Black Sea Beauty [0]

Bulgarien wird die Golfdestination der kommenden Jahre. Meint zumindest Gary Player. Der realisiert gerade zwei Golfplatzprojekte an der Schwarzmeerküste nahe Varna.

Aus Golfrevue 7/2008

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Vor über 25 Jahren erkundete ich an der Hand meiner Mutter die goldenen Strände am Schwarzen Meer. „Wir waren damals auch in Varna“, frischt sie mein Gedächtnis auf, „und du hast eine riesige Sandburg gebaut.“ Weil ich diese aber mit Zigaretten-Kippen kunstvoll schmückte, ­beschränkte sich mein Spielradius in Folge auf den elterlichen Schatten. Ich wurde trotzdem braun, doch Bulgarien blieb auf der Landkarte meiner persönlichen Wahrnehmung (auch trotz des EU-Beitritts 2007) ein weißer Fleck.
Bis mir Simon Klausner, ein alter Bekannter aus der Golfbranche, der unter anderem beim Bau des GC Adamstal mitwirkte, von einem „gewaltigen Golfplatzprojekt direkt an der Küste beim Schwarzen Meer“ vorschwärmt. Aus diesem Grund sitze ich nun im Flieger nach Varna und bereue nach der Landung sofort, dass ich lediglich drei Tage Zeit habe. Denn mit jedem Kilometer Autofahrt entlang der Küste (die Klippen und Strände sind einfach phänomenal), mit jeder Mahlzeit (ein absoluter Geheimtipp: die fangfrischen Muschel-Variationen in der pittoresken Dalboka-Bucht!), mit jeder Entdeckung eines kulturellen Kleinods (allein das Schloss Balchik wäre einen Tages-Ausflug wert) und nicht zuletzt mit dem Besuch der drei frisch aus dem Boden gestampften Golfplätze, die alle innerhalb weniger Kilometer aufgefädelt liegen, fasziniert mich die Region mehr.

Signature Golf

Rein golferisch war Bulgarien bislang ein Niemandsland. Drei Plätze (zwei davon nahe der Hauptstadt Sofia, ein weiterer in Sliven) hatten eher die symbolische Funktion, den 150 Golfern in Bulgarien einen grünen Hafen zu bieten. Mit Design oder spielerischem Anspruch hatte das wenig zu tun.

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Einen ganz anderen Weg – oder besser gesagt: mehrere unterschiedliche Wege – gehen nun die drei neuen Anlagen am Schwarzen Meer in der Region um Balchik und Kavarna: Signature Design und Big Names wie Gary Player und Ian Woosnam – damit will man die Golfwelt auf sich aufmerksam machen! Zum Einstimmen inspizieren wir jenen Platz, der noch in Bau ist und nächstes Jahr in Betrieb gehen soll: Thracian Cliffs windet sich entlang einer wilden Klippe und serviert auf 18 Bahnen die geballte Wucht des Schwarzen Meeres. Gary Player steht als Designer hinter diesem Projekt, dessen Front-nine in typischer Links-Manier vom Clubhaus weg führen – entlang der Klippen –, um schließlich auf der dem Land zugewandten Seite der Bucht wieder neun Löcher herein zu spielen. „Golf wird Bulgariens Aushängeschild und Botschafter auf der ganzen Welt“, proklamierte Gary Player bei seiner letzten Inspektion. Angesichts dieses Layouts darf man definitiv gespannt sein.

Lighthouse Golf Resort

Die ersten Golfschläge auf bulgarischem Boden mache ich im Lighthouse Golf Resort, dem Ian Woosnam-Signature Kurs. Michael Krastev, der General Manager, empfängt uns im überaus mondänen Clubhaus und verweist gleich darauf, wie wichtig ein Zusammenarbeiten aller lokalen Golfprojekte für Bulgariens Zukunft als Golfdestination sein wird.

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Und der begeisterte Golfer weiß, wovon er spricht. Schließlich hat er zwölf Jahre als General Manager für das renommierte Kaneff-Golfresort in Toronto/Kanada gewirkt, bevor ihn vor kurzem sein Pionier-Geist und der „Glaube an die Golf-Zukunft Bulgariens“ in sein Heimatland zurückzog. Auf den Front Nine weiß der durchwegs ebene Platz vor allem auf Bahn 4 (Par 4) zu beeindrucken. Dort stellt ein kleiner See den Tapfersten (und Weitesten) unter die Frage „Carry darüber oder lieber rund herum?“
Ebenfalls ein Leckerbissen: Das Signature-Hole, Bahn 8 (Par 3), dessen Grün direkt an den Felsklippen vor dem Schwarzen Meer thront. Optisch ansprechend spielt sich auch der Winkel um das 16. (Par 4) und 17. Loch (Par 3). Das Design des Kurses lässt in Summe bei einigen Bahnen eine glückliche Handschrift durch blitzen, aber insgesamt hat man (nicht ­zuletzt aufgrund des noch nicht optimalen Pflegezustandes des jungen Platzes) den Eindruck, dass in diesem Resort der Golfplatz hinter den unzähligen Apartments eher die zweite Geige spielt. Mit dem ­Verkauf der Immobilien sollte aber auch die finanzielle Kraft entstehen, den Platz mittels Feintuning auf Top-Niveau zu heben, damit der sympathische Golf-Idealismus des General Managers Früchte ­tragen kann. Auf jeden Fall ist der Lighthouse-Platz einen Besuch wert, wenn auch (noch) nicht eigens einen Urlaub. Ein ­Verdikt, das auf den nächsten Golfplatz ­definitiv nicht zutrifft!

Bombastisches Bulgarien

BlackSeaRama, ein Gary Player Signature Kurs, würde auf der ganzen Welt eine ausgezeichnete Figur machen. Aber nirgendwo sonst kann das Umfeld mit dieser Kombination aus tausendjähriger Geschichte und der berauschenden Kulisse des Schwarzen Meeres aufwarten. Rein golftechnisch gesehen hat man natürlich nichts davon, dass auf diesem Fleckchen Erde bereits in der Jungsteinzeit, also vor über 6.500 Jahren, eine hoch entwickelte Zivilisation herrschte – der Fund von über 3.000 Goldgegenständen aus dieser Zeit ist als ältestes bearbeitete Gold der Welt im Archäologischen Museum in Varna zu bewundern!

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Aber für den Errichter und Betreiber des prestigeträchtigen Projekts, Kancho Stoychen, ist es von eminenter Bedeutung, den Platz in seiner regionalen Besonderheit zu sehen: „Sieben Zivilisationen können hier zurückverfolgt werden, wo gibt’s das noch?“, so der studierte Soziologe, der beim Schwammerlklauben auf die Idee kam, hier einen Golfplatz zu bauen: „Die schroffen Felsen und dieser Ausblick haben mich fasziniert, obwohl viele Golf-Insider und selbst ein Pro skeptisch waren, weil die Gegend zu eintönig und flach wäre.“ Das Ergebnis straft nun alle Kritiker Lügen: Ein Meer aus kleinen und mittelgroßen Hügeln umrahmt jede der 18 Bahnen, von denen keine einer anderen gleicht – dafür sorgen die durchgehend sehr abwechslungsreich bewegten Fairways, die mit rund 70 optisch hervor stechenden Bunkern bespickt sind. Zudem kommen auf sieben Bahnen sumpfähnliche Feuchtgebiete markant ins Spiel.

alt„Diese unterstreichen den Links-Charakter, den Gary Player auf diesem Platz verwirklichen will“, so Klausner, der von Anfang an für die baulichen Umsetzungen und nun als Head-Greenkeeper für den Zustand des Platzes verantwortlich zeichnet. Der Salzburger, der im GC Gut Altentann das Golfplatz-Handwerk lernte, um sich dann in einem Jack Nicklaus-Study-Programm in den USA weiter zu bilden, und unter anderem im GC Hanbury Manor (nahe London) und im GC Adamstal wirkte, beschreibt Players Vorgaben: „Der Platz soll die Schroffheit der natürlichen Umgebung wider spiegeln. Deshalb ist auch nicht alles vom ersten Tee bis zum ­letzten Grün perfekt durchgestylt, was für mich völlig neu war: Die Bahnen ­sollen rustikal wirken aber dennoch top gepflegt aussehen“. Beispiele für Players Intentionen sind die wild blühenden, ausgedehnten Hard-Rough-Flächen, die über die Saison ihr Aussehen von violett über knall-Mohnblumen-rot bis braun vollkommen ändern.

