Da geht’s lang, Tiger [0]

Spielen Sie den K-Club, solange es noch geht: Im Herbst 2006 bricht die Ryder-Cup-Euphorie aus. Dann gibts nur mehr Plätze am Fairwayrand.

Aus Golfrevue 6/2005

 

Jeder einigermaßen enthusiastische Golfer erlebt im Laufe seiner Karriere Situationen, die ihm unvergesslich bleiben. Das erste Par. Das erste Birdie. Das erste Hole-in-One (letzteres hab ich noch vor mir). Es gibt auch Orte, beseelt von Golfmagie, die eine besondere Ausstrahlung haben.

St. Andrews ist so einer: Einmal im Leben muss man seine Golfschuhe mit der heiligen schottischen Erde in Berührung bringen, auch das hab ich noch zu erledigen.

Gleichermaßen spannend ist es, die Halme zu ebnen für eine Heldenschar, die da kommen wird. Historischen Boden betreten, bevor er historisch wird: Das ist doppelt aufregend, wenn es sich dabei um einen so außergewöhnlich gut geschniegelten und gestriegelten Boden handelt wie den im K-Club.

Das Superressort, initiiert vom ehemaligen Papier-Tycoon Michael Smurfit, ist eines der Besten der Welt. Es liegt 17 Meilen südwestlich von Dublin im Bezirk Kildare (deshalb der Name), umgeben von reichlich Grün (aber wo ist Irland nicht grün?) und in einer Region, die für Landwirtschaft, Rennpferdezucht und Rennbahnen bekannt ist. Noch erreicht man den K-Club von Dublin aus in einer Autostunde, aber es braucht wenig Phantasie, sich das Ryder-Cup-Chaos von 2006 auszumalen.

Vorbei an zahlreichen Schafherden – wartet nur, bald kommt Tiger, hehe – erreiche ich das altehrwürdige Tor und überschreite die Grenze zur Unbescheidenheit. Nur ein Beispiel: Die 36-Loch-Anlage besitzt zwei voll ausgestattete Clubhäuser, für jeden Kurs ein eigenes und beide im Fontana-Format. Am Weg zum Hotel, das ein wenig abseits liegt, fällt mir erstaunlich viel Polizei auf: Ist es dafür nicht etwas zu früh? Nein: Präsident a.D. Bill Clinton gibt sich an diesem Tag die Ehre. Zuerst dreht er eine Runde am Smurfit Course, dann lädt er zum Charity Dinner (ein Ess-Platz kostet  25.000 Euro).

Der Gute & der Bessere

Apropos Smurfit Course: Der jüngere der K-Club-Plätze, ist – wie der Palmer-Course, auf dem rydergecuppt wird – ein Arnold-Palmer-Design und als klassischer Links Course angelegt. Wenige Bäume, viel Wind und Steppengras, das einen leise Servus zu abtrünnigen Bällen sagen lässt. Beeindruckend in die sanften Hügel gegossen und mit großen, welligen Grüns auf denen man fast in Seenot gerät. Aber eine Herausforderung und ein Vergnügen, auch wenn von Bezwingen nicht wirklich die Rede sein kann. Dem Wunsch des Master of Ceremony Michael Smurfit nach Dramatik kam Palmer mit einem imposanten und großzügigen künstlichen Wasserfall nach, den Spezialisten der Disney Studios in Spritzbeton naturgetreu nachgebaut haben. Alles andere ist aber echte irische Landschaft.

Der Smurfit Course ist nach meinem Gefühl der selektivere der beiden Plätze, bietet aber zu wenig Platz für Hospitality, VIP-Zelte und Zuschauerwege, was ihn als Ryder-Cup-Arena disqualifizierte, leider.

Gute Nacht

Wohnen werden die Ryder-Cup-Helden im 5-Sterne-Hotel des K-Clubs, das weniger eine Herberge ist und mehr ein Schloss inklusive Wellnessflügel. Hier nächtigt man stilvoll zu Preisen von 395 bis 3.800 Euro, je nach Suite. Am Zimmer erwarten den Gast feinster Kuchen, Obst und sonstige Leckereien. Wenig überraschend ist die Ausstattung der Zimmer überkomplett. Was  mir am meisten in Erinnerung blieb, ist die kleine Gummiente im Bad, kleines Zeichen anglophilen Humors. Eine Heerschar dieser Viecher wird einmal im Jahr in die Liffey gekippt, den Fluss, der einen durch die Anlage begleitet. Dann bestreiten die nummerierten Enten für ihre Besitzer ein Wettrennen über eine festgesetzte Strecke, nur mit Hilfe der Strömung. (Meinem Plastiktierchen habe ich diese Tortur erspart und ihm ein neues Zuhause in Wien gegeben.)

