Reportage: Golf in Korea [0]

Ein bisserl weg vom Schuss, und was die Verfügbarkeit der Tee-Times betrifft, kein echter Heuler: Die Golfrevue hat Südkorea dennoch bereist und ­dabei höchst Seltsames erlebt.

 

Bunt wie das ­Leben  Das für uns fremde und geheimnisvolle Südkorea zeigt sich dem Besucher als moderner, sehr amerikanisch orientierter Staat. Neben hervorragenden Golfplätzen hat das Land auch sehr viel an Geschichte und Kultur zu bieten.

Bunt wie das ­Leben  Das für uns fremde und geheimnisvolle Südkorea zeigt sich dem Besucher als moderner, sehr amerikanisch orientierter Staat. Neben hervorragenden Golfplätzen hat das Land auch sehr viel an Geschichte und Kultur zu bieten.

Man könnte sagen, Südkorea ist deutlich näher an Österreich gerückt. Den direkten Konnex liefert Bernd Wiesberger, dessen grandioser Erfolg bei der Ballan­tine’s Championship im Blackstone Golf Club bei Seoul wohl auch Golf-Österreich wachgerüttelt hat. Und das im wahrsten Sinne des Wortes, feierte Bernd seinen Sieg doch um etwa 5 Uhr früh unserer Zeit. Den klassischen Reflex „Ah, dort spielen s’ auch Golf“ erschüttert ein Blick auf die Damen-Weltrangliste gehörig: Korea ist eine Golf-Weltmacht. Schaut man sich das Land noch ein bisserl genauer an, ist auch das kein Wunder: Geschätzte vier Millionen KoreanerInnen – satte 12 Prozent der Bevölkerung – spielen Golf. Wobei: Spielen stimmt so nicht ganz. Präzise formuliert muss es heißen: Rund vier Millionen KoreanerInnen sind wahre Golf-Fanatiker. Doch das Gros hat noch nie Bermuda-Gras unter den Spikes gespürt, geschweige denn gemütlich am 19. Loch auf ein Birdie angestoßen. Die meisten frönen dem Golfsport auf einer der über 6.000 Indoor-Golfanlagen oder den überdimensionalen mehrstöckigen Driving-Ranges.

KoreaGolf1Flächenmäßig gerade mal ein Fünftel größer als Österreich, gibt es bei rund 45 Millionen Einwohnern nämlich wenig Platz für Golf. Und so bleibt diese Aktivität trotz der enormen Popularität den Schönen & Reichen des Landes vorbehalten: Die Einschreibgebühr in einem „besseren“ Countryclub knackt locker die 500.000-Dollar-Grenze; wenn’s was Exklusives sein soll, muss man gut und gerne zwei Millionen Dollar für eine Mitgliedschaft überweisen. Da ist es dann auch schon egal, wie viel die Jahresgebühr beträgt oder ob’s Vergünstigungen für eine Familienmitgliedschaft gibt.

Der durchschnittliche Greenfeepreis ist dabei mit etwas über 200 Euro geradezu ein Schnäppchen – wenn man denn eine Tee-Time bekommt. Deshalb weicht eben der Großteil der Golffanatiker auf Driving-Ranges und Indoor-Anlagen aus. 70 Prozent aller Indoor-Anlagen weltweit stehen deshalb in Südkorea. Wie bei uns jedes Dorf mehrere Tennisplätze hat, so hat in Südkorea jedes mehrere Indoor-Anlagen.

Typisch für einige Kurse in Korea: die zerklüftete Landschaft hier im Whistling Rock GC

Typisch für einige Kurse in Korea: die zerklüftete Landschaft hier im Whistling Rock GC

Quasi als Eltern des Golfbooms firmieren Grace Park und K. J. Choi. Park eroberte ab 1999 die USA, wurde Rookie of the Year, gewann ein Dutzend Turniere, ­darunter auch ein Major. K. J. Choi, seit 1994 Golf-Pro, etablierte sich ebenfalls Ende der 1990er-Jahre auf der US-Tour. 2009 sicherte sich dann Y.  E. Yang als erster Südkoreaner einen Major-Titel. Im Windschatten der Pioniere ist der Run der korea­nischen GolferInnen Richtung US-Tour nicht mehr aufzuhalten. Golf ist in Korea mittlerweile derart populär, dass sich zwei TV-Kanäle, die 24 Stunden am Tag über Golf berichten, sowie täglich erscheinende Kolumnen in den führenden Tageszeitungen fix etabliert haben.

