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Auf Mallorca erleben Biker mit Golfambitionen aufregende Urlaubstage: Der Harleyverleih im Robinson Club Cala Serena macht’s möglich.

Aus Golfrevue 1/2007

Robert Sperl tankte voll und griff nach den Eisen.Michael empfängt mich strahlendem Lächeln und einem Händedruck, den sich meine Rechte zwei Tage merkt. Der Bursche ist ein Baum von einem Kerl, Schultern ausladend wie ein Bauernschrank.

Das orangefarbene Leiberl ächzt, während es seinen Oberkörper bändigt. Originell auch seine Halskette, Betonung auf Kette, weil massiv genug, um in Großstädten Fahrräder diebstahlsicher an Laternenpfahle zu fesseln. Weil Michael der Tourguide des Harley-Davidson-Verleihs im Robinson Club in Cala Serena ist, schreibt er sich Majk. Das sieht cooler aus, wenn man faden Menschen wie mir tageweise Lebensart auf zwei Rädern vermietet. „Schon einmal mit einer gecruist?“ fragt Majk und der Schlüssel der mir zugedachten Harley verschwindet in seiner Handfläche wie ein Mäuschen im Loch. Nun ja, das ist eine Zeitlang her, gestehe ich, aber nach ein paar Kilometern werden meine verkümmerten Instinkte sicher wieder auftauchen, mach dir keine Sorgen Majk, ich werde das Ding schon schaukeln.

Vorerst schaukelt es mich: Mein Untersatz heißt Heritage Softail Classic, 350 Kilo Lebendgewicht, eineinhalb Liter Hubraum, 70 PS stark und der Inbegriff des American Way of Drive. Majk rangiert den Riesen wie ein Moped, ich hingegen wirke etwas verloren auf diesem Schlachtschiff, trotz ausgestopftem Motorradanzug. Mir graut schon jetzt ein wenig vor den mallorquinischen Gasseln und das an der Beifahrerrückenlehne festgezurrte Golfbag wirkt (obwohl vollgestopft mit Golfzeug zum Umkleiden) so zierlich wie die Botanisiertrommel eines Schmetterlingssammlers.

Schmetterlinge, gutes Stichwort. Mit dem Elektrostarter wirft ein Harley-Reiter nicht nur den voluminösen V2-Motor an, sondern weckt auch die Schmetterlingsherde in der Magengegend. Kupplung, erster Gang, raustuckern aus dem Robinson-Club, Fahrt aufnehmen und die Nase in Richtung des nächsten Golfplatzes ausrichten.

Laut und Leise

Urlaub machen im Robinson-Club Cala Serena auf Mallorca ist bereits ohne Harley eine lohnende Sache. Auf der einen Seite das komplette Angebot, wie es der routinierte Tourist bereits beim Hören des Appendix CLUB vermutet, von A wie all inclusive beim Essen & Trinken bis zu Z wie Zimmer mit Meerblick. Dazwischen Sport in allen Varianten (inklusive Golf-Driving-Range), Freizeitprogramme (etwa ein ARTelier für musische Naturen), Beauty, Sauna und was weiß ich nicht noch alles. Wen das Wort Club auch an honigsüße Animateure, Pfadfinderlager, Einkaufsfahrten per Bus und geführte Wanderungen gemahnt: Nein, auch ausgeprägte Individualisten kriegen hier eine faire Chance, ihr Glück zu finden. Man kann sich betreuen und bemuttern lassen, muss aber nicht.

Und dann ist da die Sache mit den Harleys: Selbst wenn sich die Golfplätze der Insel per Leihwagen komfortabler ansteuern lassen (und in Summe preiswerter), wollen doch einige von uns möglicherweise verblasste Zweiraderinnerungen im Urlaub auffrischen. Die Nase in den Wind stecken, Tempo spüren, sich vom Fahrtwind durchbeuteln lassen, passiv von good vibrations des mächtigen Murls zwischen den Beinen aufwärmen lassen, dann in einer Pause eine Golfrunde anhängen und hinterher gemütlich ans heimatliche Lagerfeuer schlurfen, zum Abendessen in den Club: Welcher Mann hat nach so einem Tagwerk nicht das Gefühl, sich auf geradezu archaische Art bewährt zu haben, in der Art von Saurierjagd und Befreiung eingekerkerter Jungfrauen.

