Besuch beim Zlatorog [0]

Anfang der 1990er-Jahre hat sich unser Nachbar Slowenien aus dem kommunistischen Jugoslawien heraus geschält. Auf seiner Rundreise lernen wir ein Land kennen, das mit Recht stolz auf seinen Werdegang ist.

Aus Golfrevue 2/2008

alt

Die Vignette, die ich mir am Grenzübergang an die Windschutzscheibe kleben muss, wandert für 35 Euro über den Ladentisch. Sechs Monate ist sie dafür gültig. Auf meinen fragenden Blick und das Argument, ich bliebe nur vier Tage, hat die Kassiererin der Autobahnraststätte ein besseres auf Lager: Auch für nur einen Tag würde sich diese Investition lohnen. Eine Gewinn bringende Anlage ist auch mein slowenischer Sprachführer (die Dame an der Kassa war einfach ein Verkaufsgenie), der Folgendes verrät: Das Slowenisch weist neben sechs Fällen (da werden selbst Lateiner blass) eine weitere Besonderheit auf: Beim Haupt- und Eigenschaftswort gibt es ­neben Einzahl und Mehrzahl auch die Zweizahl. Ein Beispiel gefällig? Lepa hiša ist das schöne Haus, lepe hiš die schönen Häuser, ja und wenn Sie nun sagen wollen, dass die zwei Häuser schön sind, heißt das lepi hiši. Alles klar? Hvala lepa, schönen Dank. Was dem Büchlein aber fehlt, ist Praxis­nähe, schließlich gilt es für mich, Schlösser mit Golfplatz-Anschluss zu erkunden, und beim Wort „Schloss“ bockt der Führer.

Apropos bocken: Am Triglav, dem höchsten Berg der Julischen Alpen und auch Slo­weniens, lebt der Sage nach das bekannteste Fabelwesen unseres Nachbarn, der Zlatorog. Der weiße Gamsbock mit seinen goldenen Hörnern soll dort in den Bergen einen Goldschatz bewachen. Falls Sie ihn wider Erwarten zu Gesicht bekommen, eine kleine Warnung: Der Zlatorog darf natürlich nicht gejagt ­werden. Wohl aber Birdies oder Eagles, womit wir endgültig mitten im Thema und auch in Slowenien angekommen sind.

Grad Otočec – königliches Residieren mitten im Fluss

alt

Und rechtzeitig fällt es mir ein: Grad ist die Burg oder das Schloss, und jenes von Otočec ist nur wenige Minuten vom gleichnamigen Golfplatz, ­idyllisch auf einer Insel im Krka-Fluss, rund 20 Autominuten südlich von Laibach, gelegen. Das 2007 komplett renovierte Haus ­gehört zum Thermalzentrum der Region um Novo Mesto, der Terme Krka. Drei Thermalbäder in Šmarješke, Dolenjske und Strunjan (Letzteres etwas weiter entfernt bei Portorož an der Adria) bieten von anerkannten Heilquellen über Wellness bis zu medizinischen Diagnose- und Rehabilitationsprogrammen ein breites Spektrum in Sachen Gesundheit und Wohlbefinden.
Als Willkommensgruß kredenzt mir Katja, die reizende Repräsentantin der Therme und des Schlosses, einen Cviček. Meine Herren, da friert einem kurz das Lächeln auf den ­Lippen: Der laut EU-Sondergenehmigung nur hier, in der Dolenjska-Region, kelterbare und erhältliche Mischwein aus vergorenem Rot- und Weißwein, gibt sich optisch zwar zart­rosé, ­geschmacklich hat er es faustdick hinter den Reben. Würden wir ihn sauer nennen, täten wir ihm unrecht, aber anders lässt sich der Geschmack nicht beschreiben. Das sei der ­geringe Restzucker, lächelt Katja, und der Wein werde vor allem im Sommer als Er­frischungsgetränk gereicht.

 

alt

Demnach bestens erfrischt, eröffnen wir den Reigen der Golfkurse – Slowenien hält derzeit bei zehn – mit dem jüngsten und gleichzeitig dem vermutlich besten unseres Nachbarn. Golf Grad Otočec ist seit heuer auf 18 Loch bespielbar und imponiert einerseits durch sein abwechslungsreiches Geläuf sowie die Landschaft rundum. Von Loch 5 (Par 3, 114–162 Meter) zum Beispiel hat man einen tollen Blick auf das Gorjanci- Gebirge, mit 1.100 Metern die höchste Er­hebung der Region Dolenjska. Was aber wäre ein vernünftiges Gelände ohne einen ebensolchen Designer, der die Fairways gekonnt einzuweben weiß? Howard Swan heißt der Experte, der so kühne Sätze sagt wie „Die Her­ausforderung ist es, den Golfplatz so sanft wie möglich in die Natur zu betten“ und das unter anderem mit Otočec auch beweist.
Passend dazu präsentiert sich der 18-Loch-Platz schon früh in einem ausgezeichneten Pflegezustand, wie Swan den Greenkeepern überhaupt einige Extraaufgaben zurückgelassen hat: etwa die mächtigen, knifflig ondulierten Grüns – allein jenes von Loch 18 misst fast 1.000 Quadratmeter. Sechs kleine und mittelgroße Seen, ausreichend Abschläge auf ausladend großen Tee-Boxen: Loch 9 (Par 3) zum Beispiel spielt sich von 104 bis 202 Meter, je nach Lust und Können.

