Golf zum Spartarif [0]

Malaga und die Costa del Sol sind seit Jahren „Mainstream“ Golf-Destinationen. Wer aber ostwärts fährt, betritt das Golf-Niemandsland Costa Tropical und die Region Granada.

Aus Golfrevue 7/2007

Kaum zu glauben, aber am Küstenabschnitt ­zwischen Malaga und Almeria kann man Golf­anlagen noch an einer Hand abzählen. Manch spanische Fünf-Seelen-Dorf bietet mehr „Holes“ als die Gegend um Motril – die Costa Tropical. Das ­Fehlen der gepflegten Rasenflächen hat aber auch hier die Spanier nicht davon abgehalten, nach und nach die Hügeln an der Küste zu erobern und mit Apartment­anlagen zu überziehen. Die Golfplätze von Santa Clara Golf, am Stadtrand von Granada und Los Moriscos an der Playa Granada, sind die Wasserstellen für den Zug durch die Golfwüste und warten mit einer selten gewordenen Spezialität auf, nämlich einem mehr als fairen Preis-­Leistungs-Verhältnis sowie einer unproblematischen Startzeiten­reservierung zur Wunschzeit.

Jetzt spielt’s Granada.

Na das kann was sein, denken sie jetzt? Nur keine Vorurteile, Santa Clara Golf ist gegen eine Spielgebühr von rund 40 Euro (siehe Servicekasten) zu umrunden und eine echte Challenge. Mit maximalen 6.598 Meter ist es auch nicht die kürzeste Wiese. Jede Menge Gräben und „blind shots“ fordern gleich ab dem ersten Loch volle Konzentration und eine genaue Positionierung der Bälle. Die 18 Spielbahnen sind abwechslungsreich und einige kürzere Par-4-Holes laden zur Attacke ein. Die Par 3s sind durchwegs eher länger und gut verteidigt. Optisch beeinflusst wird das Spiel von der nahen Sierra Nevada, die einem beinahe ständig entgegen lacht. Jedoch leider nur beinahe, ist der Blick doch, speziell auf den ersten neun Löchern, oft von architektonisch bedenklichen und sehr eng aneinander stehenden Reihenhäusern getrübt. Der hintere Umlauf liegt etwas erhöht, ist noch „häuschenfrei“ und bietet schöne Fernblicke. Die, an den Fairway-Außenseiten, angelegten Straßen und Laternen kündigen jedoch weitere Bauwut an. Den Kurs selbst betrifft das allerdings weniger, da die Bebauung an den Platz-Außengrenzen passiert. Wem nach der Runde nach ein wenig Entspannung ist, der hat im clubhauseigenen Wellnesscenter die Gelegenheit, in Sauna und Dampfbad oder an Fitnessgeräten zu schwitzen.

Für alle, die es eher mit der Kultur halten, sei ein Ausflug in die Altstadt von Granada und zur meistbesuchten Sehenswürdigkeit Spaniens, die Alhambra (eine Maurische Festung und Herrschersitz), ans Herz gelegt, was sich mit einer frühen Startzeit gut verbinden lässt. Aber Achtung: Die Stadt und der Golfplatz liegen auf ca. 700 Meter Meereshöhe, was im Frühjahr zu morgendlicher Gänsehaut führen kann. Die Nähe zur Sierra Nevada bietet auch die Möglichkeit zu einer Ski- und Golf-Kombi. Bis weit ins Frühjahr, so es die Schneelage erlaubt, kann man auf den Hängen der Sierra Nevada am Vormittag „Bogerln“ fahren und am Nachmittag golfen. 1995 musste hier die WM abgesagt werden und wurde ein Jahr später abgehalten. Ein gewisser Herr Ortlieb aus Österreich war damals der Schnellste bergab.

Vergnüglich für kurz & lang.

Die Runde Golf sollte man dann vielleicht auf die ca. 35 Minuten entfernte Anlage von Los Moriscos verlegen. Der direkt am Meer gelegene 18-Loch-Platz ist wettersicherer und ab 36,50 Euro mit seinen eher kürzeren und absolut flachen Bahnen eine gemütliche Alternative, die Spaß macht. Die meisten Grüns sind auch für High-Handicapper gut in Regulation zu treffen. Jedoch die Nähe zum Wasser und sein offenes Design machen den Wind zum Mitspieler, der die Sache recht knifflig werden lässt. Los Moriscos ist, entgegen dem ersten Eindruck, abwechslungsreicher als es scheinen mag und ein gutes Shotmaking-Training. Man steht oft zwischen der Entscheidung von Hazard oder Taktik. Die Bahnen sind teilweise recht eng und bis auf wenige Ausnahmen nicht allzu lange. Die möglichen kniffligen Fahnenpositionen tragen das ihre dazu bei, den Kurs spannend zu gestalten. Besonders gut gefallen haben uns auch die Clubhausterrasse und das Clubrestaurant. Direkt am Strand gelegen, kann man hier die Runde mit gepflegter Kulinarik verarbeiten.

Wenn man in Los Moriscos – übrigens spanisch für kleine Mauren, die hier ebenso heimisch waren – von unmittelbarer Nähe zum Resort spricht, ist das im Fall des Robinson Clubs wortwörtlich. Um von der zweiten Spielbahn zur dritten zu gelangen, muss man an den Sonnenanbetern am Clubstrand vorbei, um zum nächsten Abschlag zu kommen. Sollte man also zum Beispiel seine Sonnenbrille im Zimmer vergessen haben – kein Problem – die können Sie holen, ohne das Spiel zu verzögern. Die weiteren Löcher führen dann hinter dem Hotel wieder zurück zum Clubhaus. Das bietet die Möglichkeit, am Abend oder vor der Abreise noch ein paar Löcher zu spielen und bei Bedarf jederzeit abzubrechen.

Es wird schon fleißig an zwei weiteren 18-Loch Kursen geplant, die aber noch der Genehmigung der spanischen Behörden bedürfen. Das Land ist bereits vorhanden und gehört ebenfalls den Besitzern von Los Moriscos. Apropos Robinson, der Platzhirsch in Playa Granada punktet vor allem mit gediegener Ausstattung und überschaubarer An­lagen-Größe weit entfernt von All-Inclusive Megaclubs. Das spanische Tapas-Spezialitätenrestaurant hat uns einen besonders netten Abend beschert. Der Club ist auch ein guter Ausgangspunkt für Sightseeingtouren, die laufend angeboten werden und versteht sich als Sport- und Wellness-Spezialist. Der öffentliche Strand ist allerdings nicht ganz tropical, da sehr naturbelassen und steinig. Robinson hat schon längst die touristische Wertigkeit des Spiels über 18 Löcher entdeckt und bietet auf 13 seiner 21 Anlagen Golf in unmittelbarer Nähe als Spezialität. 2008 dürfen sich Robinson Gäste über zwei neue Resorts in Marokko und Portugal freuen.

Zurück am Weg zum Malaga-Airport, kommen wir noch direkt an der Anlage von Baviera Golf vorbei. Ein 18-Loch Platz, der vom spanischen Ryder Cup Spieler Jose Maria Caizares mitdesigned wurde. Direkt am Meer gelegen, darf man sich am Resortkurs um schlanke 47 Euro vergnügen. Preise, die man auf der West-Seite von Malaga, also der Costa de Sol, kaum noch findet.

Ähnliche Artikel aus dem Archiv

Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar