England

Fairy Tales of Wales [0]

Wales, im Westen der Britischen Insel, ist selbst für golfende Reisende oder reisende Golfer nicht die Einserdestination – noch nicht. Wenn 2010 im Land der Schafe und des Regens der 38. Ryder Cup über die Fairways zieht, könnte sich das schlagartig ändern. Brigitte Vallazza machte sich noch vor dem großen Run auf in das unentdeckte Golfland am Außenposten einer grünen Landkarte.

Aus Golfrevue 6/2007

Terence Matthews – nachdem ihm die Queen 2001 zum Ritter geschlagen hat, einfach Sir Terry – ist ein reicher Mann. Der Unternehmer im Telekommunikationsgeschäft liebt Golf und weil er es sich leisten kann, hat er dort, wo er einst im Heim für alleinerziehende Mütter aufwuchs, eine Golfanlage errichtet. Das Celtic Manor Resort in der Hafenstadt Newport – auf walisisch heißt sie Casnewydd, aber fragen Sie nicht, wie man das ausspricht –, nahe der walisischen Hauptstadt Cardiff im Süden des Landes, umfasst heute drei 18-Loch-Plätze und einen Hotelkomplex mit 400 Betten samt Spa.

Und weil so ein Mann meist auch ehrgeizige Pläne verfolgt, wollte er den Ryder Cup auf seine Wiese bringen – und ja, er hat den Ryder Cup auf seiner Wiese. Von 27. September bis 3. Oktober 2010 matchen sich auf seinem Wentwood Hills-Kurs die besten Spieler Europas und der Vereinigten Staaten.

„Das bringt uns in neue Dimensionen und reiht uns in die Premier League des Golfsports ein“, verkündet Sir Terry und legt ehrgeizig nach: „Wir werden in der Lage sein, der Welt zu zeigen, was wir zu bieten haben.“

Gemeint ist damit vor allem, was Wales golferisch zu bieten hat. Zwar verfügt das Land über mehr als 200 Golfplätze – das ist eine hohe Dichte, denn Wales ist flächenmäßig ja nur ein Viertel von Österreich –, es ist für den internationalen Golftourismus aber auf rätselhafte Weise eine Nischendestination im Schatten von Schottland und Irland. Mit dem Ryder Cup hofft Matthews sein Heimatland auf der Golf-Weltkarte prominent zu platzieren. Schließlich ist diese Großveranstaltung so etwas wie die Olympischen Spiele des Golfsports oder wie Bernhard Langer einmal gesagt hat, über die Grenzen des Golfsports hinaus eine der wichtigsten Sportveranstaltungen überhaupt. Vor allem aber eine dicke, fette Cash-Cow in dieser Sportart – für die Veranstalter.

Die Ryder-Cup Wiese spielen

Über Celtic Manor, das Kronjuwel des Golfs in Wales, weht schon seit einiger Zeit der Ryder-Cup-Hauch. Denn um entsprechend Fairways bieten zu können, musste zuerst ordentlich gegraben werden (eine Million Tonnen Erde wurde bewegt), geshapt, geglättet und gesät. Und weil ein Platz anwachsen muss, wurde damit schon vor zwei Jahren begonnen. Vor allem das hügelige Finish war im Urzustand nicht ideal, weil erstens für die Spieler zu anstrengend, wo sie doch zwei Matches an einem Tag spielen, und zweitens gab es kaum Platz für die erwarteten 50.000 Zuschauer pro Tag.

Nachdem nun die letzten Bau- und Behübschungsmaßnahmen erledigt sind, präsentiert sich der Kurs als gelungene Mischung aus alt und neu: Neun Löcher vom ursprünglichen Wentwood Hills-Kurs wurden mit neun neuen Löchern verwoben: 1, 5, 14, 15, 16 und 18 verlaufen entlang des Flusses Usk, sowie drei Löcher vom alten Kurs, die komplett remodelliert wurden: 6, 13, 17. Der Ryder-Cup-Kurs 2010 ist damit 6851 Meter lang – das ist bei Par 71 auch für Pros kein Spaziergang – hat 70 Bunker und vier Teiche. Die letzten drei Löcher wurden übrigens so angelegt, dass sie von den Zuschauern von einer Art Amphitheater aus mitverfolgt werden können.

