Italien

Ein See zum Verlieben [0]

Weiße Villen, blaues Wasser, Weinberge und bunte Ortschaften verkünden gleich hinter den Alpen im Nachbarland Italien unisono die sommerliche Botschaft: Ihr seid im Süden angekommen! Katharina Wieser wagt sich auf unbekanntes Terrain, kostet vom Dolce Vita und teet auf den schönsten Fairways rund um den Gardasee auf.

Aus Golfrevue 5/2007

Als gebürtige Kärntnerin sollte man Italien eigentlich wie seine zweite Heimat kennen. Umso schwerer fällt es mir zuzugeben, dass mich meine jugendlichen Italienbesuche nie über Venedig hinausgeführt haben. Meine so gesehen jungfräuliche Reise zu italienischem Golfboden beginnt in Mailand, der – wie ich bald lerne – heimlichen Hauptstadt Italiens, Metropole des arbeitsamen Nordens, der dem italienischen Sprichwort „Mailand macht das Geld, Rom gibt es aus“ stets nachkommt. Trotz dieses Arbeitseifers wirken die Milanesen, die ich im Golf Club Milano treffe, sehr entspannt und genießen ihre „Stadtgolfrunde“ auf dem traditionsreichen Parkland-Kurs, der nur wenige ­Kilometer vom Stadtzentrum entfernt im Parco di Monza direkt neben der Formel 1 Rennstrecke liegt.

Der Club, zwischen 1951 und 1990 sechsmal Austragungsort der Italian Open, feiert heuer mit zahl­reichen Jubiläumsveranstaltungen und ­Turnieren sein 80-jähriges Bestehen. Als Österreicherin bin auch ich herzlich willkommen, denn immerhin residierte hier früher der österreichische Kaiser, der aber nachweislich noch nicht golfte. Enge Fairways und gut bewachte Grüns prägen die insgesamt 27 Bahnen, von denen einige – parallel zur Rennstrecke gelegen – auch das Formel-1-Feeling mit ins Golfspiel ­mischen. Bereits am ersten Abschlag bekommen wir einen Vorgeschmack auf die weitere Runde. Enge Doglegs, die sich stark nach rechts oder links neigen, Fairways, von dichten Baumgruppen bewacht, so dass man eher das Gefühl hat mitten in einem Wald und nicht in einem Park abzuschlagen. Ein Blick auf die durch Bunker gut bewachten Grüns genügt und wir kontrollieren nochmals, ob wir das Sandwedge auch sicher ins Bag gesteckt haben, ehe wir auf Loch eins, einem 455 bzw. 411 Meter langen Par 5 unser italienisches Golfvergnügen beginnen. Auf diesem Loch können Longhitter das Grün zwar mit dem zweiten Schlag erreichen, werden aber – um der Bunker-Experience zumindest auf diesem Loch noch zu entgehen – taktisch eher zum 5er Eisen und Pitching Wedge greifen. Ebenso gut bewacht ist Loch 8 (Par 4, 366/322 Meter), ein ausgeprägtes Dogleg nach rechts, wo die zahlreichen kleinen Bunker jeden unserer Bälle rund um das Grün mit Leichtigkeit fangen. Auf den restlichen zehn Spielbahnen folgen noch vier weitere stark ausgeprägte Doglegs, die Mut zum Abkürzen fordern und uns in Grünnähe wichtige Bunkerlektionen erteilen. Einen schönen, wenn auch nicht einfachen Abschluss ­bildet Loch 18 (Par 4, 407/353 Meter), wo mich der Wald zum letzten Mal auf ­einen kurzen Ballsuch-Spaziergang einlädt und ich mir im linken Grünbunker selbst einige Trainingseinheiten verordne.

Während wir uns beim Golf eher in englischen Gegenden wähnten, holen uns die Gourmet-Meisterwerke im Clubrestaurant sofort wieder ins „Dolce Vita“ zurück. ­Bogeys und Doppelbogeys sind bereits ­Geschichte, als mir die ersten handgemachten Gnocci auf der Zunge zergehen.

