Land in Sicht! [0]

Ein Steirer, der eigentlich Deutscher sein möchte, ein Deutscher, der sich als Tiroler ausgibt, und einer der engagiertesten Kellner auf See. Alex Kramel erlebt zwischen Nizza nach Lissabon ein kreuzfahrerisches Potpourri, garniert mit reichlich Golf.

Eine Stadt auf See.  Während die Gäste sich mit On-Board-Golf oder Bingo die Zeit vertreiben, arbeiten unzählige Heinzelmännchen für das Wohl der Kreuzfahrer.„Willkommen auf der MS ­Columbus, bitte begeben Sie sich zu Ihrem Sammelplatz.“ Der Beginn jeder Kreuzfahrt: die notwendige Einweisung in alle Sicherheitsmaßnahmen. Und schon rennt man mit einer überdimensionierten Schwimmweste die Gänge entlang. Alles ziemlich komisch und ein bisschen wie Cluburlaub. Als frisch gefangenen Kreuzfahrer überkommen mich spontane Gedanken transzendentaler Obdachlosigkeit. Aber versprochen, das Eis ist schnell gebrochen. Man scherzt miteinander und lernt sich kennen, schließlich sitzen ja alle in einem Boot – beziehungsweise auf einem 144-Meter-Luxusliner, der MS Columbus aus der Hapag-Lloyd-Reederei. Aber ­keine Sorge! Auf diesem Seeriesen ist ungezwungene Gemütlichkeit angesagt, also nicht jeden Tag Smoking und sechsmal Modeschau.

Kurzer Blick zurück. Als ich vor zwanzig Jahren meinen Kumpels eröffnete, dass ich jetzt dem Golfspiel fröne, erntete ich be­tretenes Schweigen. Jetzt, mit über 40, stieß die Ankündigung, eine Kreuzfahrt mit Golf – von Nizza nach Lissabon, golferische Landgänge inkusive– zu machen, auf lautes ­Gelächter: „Jetzt wird er alt“, „Supradyngesellschaft“ etc. waren die Kommentare.

Eine Stadt auf See.  Während die Gäste sich mit On-Board-Golf oder Bingo die Zeit vertreiben, arbeiten unzählige Heinzelmännchen für das Wohl der Kreuzfahrer.Ehrlich gesagt: Es war schon ein wenig Skepsis vorhanden – die vielen Vorurteile, von wegen Seniorenheim, und teilweise stimmt das schon, was ein Altersschnitt von 66 Jahren beweist. Aber Kreuzfahrten werden immer beliebter und wurden in der Zwischenzeit auch von der Party-Society entdeckt. Wer auf der Columbus „Halligalli“ erwartet, ist aber am falschen Dampfer. Abgesehen von Bingo mit Sandra geht man es hier ein wenig ruhiger an. Da passt Golf ganz gut ins Konzept, und wo sonst erlebt man den Urlaub mit seinen 14 Schlägern abwechslungsreicher als auf einem Schiff: Jeden Tag eine andere Spitzenwiese und jeden Tag in völlig neuer Umgebung. Stressfrei, denn das „Rundum-sorglos-Paket“, bei dem sich die Crew um jeden Handgriff kümmert und dein Hotelzimmer immer mitfährt, ist einfach ­genial. Obwohl Golf auf jeder Route ein ­Thema ist, geht Hapag-Lloyd bei den Golf-Spezialreisen einen Schritt weiter: Diese Touren werden von einem erfahrenen Golfpro begleitet, der, so es der Seegang zulässt, erste Hilfe bei Schwung­unpässlichkeiten leistet und sich fast schon aufopfernd um die „Schlägertruppe“ und alles andere kümmert. Transfers, Abschlagzeiten, Lunchpakete und so weiter kann man aus seinem Kopf verbannen. Der Pro arbeitet auch maßgeblich an der Auswahl der Kurse mit. Auf unserer 5-Tage-Tour durften wir am Los Lagos Course (Malaga), am Montenmedio Golf (Cádiz) und im ­CampoReal ­Resort (Lissabon) unsere Spuren hinterlassen. Allesamt feinste Wiesen! Danke, Olaf Schäfer, und Hochachtung für die Betreuung unseres Ameisenhaufens!

