Ein Stück vom Garten Eden [0]

Evian, am Südufer des Genfersees, hat alles, was man, aber vor allem Frau zum glücklichen Luxusurlaub braucht. Zwei famose Hotels samt Wellness pur, einen fantastischen Golfplatz und seit rund einem Jahr ein Trainingszentrum, das Seinesgleichen sucht (und zumindest in Europa nicht findet). Claudia Zardi hat sich ein paar Tage verwöhnen lassen.

Aus Golfrevue 3/2007

Es ist nicht so, dass Evian als erstes einfällt, wenn man seine Wunschliste an Golfdestinationen niederschreibt: Man kennt das Wasser, keine Frage, und auch das spektakuläre Damen-Tour-Event, das Evian Masters, hat sich einen Namen in der Szene gemacht, aber sonst? Evian? Zunächst macht sich eine Sprachbarriere breit zwischen uns und dem Französisch und lässt uns rasch Richtung Türkei, Spanien oder Ähnliches denken, wo man brav dem Touristen sprachlich bis in dessen Heimat entgegen kommt.

Wer aber seine Scheu ablegt, eventuell das längst verschüttete Schulfranzösisch ein wenig entstaubt und sich mit dem Flieger hurtig nach Genf schicken lässt, erlebt sein blaues Wunder, im wahrsten Sinne des Wortes. Evian, knapp eine Stunde von Genf, aber schon in Frankreich, gehört quasi flächendeckend der Danone-Gruppe: Wasser, Wasser, Wasser, Joghurt und Kekse sind die Brands des rund 100.000 Mitarbeiter großen Konzerns. An der Spitze Franck Riboud, ein Hobby-Golfer, liiert mit Sandrine Mendiburu, eine Profi-Golferin. Eine mehr als glückliche Liaison, die zur Folge hat, dass Evian sich zum Nabel des Damengolfsports entwickelt: Mit dem Evian Masters (heuer werden drei Millionen Dollar Preisgeld ausgespielt) hat sich der Konzern und das königliche Evian in den letzten Jahren einen feinen Ruf erarbeitet und im eigentlichen Sinne zählt das Turnier zu den Majors, wenn auch nicht de jure. Ribouds – der knapp 50-Jährige ist der Sohn des Danone-Gründers Antoine Riboud – ehrgeiziger Plan: Das Evian Masters soll schon bald das preisgeldstärkste Damen-Event der Welt sein.

Platz mit Seeblick

Da darf natürlich auch im Umfeld nichts dem Zufall überlassen bleiben, weshalb sowohl Platz als auch zwei dazugehörige Hotels stets auf höchstem Niveau agieren. Für den 18-Loch-Kurs mit herrlichem Ausblick auf den Genfersee zeichnet seit 1994 Yannick Le Hec verantwortlich, der den über 100 Jahre alten Kurs behutsam Richtung Top-Platz entwickelt hat. Und Le Hec liefert den Beweis, dass auch ein in die Jahre gekommener Kurs allen Anforderungen des modernen Golfspiels entsprechen kann. „Wir haben ein paar Greens adaptiert, Teeboxen dazu gebaut und Bunker nachgereicht, die im ursprünglichen Layout noch nicht vorgesehen waren“, erklärt der 38-jährige Bretone, der via Amerika, wo er Landschaftsbau studiert hat, nach Frankreich zurückkehrt ist und sich in Evian  dann vom Greenkeeper zum Golfdirektor hocharbeitet. Heute ist er mit Recht stolz auf seine Platzbehübschungen, die neben all den designtechnischen Nachjustierungen am Kurs auch etliche optische Schmankerln beinhalten.

Der Royal Evian ist nämlich in Summe ein einziges Blumenmeer. Das beginnt bei den von weißen und rosa Begonien umrankten Teeboxen, über ein schmuckes Rosenarrangement neben Grün 7, wo Lianenrosen einen alten, knorrigen Baum hinaufklettern, bis hin zum Logo des Evian Masters – ebenfalls aus Begonien –, das links der 18. Spielbahn den Hang schmückt. Le Hec, der auf die bretonische Schreibweise seines Namens Wert legt: „Wir orientieren uns in Evian ganz am Augusta National GC, aber eben mit heimischen Pflanzen.“ Auch, dass die insgesamt knapp 5000 Blumen exakt zum Evian Masters im Juli ihre volle Blütenpracht entwickeln,, ist ganz Augusta-Like.

Jedenfalls spielt sich der 18-Loch-Kurs gefällig bis bissig, je nach Teebox und verlangt von den Back-tees gespielt jede Menge Ballshaping, will man sich einen vernünftigen Zugang zu den Grüns verschaffen. Die vielen Doglegs sind keinesfalls brutal geknickt, aber jedes für sich eine knifflige Aufgabe.

Famos ist auch der Ausblick, den man von beinahe jedem Punkt des Platzes hat: Der Genfersee liegt uns faktisch fünf Stunden zu Füßen, im Rücken macht sich das Chablais- Gebirge – berühmtester Ort: Morzine – breit und hoch. Am eindrucksvollsten mischt sich der Lac Leman – so heißt der See auf Französisch – aber auf Loch 2 ein; ein Hügelab-Par-3, das sich 120 Meter kurz spielt, aber lange im Gedächtnis festhält. Ebenso, wie die üppige Anreise vom achten Grün zum neunten Tee, der einzige Punkt auf der kupierten, aber dennoch nicht unwegsamen Anlage, der Anlass zur Kritik gibt, und das auch nur für Geh-Faule. Als Belohnung wartet aber im Clubhaus eine grandiose Küche, um etwaig verlorene Kalorien tres bien wieder aufzufüllen.