Platz mit Wettkampfstimmung.

Bevor wir uns ganz den verführerischen Grüns rund um den Gardasee hingeben, halten wir noch in Bergamo, wo die 27 Spielbahnen des L’Albenza Golf Club in Wettkampfstimmung auf uns warten. Ein Platz, auf dem sich unsere italienischen Golfkollegen besonders gerne matchen, erfahren wir an der Rezeption. Am ersten Abschlag verstehen wir sofort warum: Eingebettet in einen dichten Laub- und Nadelwald liegen vor der imposanten Kulisse der Alpen breite saftige Fairways soweit das Auge reicht. „Warum war ich noch nie da“, denke ich mir noch schnell, bevor ich mich ins Golfvergnügen stürze. Die Spielbahnen, stets ein leichtes Auf und Ab, sind fair, aber mit Teichlandschaften und sich durch die Fairways schlängelnden Flüssen fein gewürzt.

Schließe ich heute die Augen, sehe ich sofort Loch 8 des blauen Kurses, das ich bereits vor Ort zu einem der für mich schönsten Golflöcher gekürt habe. Mit 325/304 Meter ein eher kurzes Par 4, dessen Grün teils durch einen Teich, teils durch einen Fluss vollständig geschützt ist. Dahinter lauern zwei Bunker und knapp gestecktes Out, was einen präzisen Schlag aufs Grün erfordert. Das Schönste an diesem Loch ist aber die schmale Holzbrücke zur Überquerung des Baches, die einem das Gefühl gibt in eine eigene Relax-Zone einzutreten. Wem es weniger um das Gefühl und mehr um die Länge geht, wird von Loch 4 des roten Kurses herausgefordert, das vom gelben Abschlag insgesamt 547 Fairwaymeter misst. Eine Distanz, über die ich nicht länger nachdenke, denn ich fröne gedanklich schon meinem neuen Laster: „Gnocchi con burro e salvia“, und ein Blick auf das am Hügel liegende Clubhaus genügt um mich zu einer schnellen Rückkehr zu motivieren.

Zwei Gesichter.

Endlich am blauen Wasser des Gardasees angekommen, wollen wir das landschaftliche Terrain zuerst golftechnisch erkunden und treffen westlich von Sirmione mit Jack Nicklaus und Gary Player gleich zwei alte Bekannte, die zwischen den idyllischen Hügeln des Gardasees eindrucksvoll ihren Schriftzug hinterlassen haben. Jeder natürlich seinen eigenen, versteht sich, denn unterschiedlicher könnten die zwei Kurse des Palazzo Arzaga Golf Resorts nicht sein.

Jack Nicklaus haucht der italienischen Landschaft amerikanisches Golf-Flair ein, breitet seine 18 Loch großzügig rund um kleine Seen und Teiche aus und inszeniert so spektakuläre Licht- und Schattenspiele bei Sonnenaufgang und Abenddämmerung. Gary Player hat sein Layout ganz in die Hand des Hügellandes gelegt und so neun abwechslungsreiche Spielbahnen entworfen, bei denen sich Old Course Elemente dezent mit der Landschaft mischen. „Wir haben uns bewusst für diese beiden ­Designer entschieden, denn genau solche Gegensätze ziehen die Golfer an“, erklärt uns Golfdirektor Giancarlo Ercolin.

Noch immer von Gary Players neun Spielbahnen begeistert, fragen wir nach und ­erfahren, dass eine Vervollständigung auf 18 Loch bereits geplant wird. Beide Kurse haben mit dem angeschlossenen Fünfsterne-Hotel Palazzo Arzaga beste Gesellschaft, alle Golfsüchtigen können im ehemaligen Herrenhaus aus dem 15. Jahrhundert herrschaftlichen Unterschlupf finden.