Wer noch heuer den verschwenderischen Service des Hotels inklusive Pre-Ryder-Cup-Golfrunde genießen möchte, der buche ein „Kennenlern-Paket“ (ab 365 Euro/Person für Zimmer, Dinner & Golfrunde, Infos im Internet unter www.kclub.ie). In Anbetracht der Einzelpreise ein Schnäppchen! Spielen Sie mit dem frivolen Gedanken, sich an einem bestimmten Wochenende im September 2006 etwas Besonderes leisten zu wollen und möchten Sie dafür tief ins Gesparte greifen – vergessen Sie es. Auf die Frage nach der Verfügbarkeit der Zimmer zum Ryder-Cup-Termin ernte ich bloß ein Lächeln. Bleibt nur die Chance, noch schnell US-Präsident zu werden.

Wer vor Ort beim Ryder Cup mitfiebern möchte – 40.000 Besucher pro Tag werden erwartet –, der bemühe sich um ein Paket eines heimischen Golfreiseanbieters. Sich alles selbst organisieren? Nun: Das Internet eröffnet da Möglichkeiten, aber im Grund ist man ein armer Hund. So waren zum Beispiel die Eintrittskarten (nicht übertragbare Tagestickets um 100 bzw. 130 Euro, 4-Tage-Ticket um 345 Euro) nur bei einer Internetauktion zu haben – Ende am 18. Juli 2005. Sollten Sie nicht jemanden kennen, der ein Häuschen in der Umgebung von Dublin besitzt und im www gezogen wurde, genießen Sie lieber die TV-Übertragungen bei netten Veranstaltungen oder gemütlich mit Chips und Guinness zu Hause.

My personal Rydercup

Eine kurze Nacht später – man muss doch als Quartiermacher alles Gebotene kennen lernen, insbesondere die Bar mit unzähligen, flüssigen, irischen Attraktionen – geht es Richtung erstes Tee vom Palmer Course. Nach einem feierlichen Check-In, vorbei an diversen Artefakten der aktuellen Golfgeschichte und Nettigkeiten der irisch-britischen Lebensart erreiche ich über die Range und das weiß eingezäunte Puttinggreen – ein Omen? – das erste Tee, welches übrigens beim Ryder Cup das zehnte ist.

Der Starter ist ein höflicher älterer Herr, gewandet in grünen Tweed. Auf meine Frage, ob es gestattet sei, von den Championship-Tees zu spielen, wegen 100 Prozent Ryder-Cup-Feeling und so, überredet er mich sanft, das sei hier „not usual“. Schau zu, dass du deine Amateur-Tees bewältigst! sagt er nicht, denn er ist wohlerzogen.

Der Palmer Course, 1991 eröffnet, ist ein perfekt in die Landschaft integrierter Parkland Course, eingesäumt von alten Bäumen und neuen Villen. Seine Tücken sind – abgesehen vom eigenen Golfschwung – zum einen große, gut verteidigte, ondulierte und schnelle Grüns, die grausame Fahnenposition zulassen. Zum anderen erfordern Liffey & Co. Aufmerksamkeit: Auf 15 der 18 Löcher zieht Wasser die Bälle magisch an. Fragen sie Thomas Björn: Er machte bei den Smurfit Open ’05 auf Loch 17 einen auf Tin Cup und versenkt reihenweise Bälle im Fluss. Ergebnis: Par 4, Score elf! Apropos Wasser: Es ist hier ebenso „unusual“, nach nass gewordenen Bällen zu angeln. Diese gehören den Platzarbeitern: Eine Spende, die das Spiel durchaus beschleunigt.

Wie wechselnde Fahnenpositionen die Schwierigkeit erhöhen, erlebe ich an Loch 3 (für die Pros die 12). Parkt die Fahne rechts, läßt sich der Ball auf diesem mittellangen Par drei amateurhaft hintoppen. Steckt sie links hinterm Wasser, wie bei den Übertragungen der Smurfit Open im TV zu bewundern, gibt es genügend Stoff für Dramen.

Der Wind, der Wind

Ein weiteres Kriterium ist der Wind, der, stets präsent, sich gerne in den Baumschluchten verwirbelt und somit unberechenbar wird. Die Scores beim heurigen European-Tour-Event, wo nach vier Runden nur drei Spieler unter Par lagen, versprechen spannende Matchplay-Kämpfe mit ungewissem Ausgang.

Die platztechnische Vorbereitung für den Ryder Cup ist weitgehend abgeschlossen, bis auf kleine Korrekturen an Bunkern und Abschlägen. Auch die Fairways werden noch enger faconniert. Ab August 2006 wird der Platz für Gäste gesperrt und nach einer finalen Gesamtinvestition von drei Millionen Euro können von 22. bis 24. September die kontinentalen Kämpfe beginnen.

Die 18. Bahn entlang marschierend, am imposanten Wasserhindernis mit Springbrunnen vorbei, dem Clubhaus entgegen, schließe ich kurz die Augen und stelle mir vor, hier im September 2006 Seite an Seite mit Herrn Woods zu wandern. Auf der 17 habe ich ihm gerade die Hand geschüttelt, nachdem ich den entscheidenden Punkt für Europa geholt habe. Die Menge jubelt mir zu, Europa gewinnt den Cup und ich habe dem Tiger gezeigt, wo’s lang geht. Oder so ähnlich.

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