Rundreise mit Oscar [0]

Grün, Guiness, jede Menge feiner Schriftsteller, U2, The Dubliners und Golf sowieso: Irland lebt nicht von seinen Klischees, die Insel ist ein landgewordenes ­solches. Und wir packen unser Bag ein, unser Gälisch aus und durchkreuzen Èire ­ehrfürchtig im Namen des heiligen Patricks.

Aus Golfrevue 4&5/2005

Am Anfang steht das Guiness, Extra Stout, weil das ist das Original. Der Ort: Tempel Bar, das Ausgehzentrum ­Dublins. Der Grund: Einstimmen auf 14 Tage quer durchs Land, unterbrochen von Golfrunden, ganz im Sinne des Erfinders, also vorrangig ­heroisches Linksgolf. Vorher habe ich ehrfürchtig das Denkmal des ­guten alten ­Oscar Wilde heimgesucht, James Joyce, Samuel Beckett und Flann O’Brian (Experten kennen ihn auch unter seinem richtigen Namen Brian O‘Nolan) sind meine Begleiter im Handgepäck – in Buchform. Der I-pod ist prall gefüllt mit Ohrwürmern von U2 über Van Morrison bis hin zu The Dubliners. Auch das muss sein. Auf einen Crash-Kurs Marke „Riverdance“ habe ich aber verzichtet.
Weil der Ire an sich sozial hochgradig kompatibel ist, werden rasch Kontakte vorbei an den gälischen Sprachbarrikaden geknüpft, noch rascher gemeinsam gesungen. Man kann auch sagen, der Ire ist der Kärntner unter den Briten. Das Intensivieren des interkulturellen Austausches, beschleunigt durch ein paar Guiness, darf mittlerweile auch auf der Insel bis 3 Uhr morgens ausgedehnt werden. Früher mussten die Wirtsleute ihre Gäste um Mitternacht nach Hause schicken. Das Klingeln für die letzte Bestellung gibt’s noch immer. Ein deftiges Frühstück, rauh wie die See, verscheucht den Kater rasch, am Programm steht die erste Etappe hinüber nach Limerick, an die Südwestküste. Dublins famose Golfplätze nehmen wir am Nachhauseweg mit, wenn wir von Süden kommend die Ostküste hinauftuckern.

On the road.

Das Straßennetz wurde in den letzten Jahren zwar deutlich dichter gewoben – parallel dazu hat sich die Anzahl der Golfplätze während der ­letzten 15 Jahre beinahe verdoppelt –, dem Thrill der vorzimmerengen Landstraßen entkommt man trotzdem nicht. Wehe dem, dem sich ein Lastwagen in den Weg stellt. Da hilft oft nur mehr ­Zurückschieben bis zur nächsten Ausweichmöglichkeit.
Ein paar Kilometer südlich von Limerick dann das erste Aufeinandertreffen der eigenen golferischen Unzulänglichkeiten mit einem tour-kniffligen Kurs, den von Adare Manor – Parkland-Golf zum Aufwärmen. Prunkvoll zu Füßen des gleichnamigen Schlosses ausgebreitet, ­erinnert man sich rasch an die Dramen am letzten Loch, einem Par 5, das ein Graben kurz vor dem Grün zum hantigen Finale hochstilisiert. Unsereiner legt vor, keine Frage, der Ehrgeiz ist ein anderer.

Weiter Richtung Süden, entlang der Küste: Wir steuern Ballybunion, Dingle Bay und Waterville an, unsere ersten Menüpunkte aus der Linksgolfabteilung und das Wasser läuft uns bereits im Mund zusammen: Dünen, so weit das Auge reicht, Wind sowieso. Das Lobwedge macht dem 2er-­Eisen Platz, und sei es auch nur, um damit aus 50, 60 ­Meter einen Chip-and-Run zu spielen.
Am über 100 Jahre alten Linkskurs von Ballybunion spielt man zwar mit Blick auf den Friedhof seinen ersten Schlag, den Score muss man dennoch nicht gleich ­begraben. Außerdem wird er ­spätestens nach dem sanften Aufstieg zum 7. Loch zur Nebensache, wenn der ­Atlantik uns auf Schritt & Tritt begleitet.
Nicht minder spektakulär präsentiert sich der Waterville Golf Links, mitsamt seiner bewegten Geschichte. 1889, als die ersten Transatlantik-Telefon­kabel verlegt wurden, brachten die Bauarbeiter Golf nach Waterville, das aber in der Folge sanft entschlummerte. Erst in den 1960er-Jahren küsste John A. Mulcahy, ein irisch-stämmiger Amerikaner, Golf wieder wach. Und wie! Der Kurs, auf einer Landzunge vor Waterville gelegen, fand rasch prominenteste Fans. So wählte etwa die irische Golflegende Christy O‘Connor gleich zwei Holes – Loch 2 und 14 – aus Waterville in seine „Irlands Top 18“. Den letzten Schliff erhielt der Kurs erst vor ­kurzem: US-Star-Designer Tom Fazio hat das Layout von 1963 in die moderne Zeit übersetzt, ohne dem Charakter auch nur einen Grashalm zu krümmen.

Zwischen Waterville und Ballybunion darf ein Abstecher zum westlichsten Golfplatz Europas nicht fehlen: Dingle Bay Golf Links. Klassisch windet sich ein Burn, also ein Graben – Sie wissen schon: Swilken Burn in St. Andrews mit der noch berühmteren Swilken Bridge auf Loch 18! – durch das Geläuf. Wie am Waterville Golf Links hat Irlands Designer-Faktotum Eddie Hackett seine Hände im Spiel und brachte und bringt damit die Fans von Linksgolf zum Schwärmen: „Würden die Legenden der irischen ­Geschichte Golfen, sie würden es wohl hier tun“, formulierte ein irisches Golfmagazin blumig.

Leuchtturm Ahoi.

Hinüber Richtung Cork, am Weg zum sagenumwobenen Old Head of Kinsale, nehmen wir noch den Ring of Kerry Golf mit. Natürlich auch ein Eddie Hackett-Kurs, jedoch nicht mehr ganz so links-artig wie seine anderen beiden Werke. Allerdings ­vermischt dieser Platz gekonnt sämtliche Elemente an Golfplatz-Arten, vom Links-Kurs bis zu – für irische Verhältnisse – sogar leicht alpinen Spielbahnen, die das Panorama noch unterstützt.

Mit dem Besuch von Old Head steigert sich das Glücksgefühl ins Unermessliche, während sozusagen direkt proportional die Brieftasche dünner wird: Hart an der 300 Euro-Grenze, gibt es kein Durchkommen am Gate, so man nicht im ­Voraus gebucht hat. Dahinter erwartet uns das ehemalige Picknick-Gelände der Kinsaler, eine Halbinsel mit steil zum Atlantik abfallenden Klippen, auf die genau 18 Loch und ein Leuchtturm passen. Zweites Markenzeichen neben dem Lighthouse ist der Stone of ­Accordance. Ein Stein mit einem Loch, durch das die Bauern sich früher die Hände gereicht haben, um einen Deal zu besiegeln. Heute dienen Replikas dieses Steins als Kimme vom Tee zur Orientierung der Golfer. Das Original kann man übrigens in Dublin im Museum bewundern.

Via Fota Island – einem prächtig ­gelungenen Parkland-Kurs von Adamstal-Architekt Jeff Howes – geht es an die Ostküste, genauer nach St. Helens Bay, wo wir ebenfalls einen Golfkurs der ­neueren Generation inhalieren. Der ­Tradition vieler Plätze folgend, hat man den 18 Loch des St. Helens Bay Golf ­Resort blumige Namen zugedacht und Loch Nummer 2 verrät auch gleich, dass es sich um ein junges Werk handelt: Walton‘s Wish ist ein Par 4, bei dem sich der irische Pro Phillip Walton – neben dem Engländer David Gilford der unscheinbarste europäische Ryder Cupper, wenngleich er 1995 gegen Jay Haas (USA) das entscheidende Single gewinnt – massiv eingebracht hat.