Seensüchtig

Damit uns das Golf nicht ganz in den Kopf steigt, suchen wir Abkühlung und finden am Lago Di Garda, Italiens größtem See, ein „Meer im Gebirge“. Per Motorboot lassen wir uns von Padenghe nach Sirmione fahren und passieren die Insel del Garda – eine Schatzkiste mitten im See, die alle Völker, von den Römern bis hin zu den Longobarden, beherbergte. Sirmione selbst liegt am Ende einer vier Kilometer langen, markanten Halbinsel und ragt wie ein langer Schaft in den Gardasee.

Über eine Fußgängerbrücke erreichen wir die Altstadt und wissen sofort, dass wir im Eis-Epizentrum Italiens angekommen sind. Wir kämpfen uns durch Mengen von Stracciatella und Pistacchio in die engen Gassen der Altstadt vor bis wir im Girasole Restaurant typisch italienisches Ambiente finden und kommen der italienischen Aufforderung „Dolce far niente“, dem süßen Nichtstun“, ohne zu Widersprechen nach.  „Gnocci stehen heute leider nicht am Menü“, klärt mich die freundliche Kellnerin auf und wir genießen besten frischen Fisch. Da ich weiß, dass ich es auch auf dieser Italienreise nicht bis Verona schaffen werde, schlendere ich nach dem Essen noch ein wenig durch die Altstadt um mir ein Stück italiantà, in meinem Fall natürlich Schuhe, als Erinnerung zuzulegen.

In vino veritas.

Das auf einer Gletschermoräne zwischen Bergamo und Brescia liegende Franciacorta ist vor allem für seine 2000 Hektar große Rebfläche und den in der Region produzierten Schaumwein bekannt. Mitten in diesen Weinbergen liegt mit dem Franciacorta Golf Club auch ein wunderbares Stück Golferde.

Die 18 Spielbahnen führen rund um einen künstlich angelegten Teich entlang des Waldes die Weinhänge hinauf. Egal ob Dogleg (Loch eins) oder Inselgrün (Loch 5), auf den ersten Löchern kann mich nichts aus meinem lockeren Golf-Rhythmus bringen. Loch 6 bereitet mir dann aber meine jungfräuliche italienische Golfüberraschung. Das Par 5 ist mit 450 Meter nicht unbarmherzig lang, auch kein gefährliches Dogleg, sondern verläuft beinahe gerade. Erst nach dem Abschlag erkenne ich die Gefahr des Loches und verstehe die Bezeichnung „Hole in the wall“.  200 Meter vor dem Grün türmt sich eine fast zwei Meter hohe Wand über das gesamte Fairway, die Fahne ist noch immer nicht in Sichtweite. Mit dem festen Vorsatz, dieses Hindernis einfach mit Hilfe des 5er Holzes zu ignorieren, socketiere ich natürlich geradewegs Richtung Wandmitte. Weitere Eskapaden versuche ich mit dem Pitching Wedge – natürlich vergebens – zu vermeiden. Das Abenteuer endet damit, dass mein Ball zwischen Netz und Wand auf  einem Meter Höhe stecken bleibt und ich ehrfürchtig das nächste Tee aufsuche. Romantiker kommen auf Loch 11 ins Schwärmen, ein mit 120 Meter eigentlich einfaches Par 3, vor allem wenn das Wasser rund um das Tee und das Grün nicht wäre. Die vier Stunden mitten in den Weinbergen haben uns auf den Geschmack gebracht, nach so viel Augenschmaus wollen wir den berühmten Wein der Region auch selbst verkosten. Auf einem prächtigen Anwesen, weniger als 10 Kilometer vom Clubhaus entfernt, warten im berühmten Weinkeller von Guido Berlucchi rund 15 Millionen Flaschen bester Schaumwein. Sie sind die Früchte eines 40-jährigen Lebenstraumes, Schaumwein nach der Champagnermethode in Franciacorta zu erzeugen, den sich Franco Ziliani und Guido Berlucchi erfolgreich erfüllten. „A presto“ auf die wunderschöne Landschaft, der ich vom ersten Moment an verfallen war.

