein 478 bis 506 Meter langes Par 5, das sich fast als U-Hakerl spielt, sorgen für die nötige Würze. Belohnt werden Spieler, bei denen Präzision und Spieltaktik im Vordergrund stehen, aber keine Sorge, auch die Hobby-Dalys werden ihren Spaß haben – beim Entdecken der Schönheiten des Platzes abseits der Fairways, wo viel fettes Gras, Bunker und Wasser wartet.
altAls krönendes Finale spielt man vom 18. Tee Richtung Clubhaus auf die enge Bahn, die sich erst spät zwischen dichten Bäumen zum Grün hin lichtet. Dort, vor der Clubhausterrasse, heißt es, Nerven bewahren und den großen Bunkern ausweichen. Schließlich gilt es vor Publikum die Runde souverän zu beenden.

Österreich-ungarn reloaded

Nur rund 40 Kilometer westlich von Budapest liegt der Pannonia GCC, die absolute Nummer 1 in Golf-Ungarn, und wären wir noch Monarchie, der Platz würde auch im gesamten K.u.K.-Gebiet – Fontana hin, Adamstal her – ganze vorne mitspielen.

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Allerfeinstes Design, perfekt gepflegte Bahnen und ein Clubhaus (o.) zum Niederknien: Der Pannonia GCC ist die absolute Nummer 1 in Ungarn und wäre auch in ­einem Monarchie-Ranking weit vorne Ein Highlight unter vielen: Das Insel-Grün auf Loch 17.

Dazu passt, dass der Platz in der ehemaligen Habsburger-Residenz Máriavölgy (Marienthal) liegt, von einem Österreicher initiiert wurde und betrieben wird: Der erfolgreiche Unternehmer Alois Windbrechtinger – seine Frau Alexandra managed den Club – hat diesen Platz, zu dem einen eine imposante 200 Jahre alte Platanen-Allee geleitet, vor etas mehr als 12 Jahren von Carrick/Erhardt bauen lassen. Doug Carrick und Hans-Georg Erhardt waren in Kombination auch schon für Fontana verantwortlich. Das nur als Referenz.

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Allerdings war beim Pannonia GCC mehr Landschaft zugegen, was es den beiden beinahe einfach gemacht hat, ein sensationelles Lay-out in die sanften Hügel zu schnitzen. Man findet kein Loch, bei dem man die Nase kurz rümpfen möchte, das Routing ist genial abwechslunsgreich, der Pflegezustand grandios. Und als gar nicht kleine Draufgabe erwartet dich ein Clubhaus der Superlative (was für eine Pizza!), im klassischen Sinne höchst monarchisch: Die ehemaligen Stallungen für die habsburg‘schen Pferde wurden gediegen in einen mittleren Palast verwandelt, vor dem ein Schwimmbiotop für zusätzliche Urlaubsstimmung sorgt. Der Vollständigkeit halber: Falls Sie zu jener Sorte Golfer gehören, die gerne trainiert. Auch diese Facilities findet man hier in tadellos championship-verdächtiger Manier. Das braucht es auch, will man sich seriös auf die 6401 Meter von den Back-tees vorbereiten und höchst gefinkelt geführten 18 Spielbahnen, die jede für sich ihren Charme hat, knacken. Ein Loch herauszupicken, wäre den anderen gegenüber ungerecht, wenngleich sich bei uns Loch 8 (Par 3 mit hantigem Grün und Wasser davor) und Loch 17 (ebenfalls ein Par 3 mit erhöhtem Tee und Dreiviertel-Inselgrün, recht nachhaltig ins Gedächtnis eingebrannt haben.
Nicht oft ergreifen wir dermaßen Partei: Aber der Pannonia GC ist ein echtes Must, nicht nur für Freunde der Monarchie.

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Verspielt & würzig

Zum Abschluss unserer Golfreise besuchen wir den Pólus Palace Golf Club, etwa 20 Kilometer nördlich von Budapest. Am Sonntag präsentiert sich das Verkehrs-Nadelöhr Budapest-City angenehm zahm und man gewinnt in 30 Minuten das mondäne 5-Sterne-Golf-Resort, das vor vier Jahren seine Pforten öffnete.

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Im Naturschutzgebiet kommen etliche Biotope ins Spiel (Loch 5, Foto oben) und zudem mischt sich das Teichsystem der Anlage einprägsam ins Layout, wie zum Beispiel der See auf Loch 9 (Foto unten).

Mitten in einem sanft hügeligen Naturschutzgebiet liegend, nimmt man einige offensichtlich notwendige Design-Kompromisse gerne in Kauf – dafür haben golfende Botaniker die Möglichkeit, seltene Pflanzen und Tiere zu erforschen. Etliche Biotope sowie das Teichsystem der Anlage nehmen viel Platz im Layout ein: Risk & Reward heißt es da auf etlichen Holes, besonders auf den Bahnen 9, 11, 12 und 16.

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Als kniffliger Höhepunkt erweist sich Bahn 18, ein nur 324 bis 432 Meter langes Par 5, das als hartes Links-Dogleg aber zu beiden Seiten vom Tee bis vors Grün von Biotopen bewacht wird, und zudem in der Drivelandezone und auf der trockeneren Seite rechts vom Grün mit Bunkern aufwartet. Kurios, aber (be)merkenswert.
Woran wir uns auch gerne erinnern, ist die Gastfreundschaft im Clubhaus (im mondänen 5-Sterne-Hotel, mit Spa und allen Rafinessen ausgestattet), das – weil menschenleer – extra für uns den ungarischen, international erfahrenen Chefkoch holte. Der verwöhnte uns mit „Spezial-Clubsandwiches“ nach individuellen Wünschen, und erzählte von seinen Flitterwochen in Salzburg, während wir uns den Paprika-Schweiß von der Stirn wischten und die Golf-Erfahrungen Revue passieren lassen.

altFazit: Die drei Kurse könnten gegensätzlicher nicht sein, aber decken in Summe einen breiten Geschmack ab – von leicht würzig bis extrascharf. Jó étvátgyat und Egészségére!

Schlaue Infos auf einen Blick: Ungarn

Old Lake Golf & Country Club
H-2890 Tata
Tel.: +36 34 587 620,
18 Loch, Par 71, 5.176–5.800 Meter

Pannonia Golf & Country Club
H-8087 Mariavölgy
Tel.: +36 22 594 200,
18 Loch, Par 73, 4.971–6.401 Meter

Pólus Palace Golf Club

H-2132 Göd
Tel.: +36 27 530 500,
18 Loch, Par 72, 4.874–5.983 Meter

Der Golfreuve Hotel-Tipp

altKempinski Hotel Corvinus Budapest
H-1051 Budapest, Erzsébet tér 7-8

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