Designperle

Besonders gefällig am Black Sea Rama-Golfplatz ist das Tie-in, also das Ineinander-Übergehen der Platz-Elemente – von den Tee-Boxen, denen meistens eine furchige Rough-Zone folgt, über die Fairways, Bunker, Wasserflächen bis zu den Grüns ist alles klar definiert, keinem Element wird ein optisches Übergewicht gewährt. Die Wellenformen der Bahnen sind markig, ohne dass die Sicht auf das Grün beeinträchtigt wird. Aber: Keine Wellen, nur damit es nicht gerade ist! Im Gegenteil:

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Dort, wo die Fairways hügelig sind, reagieren sie „aktiv“ auf das Golfspiel – zum Beispiel auf Loch 1, wo ein guter Drive vom Tee durch den Downhill-Roll etliche Extrameter gewinnt, während ein zu kurz geratener Abschlag auf dem Bergauf-Teil des kleinen Hügels zusätzlich an Länge einbüßt. Die Grüns sind mega-geräumig und tricky aber nicht sinnlos wild onduliert. Die schönste Ecke auf den vorderen Neun findet man im Bermuda-Dreieck der Bahnen 4 bis 6, wo ein Feuchtbiotop für optischen Aufputz und spielerischen Nervenkitzel auf allen drei Bahnen sorgt. Vom erhöhten neunten Tee bietet sich ein toller Ausblick über mehrere Bahnen sowie die Umgebung außerhalb des Golfplatzes, die verdeutlicht, wie öd die ursprüng­liche Landschaft hier war. Ein gelungenes Beispiel dafür, dass Golfplatz-Entwicklung die vorhandene Natur auch bereichern kann. Dass die Betreiber das Thema Ökologie ernst nehmen, sieht man auch daran, dass sich in den Teichen der gesamten Anlage Krebse und zehn verschiedene Fischtypen finden (Stoychen ist auch begeisterter Angler) und nicht zuletzt quer über den Platz Weingärten in unterschiedlichen Größen angelegt wurden, „die in ein paar Jahren schon für die Produktion eines hauseigenen Boutique-Weines herhalten sollen“. Wie überhaupt ein Großteil der Speisen aus der eigenen ökologischen Produktion kommen soll. Doch zurück zum Golf: Die zweiten Neun spielen sich ebenfalls abwechslungsreich, wobei hier sicherlich die Bahnen mit Blick auf das Meer (12, 13, 17 und 18) hervorzuheben sind. Die 18 geht dabei definitiv als Bulgarien-Highlight durch: Das 188–211 Meter lange Par 3 spielt im Cinemascope-­Format sämtliche Stückerln: Länge, Rafinesse, Panorama-Ausblick und eine satte Brise Meeresluft.

Und weil sich das 100 Millionen Euro-Projekt auch bezahlt machen muss, ­stehen auf dem 100 Hektar großen Areal (75 Hektar fallen auf den Golfplatz) ­direkt am Kliff circa 400 Villen, die ­neben Pool und Garten mit traumhaften Ausblicken auf das Meer ausgestattet sind. Daneben entstehen Fitness-Anlagen und Tennis-Courts sowie ein Boutique-Hotel mit 35 Zimmern. „Doch das Hauptaugenmerk gilt dem Golfplatz, der ein echtes Juwel für alle Resort-Bewohner und Touristen sein wird“, betont Stoychen, der als Meinungsforscher für Gallup International Bulgaria in den höchsten politischen Kreisen verkehrt. Die Frage, ob ihm seine Kontakte beim Bau dieses Projektes behilflich waren, pariert er jovial: „Die größte Hilfe der Politiker bestand darin, dass sie sich nicht eingemischt haben.“

Schlaue Infos auf einen Blick: Bulgarien/Schwarzmeerküste in der Region Balchik

BlackSeaRama Golf & Villas
Gary Player Signature-Course
Par 72, 4.662–6.648 Meter

Lighthouse Golf Resort
Ian Woosnam Signature-Course
Par 71, 4.816–6.170 Meter

Thracian Cliffs
Gary Player-Design
Eröffnung 2009

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Tipps, wenn Golf mal Pause macht

„Queen’s Winery House“
In der Vinothek im Schloss Balchik verwirklichte Anna Koleva mit der größten privaten Weinsammlung ihren ­Jugendtraum. „Um den herrlichen bulgarischen Wein für alle fühlbar zu machen“, wie sie sagt. Besucher lädt sie zur Gratis-Verkostung ein und präsentiert dabei stolz Schätze ihrer Sammlung, wie einen 1876er-Jahrgang. Einfach vorbeischauen und kosten!

Restaurant Dalboka
Geschmacklich hervorragende Speise-Variationen der einzigen Muschelfarm der nördlichen bulgarischen Schwarzmeerküste in der enorm steilen Dalboka-Bucht.

Reiseinfos
Die AUA fliegt täglich (tw. in Kooperation mit Bulgaria Air) von Wien nach Varna; Flugzeit circa 1,5 Stunden; Preis circa 300 Euro. BlackSeaRama bietet günstige Kennenlern-Pakete (Greenfee und Unterkunft) an.
Kontakt: Simon Klausner, Tel.: +359/888/60 85 40, simonklausner@gmx.at

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