Etwas gewöhnungsbedürftig bei Golfkreuzfahrten ist der ziemlich straffe Zeitplan, der eingehalten werden muss: Also rauf aufs Fairway, 18 Loch abgespult, noch ein kleines Bier im Clubhaus und vielleicht noch eine kleine Besichtigungstour. Aber ehrlich: In Wirklichkeit ist man dann froh, wieder am Schiff zu sein.

Seetage sind Seelentage
Jedenfalls weit entfernt von Seniorenresidenz ist das kulinarische Angebot, bei dem es an nix fehlt. Die Küche ist traditionell europäisch mit regionalen Einschlägen. Dafür werden Unmengen an Lebensmitteln deutscher Herkunft in den Lagerräumen gebunkert. Aber auch der Gang auf den Markt ist in jedem Hafen obligatorisch. Wenn man dann auch noch das Glück hat, einen Kellner wie den Herrn Wild zur Betreuung zu haben, ist man ganz vorne dabei. Gäbe es einen Oscar für persönliche ­Betreuung, wäre dieser hiermit verliehen.

Zwischen den Golfrunden zieht die Landschaft an einem vorbei. Speziell aber an Seetagen, an denen man kein Land sieht, merkt man erst die beruhigende Erholung einer Kreuzfahrt, gefährlich sind nur der Mangel an Bewegung und die ständigen Versuchungen des Buffets. Erfreulich sind, dank der Zollfreizone, die moderaten Preise. Sollte ­einen jemals das Burnout quälen, rauf aufs Schiff, der endlose Horizont ohne Land in Sicht beschwingt die Seele! Aber was tun, wenn man so gar nichts mehr zu tun hat und sämtliche Bücher und Zeitschriften ausge­lesen sind? Man beobachtet das reisende Volk, im Falle der Columbus ein wenig „germanisiert“, oder das seefahrende Personal, bei dem man meist das Gefühl hat, dass es das Betreten von Land als größte Unsicherheit empfindet.
Angefangen vom Schiffsmechaniker, der trotz tropischer Temperaturen seine geliebten Motoren nur ungern verlässt, bis zum Hoteldirektor deutscher Provenienz, der sich selber aber als Österreicher sieht, da er die wenige Zeit an Land in Kitzbühel verbring. Dafür gibt der steirische Chefkoch auf die Frage nach seiner Herkunft eine Stadt im tiefen Ruhrpott an. Eine stattliche und vertrauenserweckende Erscheinung ist der jüngste Kapitän der Hapag-Lloyd-Flotte. Mit 42 Jahren lenkt Jörn Gottschalk die Columbus wie ein Schlauchboot durchs Mittelmeer, als ob er sein Leben lang nichts anderes ­gemacht hätte, obwohl er eigentlich nach ­eigenen Aussagen eine Kölner Landratte ist.

Fazit einer geläuterten Landratte. Wenn es bedeutet, dass man eine gewisse ­Reife erlangt hat, da einem diese Art Golf­urlaub gefällt und man es in vollen Zügen ­genossen hat, sich zwischen den höchst unterschied­lichen Golfkursen den Seewind durch die Haare streifen zu lassen, soll es so sein. ­Ärgerlich ist nur der Kampf mit dem Extraplus an Kilos, die man leider nicht an der Gangway einfach wieder ab­geben kann. Die Scorekarten dagegen haben wir achtern zerschnipselt und im Sonnen­untergang ­Poseidon übergeben.

 

 

Kreuzfahrt & Golf

Hapag-Lloyd bietet auf den beiden Schiffen MS Columbus und MS Europa Golf-Spezialreisen mit umfangreichem Golfprogramm. Dazu gehört die Begleitung und Betreuung durch einen erfahrenen Golfpro, der alle Abschlagzeiten, Bag-Transporte und Golfangelegenheiten bestens organisiert.

Golf während einer Kreuzfahrt ist auch über diese Spezialreisen hinaus möglich: Abschlagzeiten, Transfers und Golfbag-Transport wird durch das Team der MS Columbus jederzeit organisiert. Die Auswahl der Plätze ist dabei individuell.

Los Lagos Course (www.mijasgolf.org – Hafen: Malaga/Spanien)

Montenmedio G&CC (www.montenmedio.es – Hafen: Cádiz/Spanien)

Campo Real Resort (www.camporeal.pt –Hafen: Lissabon/Portugal)

allgemeine Infos unter www.hlkf.de

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