Trainieren ohne Ende

Seit dem Vorjahr bietet Evian auch eine vorzügliche Möglichkeit, am eigenen Spiel in höchst ungewöhnlicher Form zu basteln: Das um knapp fünf Millionen Euro errichtete Trainingszentrum, entwickelt nach einer Idee von Yannick Le Hec, ist in seiner Art wohl einzigartig in Europa. Etliche Abschlagbereiche, unterteilt in Driving-Area, Bereiche für lange und kurze Eisen, sowie ein spektakulärer Vier-Loch-Übungsplatz sind Grund genug einen ganzen Tag lang auf dieser Anlage zu verbringen. Erst die Details machen aber klar, wie ausgefeilt das Konzept umgesetzt wurde: Die Range-Bälle, allesamt Srixon-Practice-Balls wie sie auf der Damentour verwendet werden, kommen via unterirdischer Gänge stets blank geputzt aus den Ballautomaten, die strategisch in den jeweiligen Bereichen aufgestellt sind, womit man sich lange Wege erspart. Zudem sind sämtliche Anspielgrüns echte Grüns. Will heißen, dass man das Spin-Verhalten (so weit uns Amateuren das gelingen mag) bestens überprüfen kann. Zusätzlich steht ein überkomplettes mobiles Video-System (Dartfish) den Pros zur Verfügung. Apropos Pros: In Evian darf man sich den eigenen mitbringen, der auch alle Facilities der Anlage nützen darf, kostenlos!

Herzstück des Trainingszentrums ist aber der pittoreske und wunderschön angelegte Vier-Loch-Platz (public!), auf dem nach dem Vorbild der Skipisten drei Fahnenpositionen auf uns warten: Schwarz für Schwierig, Grün für Mittel und Rot für Einfach. Kombiniert mit den drei verschiedenen Teeboxen – ebenfalls in den drei Farben gehalten und zwischen 60 und 410 Meter – ergeben sich hier smarte Golfholes, die einem „echten“ Golfplatz um nichts nachstehen. Nur damit Sie sich ein Bild machen können, was die Anlage kann: Lorena Ochoa (MEX), die Nummer 1 der Damengolfwelt und Jungstar Michelle Wie (USA) verbringen heuer die Woche vor den Evian Masters auf dem Trainingszentrum, um sich den letzten Schliff für das Turnier zu holen.

Logieren und Dinieren

Dass passend zum Gesamtbild auch die zwei Hotels – Royal Parc und Eremitage – allerfeinster Konvenienz sind, versteht sich beinahe von selbst. Das Royal Parc wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von König Edward VII. als Sommerresidenz erbaut, der Arme konnte sie aber nie nutzen – er verstarb kurz vor der Fertigstellung. Wer jetzt muffiges Design oder abgewohnte Zimmer vermutet, liegt völlig daneben: Das Haus gönnt sich eine geniale Kombination aus Modern und Royal, ist bis in die letzte Ecke mit liebevollen Details ausgearbeitet und bietet eine Wellness-Abteilung, an der uns nur eines fehlt: Die nötige Zeit, alles zu nutzen.

Grandios auch die Küche: Man kann zwischen acht Restaurants wählen und jedes für sich ist eine kulinarische Sensation. Wir wagen in diesem Fall gar keine Empfehlung, haben aber rohen Thunfisch in Sashimi-Form verkostet und ein extrazartes Lamm, Nachspeisen, die süchtig machen und Käse ohne Ende. Als Begleitung erweist sich ein feiner Bordeaux, überraschend vernünftig bepreist, ausgezeichnet.
Und weil zu einem Urlaub immer auch ein wenig Shopppen dazu gehört: In der Boutique verkauft Sandrine Mendiburu ihre eigene Kollektion. Bon Voyage!

Schlaue Infos auf einen Blick: Evian Royal Parc

Anreise: Mit Austrian ist man in etwas mehr als einer Stunde von Wien aus in Genf  (Preis: 249 Euro, inkl. Taxen und Steuern), von wo das Resort einen Shuttle organisiert. Vor Ort ist kein Auto vonnöten.

Hotels: Royal Palace und Royal Eremitage. Welches der beiden Häuser Sie wählen, ist reine Geschmackssache. Etwas feinere Ausblicke auf den Genfersee bietet jedoch das Royal Palace.

Ein „Golf Unlimited“-Package (zwei Nächte, quasi All-inclusive) gibt es ab 490 Euro pro Person, „Golf & Spa“ ab 730 Euro. Auch für Kinder ab zwei Jahren gibt es umfangreiche Aktivitäten im Kids Club. Einen Besuch Wert sind auch die kulturellen Aktivitäten im „Le Grange“, dem zum Resort gehörigen Heustadel, wo häufig klassische Konzerte über die Bühne gehen.

Golf: Evian Masters Golf Club, 18 Loch, Par/SSS 72, 5745 bis 6028 Meter; Evian Trainingscenter, diverse Abschlagmodule mit echten Grüns, vier Loch (60 bis 410 Meter), 45 Euro pro Tag für Hotelgäste, inklusive E-Cart, freie Range-Bälle und mehr.

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