Fairways und Straßen

Mallorca ist ein gutes Geläuf für Golf&Bike, aus mehreren Gründen und bei Beachtung gewisser Grundregeln. Da für die Baleareninsel ähnliches gilt wie für Wien (… ist am schönsten ohne Menschen…), braucht es die korrekte Reisezeit: Von September bis November (da lässt es sich noch Baden) bzw. Februar bis Mai (Mandelblüte!) sind Touristen noch Mangelware, die Straßen eher leer, die Golfplätze noch bzw. schon wieder in Ordnung.

Vor der Haustüre von Mitteleuropa, zwei bis drei Flugstunden von den wichtigsten Hauptstädten entfernt, ist Mallorca dann eine feine Golfinsel, deren Entwicklung noch lange nicht abgeschlossen ist. Aktuell gibt es etwa zwei Dutzend Plätze, doch es wird geplant und ausgebaut. Es ist ein Vorurteil, dass Wassermangel einem Ausbau der Golfinfrastruktur hinderlich ist: Die Golfplätze werden nahezu ausnahmslos mit recycliertem Abwasser gegossen und das gibt’s reichlich. Auch Flächen für neue Projekte sind genügend vorhanden, weil sich Golf als intelligente Form der Landwirtschaft etabliert hat.

Die gute Nachfrage wirkt sich netterweise nicht zu sehr auf die Greenfees aus: Sommertarife von 45 Euro (Capdepera) sind möglich, die breite Mitte kostet das Jahr über um die 75, im Club des Österreichers Peter Porsche, Alcanada, kommt eine Runde heuer auf 105 Euro (ist jeden Cent wert). Der European-Tour-Platz Pula ist mit bis zu 125 Euro deutlich überbezahlt (keine gute Wiese), der in Kürze eröffnete Club Son Gual bildet mit 150 Euro die Spitze.

Dass der Robinson Club Cala Serena an der Ostküste liegt, macht für Biker die Plätze der näheren (Vall d’Or, zehn Minuten) und halbweiten Umgebung (Capdepera, Pula, Canyamel, Son Severa, eine Stunde) am interessantesten. Nach Palma und damit zu den Anlagen von Santa Ponca I/II, Andratx, Son Termens, Son Gual, Maioris, Puntiro, Bendinat und Poniente hat man gut 100 Kilometer zu rechnen – wobei die Anreise durch eine etwas fade Gegend führt. Aber man ist ja einfallsreich: Wer sehr früh losfährt und seine Runde gegen Mittag bereits beendet hat, kann Richtung Insel-Westseite dschundern, dort in die Bandelwurm-Bundesbergstraße C710 Richtung Norden einsteigen und bis nach Pollenca (auch da gibt’s einen Golfplatz) strömen.

Je nach Tempo und angestrebtem Lustgewinn sind das rund zwei Stunden Freude (fürs Hirn) und Stress (für die Arschbacken). Von Pollenca geht es über Alcudia (hier liegt Golf Alcanada) und das Landesinnere (Generalrichtung Manacir/ Felanitx) retour nach Cala Serena (macht weitere zwei Stunden Hetz). Sie haben natürlich mitgedacht: Wir können die Runde auch verkehrt herum starten, mit Golf in Alcanada und via Pollenca, die C710er und Palma den Tag amüsant ausglühen lassen.

Mit Urlaub hat das natürlich nix mehr zu tun, das ist schon gepflegter Masochismus, der unser Herzerl in den roten Drehzahlbereich bringt. Und Obacht: Es soll Menschen geben, die nach so einer urlaubsflotten Eisenpartie zu Hause ihre Jahre lange Motorradabstinenz so hurtig aufgegeben haben wie einen Outball. (Mit Golf haben sie deswegen aber nicht aufgehört.)

Schlaue Infos auf einen Blick: Golfen & Biken auf Mallorca

Anreise/Arrangements: Selbstbucher fliegen per Niki/Air Berlin von Wien/Salzburg/Linz nach Palma (ab 49 Euro) bzw. mit Lauda Air oder AUA. Fertige Pakete bietet die Robinson-Mutter TUI für den Robinson Club Cala Serena (Grundpreis inklusive Flug ab Wien/Linz/Salzburg je nach Saison ab etwa 1000 Euro/Person, gilt noch im Frühling) sowie die Golfspezialisten (etwa Kuoni/Golfreisen mit Schwung, Gruberreisen Graz). Clubfremde können sich dennoch in das Bike-Programm einklinken.