Wie wichtig den Koreanern ihr Golf ist, zeigen die skurrilen Blüten, die dieser Sport mitunter treibt: Um den Eindruck zu erwecken, dass sie zur exklusiven Masse der vier Millionen Golfer gehören, legen sich manche Koreaner samt übergestreiftem Golfhandschuh ins ­Solarium. Die noble Blässe an der Hand signalisiert den Mitmenschen sofort: Ah, ein Golfer …

Demarkationslinie der Ideologie und der wohl gefährlichste Golfplatz der Welt

Erschreckend: Das Par 3 in Camp Bonifas liegt direkt an der streng bewachten Grenze. Es gibt aber weit beschaulichere Anlagen.

Erschreckend: Das Par 3 in Camp Bonifas liegt direkt an der streng bewachten Grenze. Es gibt aber weit beschaulichere Anlagen.

Einst japanische Kolonie, wurde Korea nach dem Zweiten Weltkrieg quasi zwischen Russland und Amerika entlang des berühmten 38. Breitengrads aufgeteilt. Die künstlich gezogene Trennlinie ist aber nicht einfach nur eine Staatsgrenze, der Breitengrad trennt vor allem Ideologien. Die demilitarisierte Zone, die ihn begleitet, ist rund vier Kilometer breit und 248 Kilometer lang.

Aber selbst dort, im Niemandsland zwischen Minenfeldern, Stacheldrahtverhauen, Schützengräben und Wachttürmen, wird Golf gespielt: Camp Bonifas im rund 50 Kilometer von Seoul entfernten Panmunjom ist naturgemäß also kein Golf-Eldorado. Aber wenn Sie den wahrscheinlich gefährlichsten Golfplatz der Welt spielen wollen, sind Sie hier richtig. Nur damit Sie nicht sagen, wir hätten Sie nicht gewarnt: Der Platz besteht aus nur einem Loch, einem 175 Meter langen Par 3. Und wegen der vielen Minenfelder empfiehlt sich hier ein äußerst präziser Schlag auf das Grün.

Blackstone Golf Club
Beschaulicher und weniger gefährlich geht es im Blackstone Golfclub in Icheon zu, Wiesbergers aktuellem Lieblingsplatz in ­Korea. Hier hat der Burgenländer im April dieses Jahres seinen ersten großen Sieg gefeiert. Das alleine wäre schon Grund genug, sich das Resort genauer anzusehen. Es gibt aber derer etliche mehr. Der im Südosten der Hauptstadt Seoul gelegene Club betitelt sich selbst als „Blackstone Exclusive Golf Club“, und das zu Recht: Der 2009 eröffnete Club hat angeblich nur 300 Mitglieder und gehört zu den landschaftlich eindrucksvollsten Golfplätzen auf unserem Planeten.

Der Blackstone GC, auf dem Bernd Wiesberger 2012 seinen ersten Toursieg feierte.

Der Blackstone GC, auf dem Bernd Wiesberger 2012 seinen ersten Toursieg feierte.

Die 27 Loch ergeben also drei Plätze, je nachdem, welche zwei Loops man kombiniert. Perfekt in die Landschaft eingebettet und untermalt von großer botanischer Vielfalt, spielt sich der Platz, gespickt mit Wasserhindernissen, Schluchten und mächtigen, Ehrfurcht gebietenden Bunkern, mächtig knifflig.

In Korea ist es übrigens üblich, mit Cart und Caddy auf die Runde zu gehen. Das beschleunigt das Spiel – man möchte, nein: man muss so viele Spieler wie möglich auf und über den Platz bringen – und spart jede Menge Frustration.