Juwel am See.

„Aussichtspunkte von bezaubernder Schönheit“, der Ruf von Gardagolf, 1997 und 2003 Austragungsort der Italian Open, holte uns schon seit Beginn der Reise beinahe täglich ein. So beschließen wir am letzten Tag diese Versprechungen zu testen und finden auf einem 110 Hektar großen Hügelland nahe dem See zwischen der Rocca di Manerba, dem Castello di Soiano und den Hügeln der Valtensi 27 Spielbahnen, die mit Zypressen, Olivenbäumen, Jahrhundertteichen, Mittelmeerpinien und Steineichen einen paradiesischen Auftritt hinlegen.

Schon am zweiten Loch, ein 145 Meter langes Par 3, kommt es zu ersten Spielverzögerungen. Der gesamte Flight zückt den Fotoapparat, denn vor uns schlummert ein sanftes Grün in der Morgensonne, umgeben von ruhigem Wasser, in dem sich die hohen Zypressen spiegeln. Schade, dass wir es gleich mit unseren Bällen wecken werden! Golfmühen werden auf Loch sieben belohnt: ein mit 291/255 Metern kurzes Par 4, dessen Grün allerdings vier großen Bunker effizient verteidigen. Schwierig wird es auf Loch 11, einem 470 Meter langem Par 5, das mit einem See rund 100 Meter vor dem Grün einen ­präzisen zweiten Schlag fordert. Loch 15 lässt unseren Blick nochmals vom Spielgeschehen in die Ferne schweifen, wo ein jahrhundert altes Schloss einen imposanten Platz gefunden hat. Zurück im Clubhaus genießen wir noch einen letzten Aperol Sprizz und sind uns einig, dass ein vorauseilender Ruf in Italien nichts Schlechtes bedeuten kann.

Aussicht auf Rückkehr

„Wie sehr wünschte ich meine Freunde einen Augenblick neben mich, dass sie sich der Aussicht freuen könnten, die vor mir liegt!“, schrieb Goethe bei seinem ­Besuch am Gardasee zwischen 1786 bis 1788 in sein Tagebuch. Und auch ich habe mich in die Landschaft, die Leute und das Essen verliebt. Letztendlich sind es nicht die Schuhe, sondern die Aussicht auf eine baldige Rückkehr, in meinem Fall natürlich mit Golfbag, die ich als Erinnerung mit nach Hause nehme.

Schlaue Infos auf einen Blick: Golf am Gardasee

Kursbuch Golf

Golf Club Milano (27 Loch)
Viale Mulini S. Giorgio, 7
20052 Parco Reale di Monza

L’Albenza Golf Club (27 Loch)
Via Longoni 12
24030 Almenno S. Bartolomeo

Palazzo Arzaga Golf and Spa Resort (27 Loch)
25080 Carzago di Calvagese della Riviera

Franciacorta Golf Club (18 Loch)
Via Provinciale, 34/B
25040 Nigoline di Corte Franca

Gardagolf (27 Loch)
Via Angelo Omodeo
25080 Soiano del Lago

Alle weiteren Informationen:

Bresciatourism
Piazza del Vescovato, 3 – Brescia
www.bresciatourism.it

Die Golfrevue Hoteltipps

Palazzo Arzaga Hotel Spa & Golf Resort*****
25080 Carzago di Calvagese della Riviera

Garda Golf Hotel****
Via Angelo Omodeo
25080 Soiano del Lago
Wurde 2010 umfangreich renoviert

Locanda Santa Giulia****
Lungo Lago Marconi, 78
25080 Padenghe sul Garda

Die beste Gourmet-Adresse

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