Thailand [0]

König sind wir alle

(aus GR 6/2007)

Spektakuläre Abschläge, verschwenderische Fairways, opulent gestaltete Clubhäuser und das alles in einem majestätischen Land.

Katharina Wieser über eine Urlaubsdestination, die sich keinem unserer Sinne verschließt und wo das gern zitierte Bonmot vom „Gast als König“ keine Floskel, sondern Programm ist.

Sanft graben sich die Finger von Phuong Anh in meine verspannte Schulterpartie, lösen nachhaltig den Alltag auf und kneten mich Richtung Urlaub, ehe sich die Dame so still und leise, wie sie gekommen ist, wieder zurückzieht. Während ich mit Blick auf die üppige Landschaft ringsum dusche, wird das Frühstück zum Pool serviert, zum eigenen. Zeit, heißt es landläufig, sei der wahre Luxus. Wer diesen noch mit den Vorzügen eines eigentlich unbeschreiblichen Hotels wie dem Aka Resort, im Nationalpark von Hua Hin gelegen, zu verknüpfen weiß, urlaubt in der Vorstufe zum Paradies. Wohlgemerkt einem Golferparadies, und das seit beinahe hundert Jahren.

Denn bereits in den 1920er Jahren traf sich die High Society Thailands im Badeort Hua Hin – auch das Sommerdomizil des herrschenden Königs Rama dem IX – zum Golf. Wer sich damals keinen Palast leisten konnte, residierte im Railway Hotel, dem heutigen Sofitel Central Hua Hin Resort. Quasi Schulter an Schulter mit diesem befindet sich auch der ältestes Golfclub des Landes, der Royal Hua Hin GC. Entworfen vom schottischen Eisenbahningenieur O. A. Robins und 1924 eröffnet, bietet der königliche 18-Loch-Platz einen wunderbaren Ausblick auf die königliche Wartehalle des Bahnhofs, und vice versa. Wobei Bahnhof in diesem Fall etwas unwürdig klingt, ragt das Gebäude doch palastartig Richtung Himmel, keine Spur vom üblichen Flair einer Railway-Station. Der Platz selbst mag nicht zu den großen Nummern im 200 Golfclubs reichen Thailand zählen, wer aber Tradition schätzt und auch mal auf Trent Jones & Co. verzichten kann, wird seinen Spaß haben. Allein schon bei der Fahrt zum Platz via Fahrrad-Rikscha. Soviel Zeit muss sein.

Deutlich mainstreamiger gibt sich da schon der Majestic Creek Country Club: Mit seinen Fairways, die exotischen Buckelpisten gleichen und den opulent aufgetragenen Wasserhindernissen, steht der nur 22 Kilometer von Hua Hin entfernte 27-Loch-Kurs im Mittelpunkt des golferischen Interesses. Wie fast überall in Thailand, entpuppen sich die Grüns als schnell, trickreich und schwierig zu lesen. So werden die fast ausschließlich weiblichen Caddies, in Thailand auf allen Plätzen obligatorisch, beim Putten gern zum Jolly Joker. Nicht ganz ohne Eigennutz übrigens. Denn wir Golfer liefern den Damen neben den rund zehn Euro Caddie-Fee auch noch die Chance zum Nebenerwerb: Sie wetten nämlich gerne, wer von uns Hackern am Ende der Runde die Nase vorne hat. Konzentrieren Sie sich also das nächste Mal ein bisschen mehr, oder wetten Sie mit.

Ebenfalls g’schmackig gibt sich der Imperial Lake View GC, rund 25 Kilometer nördlich von Hua Hin und seit kurzem 36 Loch groß. Fein portioniert in vier mal 9-Loch-Filetstücke namens Mountain, Lake, Desert und Links, ergeben sich sechs 18-Loch-Varianten, wobei wir die Kombination „Mountain/Lake“ favorisieren, auch wegen der landschaftlichen Vielfalt: Zunächst gilt es in den Bergen möglichst ordentliche Drives zu schlagen, während man einen Stock tiefer die kühle Brise am Lakes-Kurs genießen und sich dem Nervenkitzel auf Loch 5 hingeben kann: Beim Signature Hole (Par 3, knapp 200 Meter) liegen sowohl Abschlag als auch Green auf einer Insel.

