Guten Mogen Land – Türkei [0]
Guten Morgen Land!
(aus GR 3/2005)
Die Türkei im Allgemeinen, Golf im Speziellen: Man kennt und schätzt das Land, sommers wie winters, Badeurlauber wie Golfer.
Den Anfang macht eine Kritik, die ich mir leiste. Wissend, jede Menge Unterstützer zu finden. Liebe Hotels an der so hübschen türkischen Riviera, die Ihr uns Golfern den Frühling/Herbst/Winter so schön verkürzt, bitte besinnt Euch der fantastischen türkischen Küche und verzichtet auf den europäischen Einheitsbrei am Speiseplan. Nur weil drei Mal pro Woche das Buffet neu arrangiert und die Tische umgestellt werden, lassen wir uns nicht von der Eintönigkeit täuschen. Und bei aller kulinarischen Unzulänglichkeit gewisser Inselvölker Europas, erfreut sich der gemeine Österreicher auch an Döner, Falafel & Co.
Gerne verraten wir aber schon vorweg Auswege aus der lukullischen Tristesse, die idealerweise direkt in den Golfclubs enden.
Die feinste Adresse dafür ist der National GC, der eine famose Küche bietet. Sinnigerweise mit einem Chefkoch namens „Tiger“, der mit dem Kochlöffel ebenso virtuos umzugehen weiß wie der richtige Tiger mit Wedge & Co. Adnan Kaplan wie Tiger amtlich heißt, versteht sich auf türkische Spezialitäten ebenso gut wie auf die hohe Kunst der modernen europäischen Küche, wiewohl wir allen erstere ans Herz legen. Gerne kocht „Le Chef“ auch abends, sollte es Sie einmal nach gelungener Abwechslung gelüsten. Allerdings: Zumindest zwei Vierer-Flights sind nötig und auch eine Reservierung.
Damit legen wir die Speisekarte einmal für einen Moment beiseite. Der National GC war 1994 übrigens der erste Golfplatz an der türkischen Riveria, die man bis dahin nur als Badestrand kannte und besuchte. European-Tour-Pro David Feherty zeichnete den Kurs, der dank seines Waldreichtums vor allem den Straight-Hitter bevorzugt. Ein feiner 9-Loch-Kurzplatz lädt zudem ein, das über den Winter eingerostete kurze Spiel zu entstauben. Im Sog des National GC entstanden das Gloria Golf Resort (27 Loch), Tatbeach (27 Loch) und Nobilis (18 Loch).
Mit dem vor kurzem neu eröffneten Antalya GC mit seinen Kursen Pascha und Sultan ist es aber nicht getan. Konkret wird sich das Gloria Resort bald auf 45 Loch vermehren (davon ein 9-Loch-Akademie-Kurs) und mit Ende 2007 sollen fünf weitere Kurse eröffnen. Damit sollten dann den 35 Hotels, die sich auf dem nur 15 Kilometer langen Land – pardon: Küstenstrich der Hotelretortenstadt Belek aufteilen, ausreichend Golfer angeliefert werden.
Kein Geheimnis
Die Türkei ist längst vom Geheimtipp zur seriösen Golfdestination gewachsen und will diesem Ruf entsprechend Rechnung tragen. Die vor zwei bzw. drei Jahren eröffneten 18-Loch-Kurse Sultan und Pasha des Antalya GC beweisen das eindrucksvoll. „The Pasha“, der einfachere der beiden Kurse, ist die perfekte Wiese für den Durchschnitts-Handicapper und auf „The Sultan“ können sich auch gute Spieler ordentlich abstrudeln: Das passt auch von der Hierarchie gut. Schließlich ist der Sultan wichtiger als der Pasha.
Mit 6400 Metern von den Back-tees bei Par 71, 122 Bunkern, 19 Teichen und nicht zu vergessen dem häufig garstigen Wind ahnen Sie jedenfalls schon, was am Sultan-Kurs aus Sie zukommt. Am besten, Sie merken sich einfach, was Bobby Jones über diesen Kurs gesagt haben könnte, vielleicht hilft es ja: „Es gibt kein Loch auf diesem Kurs, das du nicht Birdie spielen kannst, so lange du mit Hirn spielst. Vergisst du aber zu denken, kannst du dir überall ein Doppelbogey einfangen.“ Nun, das mit dem Birdie mag vielleicht nicht für jeden von uns gelten, aber zumindest wissen wir, was Bobby, Gott hab ihn selig, gemeint hat.