Wentwood Hills ist der erste Kurs, der speziell für diese Veranstaltung designed wurde. Der Umbau und das Facelifting der vorhandenen Löcher inklusive neuem Cup-Clubhaus für die Spieler und deren Caddies, die Sicherheitstruppe, Physiotherapie und Turnierleitung verschlang 16 Millionen Pfund, umgerechnet rund 23,6 Millionen Euro. Für das Modellieren des Platzes zeichnet European Golf Design verantwortlich, ein Joint Venture zwischen European Tour und IMG, der weltweit größten Sport- und Event-Marketing-Organisation.

Amateure, die schon vor dem Cup dort spielen wollen, können noch bis 31. Oktober 2007 ein spezielles „Preview Package“ um rund 885 Euro pro Flight (wird nur flightweise vergeben, 12 Startzeiten pro Tag, von 10.00 Uhr bis 11.50 Uhr) inklusive Frühstück und Mittagessen buchen. Offiziell eröffnet wird der Platz dann im Oktober, wenn auch das Clubhaus fertig ist.

Die Zeit bis zum golferischen Großereignis gilt es zu nützen, weil dann rückt „Cymru“, wie Wales auf keltisch heißt, als Golfdestination Richtung Oberliga, und das wird nicht nur die Golftouristenzahlen in die Höhe treiben, sondern wohl auch die Preise.

Golftradition

Noch wirkt das Land seltsam unberührt, irgendwie auch geheimnisvoll, und unterscheidet sich stark vom Rest Großbritanniens. Die Waliser finden das gut so, die Waliser wollen das. Sie sind bekannt für ihre Eigenständigkeit, die sie offen demonstrieren. Etwa mit einer unverblümten Abneigung den Engländern gegenüber, die das Volk der Waliser einst mit Waffengewalt unterworfen haben. Und nicht zuletzt zeigen sie ihr Anderssein mit der Pflege einer Sprache, die einer speziellen Zungenfertigkeit bedarf und die selbst zwei Drittel der walisischen Bevölkerung nicht mehr drauf haben.

Auch was den Golfsport angeht, haben die Waliser eine ebenso eigene wie feine über hundertjährige Tradition, die in einigen Clubs noch sorgfältig gepflegt wird. Zur Tradition gehört auch Mister Dr. Frank Stableford, der sich das bis heute übliche Zählsystem ausgedacht hat. Diese Zählweise wurde am 30. September 1898 erstmals im Wallasey Golf Club in Merseyside angewandt. W. Hastings Watson gewann das erste Turnier dieser Art mit stolzen 42 Stableford-Punkten. Der derzeit bekannteste Golf-Repräsentant ist Ian Woosnam, einer aus der Langer-Ballesteros-Generation, der sich auch für den Ryder Cup in seiner Heimat stark gemacht hat.

Die Mehrzahl der Plätze befindet sich im Süden und im Norden des Landes. Wer einen schnellen Zugang zu Wales sucht, beginnt am besten im Süden, denn das Gebiet ist in weniger als zwei Stunden Autofahrt von London-Heathrow zu erreichen und außerdem gibt es auch gute Flugverbindungen in die walisische Hauptstadt Cardiff. Dieser Teil von Wales bietet 18 Kurse allein in der näheren Umgebung von Cardiff. Und vom Charakter her sind die Anlagen wie überall im Königreich entweder klassische Küsten-Links, Klippenkurse, Parkland-Plätze und in den vergangenen Jahren kamen Anlagen im modernen US-Design dazu – die zwar verwechselbar sind, aber eben zum Golftourismus dazugehören.

 

Schlaue Infos auf einen Blick: Wales – die besten Plätze

 

The Celtic Manor Golf & Country Club
Coldra Woods, Newport,
Tel.: +44/1633/410262
Drei Kurse: The Ryder Cup Course (Par 71), Roman Road (Par 70), The Montgomerie (Par 69). Greenfee ab 59 Euro.
Die riesige Anlage am Fluss Usk ist das Golfparadies von Südwales mit altem Baumbestand und Kursen, die der vorgegebenen Topographie folgen. Der jüngste Kurs, er wurde 1999 eröffnet, ist der Championship-Kurs Wentwood Hills des Designer Robert Trent Jones jr. (er plante auch den Roman Road-Kurs), der nun für den Ryder Cup umgebaut wurde und den Namen The Ryder Cup Course bekam. Zuletzt wurde auch der ehemalige Coldra Woods-Academy Course der Woosnam-Golf-Akademie von Colin Montgomerie redesigned. Er beinhaltet einige der Löcher des vormaligen Wentwood Hills-Kurses.
Wer sich hier länger austoben möchte, kann im Celtic Manor-Hotel nächtigen. Das 5-Sterne-Hotel wurde 1999 eröffnet und beherbergt 400 Zimmer und 32 Luxus-Suiten, Konferenzbereich, vier Restaurants, zwei Gesundheits-clubs und einen Spa-Bereich.

Royal Porthcawl Golf Club
Rest Bay, Porthcawl, Tel.: +44/1656/782251
Par 72. Greenfee: 118/148 Euro (wochentags/Wochenende)
Porthcawl ist einer der weltbesten Links-Kurse und zählt zu den Highlights im Land. Kein Platz liegt näher am Meer – das bedeutet salzigen Wind von allen Seiten. Die Fairways schlagen Wellen wie die See und mehrere blinde Löcher machen es einem nicht leicht. Unvergesslicher Höhepunkt und gleichzeitig leidvolles Ende: Das 18. Loch, mehrfach unterbrochen durch Gräben, spielt man gegen den Wind und – bei entsprechender Planung – gegen den Sonnenuntergang. Am Clubhaus des seit 1881 bestehenden Clubs, in dem schon der Prince of Wales rastete, ist jede Renovierungsambition vorbeigezogen. Es ist ein ehrliches Relikt aus vergangenen Golfzeiten.

The Vale Hotel, Golf & Spa Resort
Hensol Park, Hensol, Vale of Glamorgan,
Tel.: +44/1443/667800
Zwei Kurse: Wales National Golf Course (Par 73), The Lake Course (Par 72). Greenfee ab 59 Euro. Das Vale Hotel Golf and Spa Resort, 15 Autominuten von Cardiff entfernt, befindet sich in einem 600 Hektar großen Park mit altem Baumbestand (sie kommen meist an den ungünstigsten Stellen ins Spiel!), der zum Hensol Castle gehört – ein würdevoller Bau aus dem 17. Jahrhundert. Der Wales National Golf Course wurde im Juni 2003 eröffnet. Mit 6796 Metern ist er einer der längsten Kurse außerhalb der USA. Loch 16 hat das Prädikat „Top 10 Par 4“ vom Golf World Magazine bekommen und Loch 2 ist das längste Par 5 in Wales. Der The Lake Course hat seinen Namen nicht zufällig: Er wird von einem großen Teich dominiert, dessen Wasser bei 11 Löchern ins Spiel kommt. Loch 12 endet mit einem Inselgrün. Das moderne Vale-Hotel mit 143 Zimmern und einem großen Wellness-Bereich gehört zur 4-Sterne-Kategorie und wurde zur Rugby Weltmeisterschaft 1999 eröffnet – das National Team schlägt dort seither regelmäßig sein Quartier auf.

Marriott St. Pierre Hotel & Country Club
St. Pierre Park, Chepstow,
Tel.: +44/1291/625261
Zwei Kurse: Mathern Course (Par 68), Old Course (Par 71). Greenfee ab 66 Euro.
Der Marriott St. Pierre Hotel & Country Club liegt im St. Pierre Park, einer 22 Hektar großen Parkanlage in den „rolling hills” von South Wales. Die beiden Kurse fügen sich perfekt in den riesigen Park mit altem Baumbestand (mächtige Kastanien!) und bilden als klassische Parkland-Kurse einen Kontrast zu den Links. Zu den zwei Plätzen gibt es ein traditionelles Hotel mit 148 Zimmer und 16 Suiten in einem Schloss aus dem 14. Jahrhundert.

Ashburnham Golf Club
Cliffe Terrace, Burry Port, Carmarthenshire, Tel.: +44/1554/833846
Par 72. Greenfee: 74/96 Euro (wochentags/Wochenende)
Ashburnham ist ein klassischer Links-Kurs und zwar einer der schönsten im Land – mit Blick über Carmarthen Bay. Das Design des Kurses ist praktisch jenes, das J. H. Taylor 1910 entwickelt hat. Die ersten und letzten zwei Löcher werden Richtung Clubhaus gespielt, 3 bis 8 verlaufen parallel zum Meer hinein in den Wind, während man von der 9 bis zur 15 den Wind im Rücken hat. Der Platz kennt noch dazu keine Gnade für große Slicer. Sehr traditionell ist hier auch das Clubhaus, an dem seit den Anfängen nicht viel verändert wurde. Skurriles Detail: Nur etwa zehn Prozent der Clubmitglieder hier sind Frauen und sie haben eine eigene Lounge – mit Holzstühlen. Die Herren sitzen auf maskulinem Leder.

Informationen zu allen Golfplätzen in Wales: www.golf-in-wales.com

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