Ehe wir uns aber wieder in die magischen Hände von Phuong Anh begeben – vielleicht kann sie ja auch Socket und Slice wegmassieren – besuchen wir noch den Jack-Nicklaus-Kurs Springfield Royal CC. Vom thailändischen Golf Digest unter die Top 10 des Landes gereiht, finden sich überall die klassischen Fußspuren des „Golden Bear“: Bunkerlandschaften so groß, dass man darin Sahara-Durchquerung üben könnte und teils exzessiv ondulierte Grüns prägen das Bild dieser Anlage. Es ist übrigens einer von insgesamt sieben Plätzen des Golf- und Design-Großmeisters in diesem Land.


Das Bouquet von Phuket

Die letzte Neuerscheinung von Nicklaus hat 2004 in Phuket seine Pforten geöffnet: Mission Hills – ein wohl gebräuchlicher Name in dieser Ecke der Welt –, ebenfalls 27 Holes groß, liegt direkt am so genannten Andaman Meer, quasi einem Bezirk des Indischen Ozeans, der den Südwesten von Thailands Küste ausschmiert. Phuket ist so etwas wie das touristische Epizentrum des Landes und damit Heimat des Pauschalreisenden. Abgefedert wird dieser, nennen wir ihn süß-säuerliche, Beigeschmack einerseits durch die unerschütterliche Freundlichkeit der Thais und andererseits durch famose Golfplätze, wie etwa dem Blue Canyon CC.

36 Loch auf einer ehemaligen Zinn-Miene und Kautschuk-Plantage von Yoshikazo Kato mit 87 Wasser- und Bunkerhindernissen derart spektakulär verlegt, dass unsereiner zwischen Staunen und Slice verzückt zur Kamera greift. Der Score? Egal, den lassen wir uns am Abend wieder wegmassieren. Idealerweise gleich vor Ort im Hotel am Platz, wo es sich vorzüglich wohnen, eigentlich logieren, lässt. Das ist auch bei der Buchung von Tee-times hilfreich, die ausschließlich Mitgliedern und Hotelgästen vorbehalten ist. Nicht so am Lakes Course, der ein wenig im Schatten des größeren (und älteren) Bruders steht, sich aber nicht minder spaßig-spektakulär spielt.

Weitere Highlights auf der Insel Phuket sind etwa der Thai Muang Golf Course aus der Feder von Perry Dye, der als einziger direkt am Meer liegt, was entsprechenden Wind mit sich bringt, der den einen oder anderen Ball ins Rough oder in eines der zahlreichen Wasserhindernisse abdriften lässt. Besonders spektakulär geben sich die Löcher 17 und 18: Bekannt als „The Lady“ erfordert das 160 Meter lange Par 3 (Loch 17) einen präzisen Schuss über eine Lagune und einen langen Bunker auf ein riesiges Grün, von dem aus sich ein spektakulärer Blick auf die umliegenden Lagunen auftut. Ein pittoreskes Finale bietet das parallel zum Meer verlaufende Par 4: Wind und hantiges Rough vermischen sich zu einer Kombination, bei der oft viel Zeit zum Schauen bleibt.

One night in Bangkok

Wild, irrwitzig, spannend, reizüberflutet. Thailands Hauptstadt mit seinen rund 14 Millionen Menschen ist nichts für Klaustrophobier. Zumal man immer das Gefühl hat, alle 14 Millionen seien gleichzeitig unterwegs. Verkehrsregeln gibt es laut Gesetz, ob sich aber je ein Thai daran gehalten hat, ist ungewiss. Straßenhändler verkaufen alles, von der Rolex – „Garantiert fast echt“ – bis zum gegrillten Skorpion, eine Delikatesse. Sagt er. Wer sich auf das Treiben einlässt, ist allerdings rasch ein Teil davon, lässt sich vom Nachtleben einfangen, genießt das exotische Flair. Selbst in Patpong, dem schlecht beleumundeten Vergnügungsviertel der Metropole, ist nicht alles rot, was glänzt.

Golferisch empfehlenswert sind jedenfalls der Alpine Country Club sowie der Thai Country Club (je 18 Loch), beide echte Leckerbissen und Tour-erprobt. Auf beiden Plätzen hat ein gewisser Tiger Woods schon gespielt und natürlich gewonnen – 1997 am Thai CC, 2000 im Alpine CC. Entsprechend stolz und teuer präsentieren sich die Clubs, die zu recht zu den Besten des Landes zählen.

In diesem Sinne: „Jin die tohn rap“, was soviel heißt wie: Willkommen in Thailand, und zwar immer und überall.


Reiseinfos

Anreise

Die Austrian Airlines fliegt die Strecke Wien – Bangkok täglich. Der zehn Stunden Flug lässt sich in der neuen Business Class in einem der 49 Schlaf-Fauteuils, die Schlafkomfort mit echtem Kino-Feeling verbinden, besonders angenehm verbringen. Für kulinarische Höhenflüge an Bord sorgen „fliegende Köche“ aus der ganzen Welt, ein echtes Wiener Kaffeehaus Service verwöhnt mit berühmten österreichischen Mehlspeisen. Wem es bis zum Urlaub noch zu lange dauert, der kann schon jetzt im Internet unter www.austrian.com in der neuen Business Class virtuell Platz nehmen.

Einreise

Für den Aufenthalt von bis zu 30 Tagen ist kein Visum notwendig. Voraussetzung: Mindestgültigkeit des Passes für sechs Monate.

Reisezeit und Klima

Die angenehmste Golf-Reisezeit ist von November bis Februar (25 bis 33 Grad). Der Monsun führt von Mai bis Oktober zu vermehrten Regenfällen.

Essen

In Thailand vereinen sich indische Currys, malaiische Kokusnusssaucen und feine chinesische Kochkunst mit frischen Kräutern und Früchten des Landes. Die thailändische Küche ist nicht nur eine der besten, sondern auch eine der günstigsten der Welt. In Thai-Restaurants kosten die meisten Speisen weniger als zwei Euro.

Währung

Die thailändische Währung ist der Baht (1 Euro = circa 42 Baht).

Kursguide Golf

Folgende Serviceseiten bieten Platzdetails, Kontaktadressen und Startzeitreservierung online:
www.golfasian.com
Website mit sämtlichen Platzinformationen sowie Reisepaketen und Startzeitreservierungen, schnelles und gutes Service in allen Sprachen

www.thaigolfer.com
Golfplatzranking und jede Menge technische Informationen zu den Kursen

www.asiatours.net
Bietet Golf Touren, Platzkombinationen und gute allgemeine Informationen zur Thailandreise

Greenfees

Die Greenfeepreise bewegen sich zwischen 20 und 60 Euro: Handicaplimit gibt es in Thailand keines. Startzeitreservierung ist notwendig, aber leicht durch den Veranstalter und auch spontan vor Ort zu organisieren.

Absoluter Hotel-Geheimtipp:

Wer seinen Urlaub gerne zurückgezogen in puristischer Schönheit mit stilvoller Eleganz und ausgezeichnetem Service verbringt, erkundigt sich beim Reiseveranstalter nach den AKA Resorts (www.akaresorts.com) in Hua Hin. Abseits vom thailändischen Massentourismus bietet dieses Hotel eine Vielzahl an individuellen Golf-, Spa- und Romantikpaketen.

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