Die Golf- & Hochzeitsinsel

Starke Architektur und luxuriöses Service: selbstverständlich in den Country Clubs

Starke Architektur und luxuriöses Service: selbstverständlich in den Country Clubs

Wer Südkorea wirklich gesehen haben will, darf die Insel Jeju-do nicht auslassen. Vom nationalen Flughafen Daegu aus lässt sie sich bequem per Flugzeug innerhalb einer Stunde erreichen. Auf Jeju-do erreicht auch der Hauptgebirgszug Taebaek San Meek, der sich von Norden aus durch das ganze Land zieht, mit dem knapp über 1.900 Meter hohen Hallasan seine höchste Erhebung. Die subtropische Insel vulkanischen Ursprungs ist nicht nur bei Koreanern ein beliebtes Urlaubsdomizil. Sie ist auch das „Flitterwochen-Paradies“. Eine Art Wahrzeichen der Insel sind Figuren aus Lavastein, die in früheren Zeiten als Schutzgottheiten verehrt wurden. Der Klassiker unter diesen Figuren ist Dolharuban, was übersetzt so viel wie Steingroßvater bedeutet. Sie stellt einen alten, freundlich lächelnden Mann dar und ist schlicht das beliebteste Souvenir der Insel.

Aber nicht nur Flitterwöchner haben dort ihren Spaß. Auch für uns Golfer ist Jeju-do ein wahres Paradies: Angesichts von mehr als 30 Golfplätzen, alle bestens gepflegt, perfekt in die Landschaft integriert und von feinstem Strich, lohnt es sich, ein paar Tage zwischen liebeshungrigen Paaren zu verbringen.

Nine Bridges Golf Club
Der wahrscheinlich exklusivste Club der Insel ist der 2001 eröffnete Nine Bridges, der sich in den Top-100-Golfclubs wiederfindet. Nummer 49 im weltweiten Ranking des US-„Golf Magazine“, seit vier Jahren ununterbrochen die Nummer 1 des „Seoul Economics Daily Golf Magazine“, Nummer-1-Golfplatz der koreanischen „Golf Digest“, Nummer 64 der Top-100-Golfplätze außerhalb der Vereinigten Staaten bei der US-„Golf Digest“. Solche Auszeichnungen muss man sich erst verdienen:

NineBridgesGC

Der Nine Bridges GC ist einer der spektakulärsten Plätze Asiens.

Und wahrlich, der Platz ist phänomenal, fast überirdisch! Ronald Fream und David Dale haben zauberhafte 18 Loch (Par 72 / 6.450  m) behutsam in die Landschaft integriert, die eindrucksvolle Flora und der wundervolle Ausblick auf den majestätisch anmutenden Mount Hallasan bilden den imposanten Rahmen. Die vorderen neun Loch winden sich zwischen Bäumen, entlang von Bächen und sehr trickreich angelegten Mauern aus Stein, die hinteren neun rollen im schottischen Highland-Stil mit weiten Wiesen, Teichen und See sowie den typischen Pot-Bunkern (über 110!) durch die Landschaft. Auf dem gesamten Platz gibt es übrigens acht reale Brücken, die neunte Brücke ist eine metaphorische und soll die Mitglieder mit dem Club verbinden

Jack Nicklaus Golf Club Korea
Auf dem Weg zurück zum Incheon Airport empfiehlt sich ein Abstecher nach Songdo. In dem 50 km südlich von Seoul ­gelegenen Business District hat Jack Nicklaus den Jack Nicklaus Golf Club Korea designt. Nur wenige Minuten vom Flughafen entfernt kann man den Trip in das Land der wohl enthusiastischsten Golfer mit Stil ausklingen und das Erlebte noch einmal Revue passieren lassen. Der 6.778 m lange Par-72-Kurs ist im typischen Nicklaus-Design gestaltet, er wurde 2010 eröffnet, ist anspruchsvoll, aber fair zu Spielern aller Handicapklassen. Der Platz ist „very artificial“, flach, mit sehr viel Wasser und jeder Menge Bunkern versehen.

Der Sky72 GC ist ein weiterer Top-Kurs in Südkorea

Vom Besten nur das Beste: Der Sky72 GC ist ein weiterer Top-Kurs in Südkorea

Nach der Runde sollte man im mondänen und futuristischen Clubhaus noch einige landestypische Schmankerln wie Bibimbap (Gemüse gemischt mit Reis, Spiegelei und Fleisch), Kimchi (eingelegter Chinakohl) oder Bulgogi (am Tisch gegrilltes Rindfleisch) zu sich nehmen, bevor man den elfstündigen Flug nachhause antritt. Einige Gläser Soju – das alkoholhaltige koreanische Nationalgetränk, eine Art Reisschnaps mit 20 % Alkoholgehalt – garantieren, dass man eine lange Zeit im Flieger selig schlafend verbringt und von der nächsten exotischen Golfreise träumt.

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