Relaxter, aber nicht minder spannend geht es am „The Pasha“ zu. Wenn auch deutlich kürzer, reichen die vielen Wasserhindernisse dennoch locker aus, um unseren Score zu ruinieren. Immerhin gibt es auf diesem Kurs ausreichend Ausweichmöglichkeiten, weil er nicht ganz so eng gestrickt ist. Der französische Pianist und Komponist Richard Clayderman ist auf diesen beiden Plätzen übrigens allgegenwärtig und wird gut an Tantiemen verdienen. Der Grund: Seine „Ballade pour Adeline“ ersetzt seit gut zwei Jahren die herkömmlichen Schulglocken und so ertönt jede Stunde aus den golfplatznahen Schulen sein Klaviergesäusel. Man gewöhnt sich allerdings recht rasch daran, immerhin.
Vorzüglich sind in jedem Fall die Trainingsmöglichkeiten auf der beidseitig bespielbaren Driving-Range und dem feinen Short-Game-Bereich mit Putting- und Chipping-Grün sowie einer Bunker-Shot-Area. Gut gelungen ist auch das Clubhaus: ein modernes, helles und großzügig bemessenes Gebäude mit guter und preisgünstiger Küche. Ebenfalls eine Alternative zum Hotel, wenn einem nicht nach All-inclusive ist.
Apropos Hotel: Der Antalya GC liegt direkt vor der Haustüre des Sirene Golf Hotel, einem mächtigen, aber durchaus feinen Fünf-Sterne-Haus, das seine Stoßrichtung im Winter ganz klar auf den Golfer ausgerichtet hat. Wie die meisten Häuser dieser Gegend bietet auch das Sirene Golf Hotel einen gut funktionierenden Shuttle Service zu sämtlichen Plätzen der Gegend.
Nur zur Erinnerung: Die 27-Loch-Anlage von Tat Beach und der National GC liegen keine fünf Autominuten vom Antalya GC entfernt, zum Gloria Golf Resort und dem benachbarten Nobilis GC dauert es gut 15 Minuten.
Die Plätze an der türkischen Riviera sind übrigens durchwegs in gutem Zustand. Eines sollte man bei seiner Reiseplanung bedenken: Ende Februar und Ende September werden sämtliche Golfkurse „overseeded“, also mit neuen Grassamen versehen, was zu einer ordentlichen Beeinträchtigung des Spielbetriebes führt. Doch schon zwei Wochen später sind die Plätze wieder in Top-Zustand. Und das schätzen wir Golfer ganz besonders, wenn wir uns auf Urlaub begeben.
Reiseinfos
GOLF IN DER TÜRKEI
Beste Reisezeit:
Wir empfehlen den frühen europäischen Winter, also November und den sehr frühen Frühling, also Februar und März. Sie können natürlich auch Golf- und Badeurlaub kombinieren: Dann empfehlen sich frühe Startzeiten, damit die Sonne Sie nicht verbrennt.
Die Greenfee-Preise bewegen sich in etwa im österreichischen Niveau: Eine 18-Loch-Runde kostet im Schnitt ab 60 Euro aufwärts.
Bestes Nicht-Golf-Vergnügen:
Vorzugsweise Bücher! Die Hotels bieten am Abend zwar recht gemütliches Bar-Vergnügen, wer sich aber nach zehn Stunden Golf auch einmal nicht über Socktes und Drei-Putts unterhalten möchte, ist im eigenen Zimmer (meist recht üppig dimensioniert) gut aufgehoben.
Kursbuch Golf:
Antalya GC, 36 Loch, „The Pasha“, 18 Loch, 4326 bis 5731 Meter, Par 72
„The Sultan“, 5003 bis 6411, Par 71, bzw. Par 72 für Damen;
National Golf Club, 18 Loch, Damen/Herren 5070 bis 6109 Meter Par 72, 9-Loch-Par 3-Academy
Tat Beach GC, 27 Loch, je 9 Loch „The Belek“, 3008 Meter, Par 36;
„The International“, 3191 Meter, Par 36 und „The Tat“, 3107 Meter, Par 36;
Nobilis Golf Club, 18 Loch, 5103 bis 6312 Meter, Par 72;
Gloria Golf Resort, 18 + 9 Loch, 5330 bis 6288 Meter, Par 72.
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