Hotel: Der Robinson-Club Cala Serena an der Cala d’Or (eine Autostunde von Palma) ist das perfekte Trampolin, um vor allen den Osten der Insel zu genießen.

Motorradfahren: Der Harley-Davidson-Verleihstützpunkt in Cala Serena bietet fünf verschiedene Harley-Modelle, die für Halbtages- (110/140 Euro) bzw. Ganztagestouren (190 Euro) gemietet werden können. Im Preis inkludiert sind Harley-Shirt, Versicherung, Benzinkosten und Fahrerausstattung. Spezielle-Touren gegen Vereinbarung. Weitere Informationen unter Tel.: 0034/636/24 17 71 (Majk Faust).

Voll auf Golfkurs: Das golferische Pflichtprogramm auf Mallorca umfasst unserer Meinung nach  mindestens zehn Fixpunkte:

Capdepera Golf:
Gute Mischung aus Spielbahnen an einem felsigen Berghang und in der Ebene. Gepflegt, nicht allzu schwierig (18 Loch/Par 72, 4726 bis 5890 Meter) und ein Klassiker für Mallorca-Urlauber. Greenfee 45 bis 72 Euro.

Golf Park Mallorca/Puntiro bei Palma:
Eher kurze, nicht all zu schwierige und deswegen vergnügliche Nicklaus-Wiese (18 Loch/Par 71, 4530 bis 6027 Meter) mit ansprechender Infrastruktur (Clubhaus/Range/ Pro-Shop). 60/75 Euro.

Son Gual/Palma:
Unter der Einflugschneise des Flughafens, wird aber ein aufwendig geshaptes Musterstück (Design Thomas Himmel/D, 18 Loch/ Par 72, 4880 bis 6514 Meter). Eröffnung noch im Frühling. 150 Euro.

Golf Maioris/Palma:
Nagelneuer Platz (18 Loch/Par 72, 5622 bis 6595 Meter) an der Küste außerhalb von Palma. Flach, weitläufig, etliche Doglegs, wenig Wasser, viele Bunker. Soll bald als Privatclub geführt werden. 80 Euro (Montag bis Freitag).

Son Termens Golf Club/Palma:
Ökologisch bestimmte Anlage (18 Loch/Par 70, 4510 bis 5582 Meter) zehn Kilometer von Palma. Fairways verlaufen zum Teil eng nebeneinander, die Grüns sind die besten der Insel. 68 Euro.

Golf de Andratx:
Üppiger 18-Loch-Platz (Par 72, 5341 bis 6499 Meter) mit hinreißenden Ausblicken. Spielerisch eine Herausforderung, ohne Cart nahezu unbezwingbar (deswegen ist ein solches obligatorisch, 20 Euro). 80 Euro.

Santa Ponsa I:
Einer von drei Plätzen in Santa Ponsa (die anderen beiden sind vorrangig für Hotelgäste gedacht). Lang und weitläufig (Par 72, 5241 bis 6543 Meter), deshalb ein echtes Vergnügen. 68 Euro.

Son Vida:
Ältester und traditionsreichster Inselclub (1964 von Fürst Rainier von Monaco eröffnet) im Vorgarten des ArabellaSheraton Golfhotels nahe Palma. Der Platz (18 Loch/Par 71, 4738 bis 6601 Meter) kombiniert flache, weitläufige Bahnen mit skipistenähnlichen Fairways (na so schlimm ist es auch wieder nicht). 70 Euro.

Golf Vall D’Or/Cala d’Or:
Prächtige Aussicht egalisiert das Schweiß treibende Platzlayout, das in der ersten Hälfte zwischen Rauf und Runter oszilliert. Weil nicht unschwierig, sollte man den 18-Loch-Platz (Par 71, 4767 bis 5539 Meter) nicht unbedingt als Inselpremiere spielen.

Club de Golf Alcanada/Alcudia:
Der Porsche unter den Mallorca-Clubs und das nicht nur, weil Peter Porsche hinter der 18-Loch-Anlage (Par 72, 5241 bis 6499 Meter) steht. Erdacht von Robert Trent Jones sen. und jun., gelegen an einem der schönsten Zipfel im Nordosten der Insel (mit Blick auf einen Leuchtturm) und von der Türschnalle des Clubhauses bis zum letzten Grün akkurat gepflegt: Dickes Plus! 105 Euro.

Weitere Golfinfos und Webadressen der übrigen Clubs:
www.mallorcaonline.com und www.mallorcagolf.info

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