Am Weg zurück nach Dublin lesen wir noch zwei weitere Klassiker der Modernen auf. The European, ein 20 Loch-Linkskurs allerfeinster Konvenienz. ­Warum 20 Loch? Pat Ruddy, zunächst Reporter, dann sozusagen Irlands Eddie Hackett Nummer 2 und Designer dieses Kurses, hat die bestmögliche Antwort dafür parat: „Weil wir genug Platz hatten und das Spiel so lieben, dass wir gerne mehr als nur 18 Loch spielen.“

Deshalb gibt es in Druids Glen – mit Schaudern sehen wir dem drohenden Ende der Rundreise entgegen – 36 Loch, wobei der namensgebende Kurs Marke „Parkland“ dank seiner TV-Präsenz (mehrfacher Austragungsort der Irish Open!) deutlich besser in den Köpfen der Golfer verankert ist. Und wer ihn schon gespielt hat, wird Loch 13 – ja, das ist ein Omen! – nicht mehr aus dem Kopf bekommen: Hantige 430 Meter, hauteng und wasserreich. Einziger Trost ist das wunderschöne Blumenmeer, das mich Richtung Triple­bogey begleitet.
Die Gier nach Golf lässt mich am Weg zum Flughafen an ein paar Tage Verlängerung denken, es fehlen schließlich ­Portmarnock, The Island und der K-Club auf meiner Speisekarte. Andererseits: Man muss sich gewisse Gustohappen für später aufheben. Slaínte und bis zum nächsten Mal.

Schlaue Infos auf einen Bick: Golf in Irland

Golf:
Golf in Irland unterteilt man am besten in vier Kategorien, die man bei jeder Rundreise perfekt miteinander kombinieren kann. Idealerweise hilft in diesem Fall eine Mietauto mit Navi. Die beste Flotte bietet Hertz.
Die Unscheinbaren: nette, kurze, tadellos gepflegte Golfplätze zum Spartarif.
Die grandiose Mitte: weniger bekannt als ihre famosen Geschwister, aber allein auf Grund der Lage und der Szenerie absolute Top-Plätze.
Die Designer-Stückerln: bekannt aus Funk und Fernsehen, wie etwa der K-Club, Druids Glen, ­Carton House, Old Head.
Die Klassiker: der eigentliche Grund, um Irland golferisch heimzusuchen. Wer bekommt bei ­Namen wie Lahinch, Ballybunion, Portmarnock, Royal Portrush, Royal County Down keine Gänsehaut?

Nützliche Links:
Das Touristboard, die Irish Golf Union und auch die lokalen Marketing-Verbände von kleineren Golfregionen bieten ausreichend Informationen:
www.golf.ireland.ie
www.gui.ie
www.tourismireland.ie

Packages
Dublin:
7 Nächte/Irish Breakfast im Grand Hotel, Malahide; 6 Greenfees (Portmarnock Old, Portmarnock Links, The Island Club, European Club, Royal Dublin, Baltray); Mietwagen (unlim. Kilometer); Airport Meet & Greet. Preis: 2.180 Euro (im Doppezimmer)
South & West Ireland 4 Nächte/Irish Breakfast im Arbutus Hotel, Killarney und 3 Nächte/Irish Breakfast im Old Ground Hotel, Ennis;  6 Greenfees (Ballybunion Cashen, Tralee, Waterville, Ballybunion Old, Lahinch, Doonbeg); Mietwagen (unlim. ­Kilometer); Airport Meet & Greet.  Preis: 2.170 Euro (im Doppelzimmer)

Buchbar bei KUONI – Golfreisen mit Schwung Kärntnerring 15, 1010 Wien, Tel: 01/51533

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