Golf Igrišče Grad Mokrice

alt

Zweites Schmuckstück der Region ist der Golfplatz Mokrice, nahe der Grenze zu Kroa­tien. Direkt am gleichnamigen Schloss meißelte Designer Donald Harradine den atemberaubend bewegten Golfplatz vor 15 Jahren in die Landschaft und weihte die Besucher vor allem in die hohe Kunst des „Fliegens“ ein: Rund die Hälfte der Löcher spielt man nämlich mehr oder weniger steil bergab. Aber keine Sorge, es gibt nur ein Loch (17), das bergauf gespielt wird.

Das Highlight – und ein echt aristokratisches Picturehole ist Loch 10 (Par 3, 105–146 Meter), wo man vom Tee bergab direkt in den Schlossgraben spielt – das ist nicht nur für Slowenien einzigartig!
Mangels Fairway-Bewässerung kann der Platz im Sommer ziemlich trocken sein (was zumindest die Bälle weiter rollen lässt), doch das Schloss und die Gegend rundherum ­machen den Platz dennoch empfehlenswert. Nicht zuletzt werden einige kuriose Design-gustostückerln lange in ­Erinnerung bleiben: Loch 5 (Par 4, 239–285 Meter) zum Beispiel ist nur mit einem exakten Schlag in den Knick des 90-Grad-Doglegs zu knacken. Dahinter kommt Wasser und davor sind die Bäume des Englischen Parks, die aus Naturschutzgründen nicht gefällt oder gestutzt werden dürfen.

Golf Livada – Moravske Toplice

alt

 

Livada, eine neue Slowenisch-Vokabel. Es bedeutet so viel wie Au (also die Au-Landschaft) und ist der Name des dritten Golfplatzes auf meiner Rundreise in Moravske Toplice, nur wenige Kilometer von der Grenze zu Österreich, nahe Bad Radkersburg. Der Platz erstreckt sich um den riesigen Komplex der Terme 3000 mit zwei Tophotels und einem 5.000 Quadratmeter großen Thermalwasserbereich mit über 20 Becken.
Der Golfplatz spielt sich zwar pannonisch flach und hält sich designmäßig zurück, doch etliche Wasserhindernisse (ohne Thermalwasser) und großzügige Baumanpflanzungen (die in ein paar Jahren ihre jugendliche Harmlosigkeit ablegen) sorgen für Aufmerksamkeit auf der Runde. Der Platz hat sich als Spielwiese für die golfenden Gäste der Therme von drei Loch (1998) auf 12 und dann auf 18 (2004) in Etappen weiterentwickelt und hält bei allem Spaß auch die eine oder andere sportliche Herausforderung parat: etwa das mit 518 bis 596 Metern längste Par 5 des ­Platzes – und ganz Sloweniens! Und nach der Runde sollte bei einer Auswahl von 20 Becken für jeden Wellness-Fan etwas dabei sein. Einzigartig in Moravske Toplice ist übrigens das „schwarze“ Thermalwasser: Das ist nicht nur trüb und duftet leicht nach Erdöl (schmeckt aber salzig und nicht nach Benzin), sondern ist vor allem heilsam – für die Durchblutung und die Nerven.

Golf & Country Club Bled

alt

27 reizvolle Löcher warten in Bled, davon 18 ganz ohne Wasser auf dem „Castle Course“ und neun auf dem „Lake Course“ (Foto), der mit drei Seen seinem Namen gerecht wird.

Königlich wird es, nenazadnje würden wir Slowenen sagen, im Golfclub Bled, der nach wie vor zum besten südlich der Alpen gehört und ein echter Pflichtermin ist. Der 72 Jahre alte „King’s Course“ – die Königsfamilie ließ den Platz 1937 errichten – ist die Wiege des slowenischen Golfsports. Spätestens nach dem Umbau (1972 durch Donald Harradine) fasziniert der Platz nicht mehr nur durch die malerische Umgebung, sondern auch durch sein selektives Championship-Design und den prächtigen Platz­zustand. Für Letzteren sorgt übrigens seit einigen Jahren ein Österreicher, Ex-Linz-Feldkirchen-Manager Gerry Jekl. Besonders eindringlich bleibt Bahn 16 (Par 5, 401–497 Meter) im Gedächtnis, ein Dogleg mit einem wuchtigen Baum samt großem Bunker rundherum, der jeden schlechten Versuch des Abkürzens straft. Belohnt wird man dafür mit dem vielleicht prächtigsten Ausblick auf die Karawanken (fast) gleich hinter dem Grün. 1993 erhielt die Anlage in Bled mit dem „Lake Course“ neun weitere Löcher, die – im Gegensatz zum königlichen großen Bruder – mit viel Wasser, genau genommen drei Seen, aufwarten.

Dobre dan, Slovenja!

Bei so viel Gastfreundschaft sollte mir der Sprachführer bei der standesgemäßen Verabschiedung in Slowenisch zur Hand gehen. Doch ich dürfte mich in Aussprache und Betonung vertan haben, Allein das schallende Lachen von Katja hat aber die Investition in das Büchlein gerechtfertigt. Na svidenje Slovenja!

Schlaue Infos auf einen Blick: Best of Golf in Slowenien

Slowenien hat circa 8.000 Golfer, rund 35 Golfclubs und zehn Golfplätze. Allgemeine Tourismus-Infos: www.slovenia.info

Golf Grad Otočec
18 Loch, Par 72, 4.946–6.189 Meter

Golf Igrišče Grad Mokrice
18 Loch, Par 71, 5.038–5.785 Meter

Golf Livada – Moravske Toplice
18 Loch, Par 72, 5.279–6.236 Meter

Golf & Country Club Bled
18 Loch, Par 73, 5.332–6.256 Meter
9 Loch, Par 36, 2.522–3.047 Meter

Ähnliche Artikel aus dem Archiv

Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar